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Proteste vor Rede in Köln Türkische Gemeinde kritisiert Erdogan

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Erdogan bei einer Parteiveranstaltung in Ankara.

(Foto: REUTERS)

Am späten Nachmittag hält der türkische Ministerpräsident Erdogan seine lang erwartete Rede in Köln. Die Polizei meldet erste Proteste, die Türkische Gemeinde in Deutschland stellt sich auf die Seite der Kritiker.

Bereits vor dem Auftritt des türkischen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan haben sich in Köln Hunderte Anhänger und Gegner verbale Auseinandersetzungen geliefert. "Wir mussten die aufgebrachten Gruppen vor einem Restaurant voneinander trennen", sagte ein Sprecher der Polizei.

Es sei dabei zu keinen nennenswerten Zwischenfällen gekommen. In der Kölner Weidengasse hätten der türkische Vizeregierungschef Bülent Arinc und der türkische Botschafter Hüseyin Avni Karslioglu zu Abend gegegessen. Als dies bekanntwurde, hätten sich nach Behördenangaben spontan 300 Anhänger und Gegner der türkischen Regierung versammelt. Es sei zu lautstarken Protesten und gegenseitigen Beleidigungen gekommen. Erdogan will in der Kölner Lanxess-Arena eine Rede vor 15.000 Zuhörern halten. In der Stadt werden zudem etwa 30.000 Gegendemonstranten erwartet.

Erdogan spricht offiziell zum zehnjährigen Bestehen der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), die als verlängerter Arm seiner Partei AKP gilt. Die Polizei wird mit Hundertschaften vertreten sein, um Zusammenstöße zwischen beiden Gruppen zu verhindern. "Aber es wird nicht einfach sein", sagte Oberbürgermeister Jürgen Roters von der SPD.

Türkische Gemeinde: "Weniger Wahlkampf"

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Safter Çinar, fordert "versöhnliche Töne" von Erdogan. "Ich hoffe, dass er sowohl nach innen, also in die türkische Gemeinschaft, als auch nach außen, gegenüber der Bundesrepublik und Europa, versöhnliche Töne anschlägt, weil es in der letzten Zeit einige Irritationen gegeben hat", sagte Çinar. Wenn Erdogan "weniger Wahlkampf" machen würde und "mehr Staatsmann" wäre, "wäre das sicherlich für alle gut".

Seit den Protesten im vergangenen in Jahr auf dem Taksim-Platz habe Erdogan "eine sehr kompromisslose Linie in seinen Reden". Zuletzt habe der Ministerpräsident nach dem Grubenunglück in Soma "unglücklich agiert". Es wäre daher wünschenswert, wenn er "weniger reißerisch, weniger agitatorisch handelt" und die "Position der anderen einbezieht und nicht einseitig Parteiwahlkampf macht". Es müsse einen "demokratischen Dialog" geben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte, sie gehe davon aus, dass Erdogan wisse, "wie sensibel dieser Termin gerade diesmal ist, und dass er verantwortungsvoll auftritt". Besorgt zeigte sich Merkel über einige Entwicklungen in der Türkei. Als Beispiele nannte sie das Einschreiten gegen Demonstranten, die Übergriffe auf die sozialen Netzwerke und die Lage der Christen. Gleichzeitig sei "unbestritten, dass die Türkei mit Ministerpräsident Erdogan große wirtschaftliche Fortschritte" erzielt habe. 2008 hatte Erdogan in der Kölner Arena seine Zuhörer aufgerufen, zwar Deutsch zu lernen, sich aber nicht zu stark anzupassen.

Es gilt als wahrscheinlich, dass Erdogan im August für das Präsidentenamt der Türkei kandidieren wird. Dabei können erstmals auch etwa 1,5 Millionen Türken in Deutschland ihre Stimme abgeben.

Quelle: n-tv.de, vpe/dpa/AFP

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