Politik

Falsche Angaben im Lebenslauf US-Regierungsbeamtin fälscht "Time"-Cover

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Vom "Department of State", dem US-Außenministerium, gab es bisher keinen Kommentar zu Changs Anstellung.

(Foto: imago/photothek)

Mina Chang arbeitet im Außenministerium der USA. Den Job dürfte sie auch wegen ihres beeindruckenden Lebenslaufs bekommen haben: Absolventin von Harvard, Geschäftsführerin einer gemeinnützigen Organisation, ihr Gesicht auf einem Magazin-Titel. Doch es gibt Zweifel an der perfekten Biografie.

Der Ausdruck "den Lebenslauf geschönt" dürfte bei diesem Fall zu kurz greifen. Ein hochrangiges Mitglied in US-Präsident Donald Trumps Außenministerium hat offenbar nicht nur irreführende Tatsachen über seinen beruflichen Hintergrund in den Lebenslauf aufgenommen, sondern sogar ein Cover des "Time"- Magazins gefälscht - mit dem eigenen Gesicht darauf.

Recherchen von NBC News haben ergeben, dass Mina Chang, seit April stellvertretende Ministerialdirektorin im Amt für Konflikt- und Stabilitätsmaßnahmen, Fakten zu ihrer akademischen Ausbildung aufgebläht und beim Umfang ihrer früheren gemeinnützigen Arbeit übertrieben haben soll. Chang habe zudem einen Job in einem UN-Gremium erfunden und behauptet, sie habe sich an Demokraten und Republikaner gleichermaßen gewandt - sie habe so den Eindruck erweckt, vor dem Kongress ausgesagt zu haben, heißt es.

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Mina Chang soll bei der Darstellung ihrer bisherigen beruflichen Erfolge übertrieben haben.

Offenbar war Chang sogar für einen höheren Posten im Außenministerium vorgesehen - verbunden mit einem Jahresgehalt von mehr als einer Million Dollar. Sie bekam den Job allerdings nicht, nachdem der Kongress anfing, kritische Nachfragen zu ihrem Lebenslauf zu stellen und tiefergehende Informationen und Dokumente zu ihrer vorherigen Arbeit zu verlangen.

Als stellvertretende Ministerialdirektorin im Amt für Konflikt- und Stabilitätsmaßnahmen ist Chang dafür zuständig, Konflikte in politisch instabilen Ländern zu verhindern. Sie erhält ein sechsstelliges Jahresgehalt. Ob sie, wie üblich für Bedienstete in dieser Position, auch Zugang zu streng geheimen Informationen hat, ist laut NBC News unklar.

Ihre Berufserfahrung, die sie für diese Position qualifiziert, gründet sich offensichtlich vor allem auf ihrem Job als Geschäftsführerin einer gemeinnützigen Organisation "Linking the World". Sie sei in Dutzenden Ländern aktiv gewesen und habe Tausenden Menschen geholfen, soll Chang bei mehreren öffentlichen Auftritten gesagt haben. Aus den Steuerunterlagen der Organisation geht nach Angaben des Nachrichtensenders allerdings nichts Genaues über die Aktivitäten im Ausland hervor. Außerdem soll die Organisation über ein Budget von weniger als 300.000 Dollar und nur eine Handvoll Mitarbeiter verfügt haben.

In einem Video auf der Firmen-Website tauchte zudem ein Foto eines "Time"-Covers auf. Eine Sprecherin des Magazins bezeichnete den Titel als "nicht authentisch". Inzwischen soll das Video von der Website verschwunden sein.

Alumna der Harvard Business School?

Auch die Fakten zu ihrer akademischen Ausbildung hat Chang offenbar mächtig aufgeblasen. In ihrem Lebenslauf tituliert sie sich etwa als Absolventin ("alumna") der Harvard Business School. Wie die Universität mitgeteilt haben soll, hat Chang jedoch lediglich an einem siebenwöchigen Kurs teilgenommen und verfügt über keinen Abschluss der renommierten Universität. Das macht Chang nicht transparent, auch wenn die Titelnutzung nicht ganz falsch ist: Den Status als Alumni gewährt die Harvard Business School offenbar auch denjenigen, die dort an Bildungsprogrammen teilgenommen haben.

Neben anderen Ungereimtheiten in dem von ihr dargestellten Werdegang erwähnt Chang in ihrer Biografie auf der offiziellen Website des US-Außenministeriums auch, Absolventin eines "Army War College" zu sein. Dabei soll es sich aber nur um ein viertägiges Seminar gehandelt haben, wie die Schule mitteilt.

Wie NBC News berichtet, haben sich weder Chang noch das Außenministerium oder das Weiße Haus bisher zu dem Fall geäußert. Ihre Anstellung soll nur eine von mehreren sein, bei denen die Trump-Regierung keine genaue Prüfung des Kandidaten vorgenommen hat. Chang ist immer noch in ihrer Position tätig. Ihr Profil inklusive aller mutmaßlichen Falschbehauptungen und Übertreibungen kann immer noch online auf der Regierungsseite nachgelesen werden.

Quelle: n-tv.de, ibu