Politik

Biden holt auch noch Michigan Trumps Chancen schwinden

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Möglicherweise zu früh gefreut? Melania und Donald Trump nach dessen Washingtoner Rede, in der er seinen Sieg erklärte.

(Foto: imago images/UPI Photo)

Biden holt Michigan, Wisconsin, Maine und liegt in zwei weiteren Staaten vorn. Kann er diesen Vorsprung halten, hat der Demokrat die US-Wahl gewonnen. Trumps Team reicht derweil Klage ein und versucht, die Auszählung in Pennsylvania zu stoppen.

Was Donald Trump schon so lange befürchtet hat - nun scheint es Wirklichkeit zu werden: Der zunächst deutliche Vorsprung für den Präsidenten in beinahe allen "Swing States" bröckelt Stück für Stück. Mit Michigan geht am späten Nachmittag (Ortszeit) ein weiterer der umkämpften "Battleground States" an den Herausforderer Joe Biden.

Mit 49,8 Prozent, also einem hauchdünnen Vorsprung kann der Demokrat Michigan für sich gewinnen. 48,6 Prozent hat Trump erreicht. In Wisconsin, wo Biden wenige Stunden zuvor das Rennen machte, lag er mit 49,6 Prozent vorn. Donald Trump hatte zwar im Laufe des Nachmittags auch dazugewonnen, aber kam nur auf 49,0 Prozent.

Auf einen Sieg in Wisconsin hatten die Demokraten gesetzt, da Biden hier den ganzen Tag über knapp vorn gelegen hatte, zuletzt hatte er etwa 20.000 Stimmen mehr als Trump. Die Republikaner kündigten an, eine Nachzählung zu beantragen - in früheren Jahren hatten sich dabei meist nur einige hundert Stimmen verschoben. Mit den zehn Stimmen der Wahlleute aus Wisconsin kommt Biden aktuell auf 253 Stimmen.

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Trump versuchte noch, Michigans Zählung zu stoppen

In Michigan, Bidens neuester Errungenschaft, hatte sich das Blatt am Nachmittag überraschend gewendet. Mit 49,5 Prozent zog Biden dort an Trump vorbei, der bislang geführt hatte und plötzlich mit 48,9 Prozent der Stimmen zurücklag, wie CNN und Fox News berichteten. Noch wenige Stunden zuvor war das Kräfteverhältnis exakt umgekehrt gewesen.

Am Nachmittag hat Trumps Wahlkampfteam nach eigenen Angaben Klage bei einem Gericht in Michigan eingereicht und einen sofortigen Stopp der weiteren Auszählung verlangt. Offensichtlich vergeblich. Den Republikanern sei es in mehreren Wahllokalen verwehrt worden, die Öffnung von Wahlbriefen und die Auszählung von Stimmen zu beobachten, erklärte Wahlkampfmanager Bill Stepien. Damit sei gegen ein gesetzlich verbrieftes Recht in diesem US-Staat verstoßen worden.

2016 war Michigan sehr knapp und völlig unerwartet an Trump gegangen und hatte ihm den Weg zum Überraschungssieg geebnet. In diesem Jahr gehen die 16 Stimmen der Wahlleute an Joe Biden.

Maine bringt drei wichtige Stimmen

Auch in Nevada sehen US-Medien den Demokraten derzeit knapp vorne mit 49,3 zu 48,7 Prozent. Allerdings könnte sich hier in den nächsten Stunden bemerkbar machen, dass zunächst die ländlichen Regionen ihre Stimmen geliefert haben, während die einzige Metropole, Las Vegas, mehr Zeit zum Auszählen benötigt. In urbanen Regionen sind die Demokraten meistens stärker. Das könnte Bidens Vorsprung weiter vergrößern. Etwa 85 Prozent der Stimmen sind ausgezählt. Die für die Wahl zuständige Innenministerin erklärte jedoch, dass es bis Donnerstagmorgen keine weiteren Zahlen mehr geben werde.

Arizona wird von Nachrichtenagenturen bereits seit dem Morgen als von Biden gewonnen gehandelt, auch wenn das Auszählungsergebnis noch nicht vorliegt. 87 Prozent der Stimmen sind ausgezählt, Biden führt komfortabel mit 51 Prozent zu 47,6 für Trump. Ein Sieg hier würde ihm weitere elf Stimmen für das Wahlgremium bringen.

In Pennsylvania schmilzt Trumps zunächst großer Vorsprung von 15 Prozentpunkten stündlich weiter ab. Der Präsident liegt bei 52 Prozent, doch Biden ist auf 46,7 herangekommen. Am Morgen wurde hier noch die Auszählung von weit mehr als einer Million abgegebener Stimmen erwartet. Die Hälfte dessen ist nun aufgearbeitet. Laut CNN rechnet man nun mit einer Aussage bis Donnerstagfrüh. Pennsylvania, Georgia und North Carolina sind die Staaten, die noch zählen und derzeit einen Vorsprung für den Republikaner Trump verzeichnen. Setzt Biden seine aktuelle Führung in Nevada und Arizona durch, dann ist er auf die anderen drei Bundesstaaten nicht mehr angewiesen.

Der kleine nordöstliche Bundesstaat Maine würde ihm im Konzert mit den Großen die entscheidende letzte Stimme bringen: Hier haben die Auszähler ebenfalls am Nachmittag "closed" gemeldet - alle Stimmen sind ausgewertet, und Biden hat den Wahlkampf hier mit 54,1 Prozent für sich entschieden. Maine darf nur vier Wahlleute ins Wahlgremium entsenden, hier gilt jedoch nicht das sonst übliche "Der Sieger kriegt alles"-Prinzip, sondern die Stimmen können gesplittet werden. Eine Stimme konnte sich Donald Trump sichern, die restlichen drei gehen an Biden. So käme er schließlich auf exakt 270. Die Zahl, die den Sieg bedeutet.

Quelle: ntv.de, fni/dpa