US-Wahl 2020

"Das ist genug, wir gehen" Trump veröffentlicht abgebrochenes Interview

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Bei kritischen Fragen dünnhäutig: US-Präsident Trump.

(Foto: REUTERS)

Nur wenige Tage vor den US-Wahlen stellt sich der Präsident dem renommierten Nachrichtenformat "60 Minutes". Doch kritische Fragen zur Corona-Pandemie bringen Trump in Rage. Er bricht das Interview ab und stellt eine selbstgefilmte Version auf seine Facebook-Seite.

US-Präsident Donald Trump hat vor dem eigentlichen Sendetermin ein Fernsehinterview veröffentlicht, das er aus Verärgerung über die Fragen abgebrochen hatte. Trump stellte eine Aufzeichnung des Interviews für die bekannte Sendung "60 Minutes" des Senders CBS auf seine Facebookseite. Dazu schrieb der Republikaner, er sei mit "Voreingenommenheit, Hass und Unhöflichkeit" behandelt worden.

In dem Interview befragt die Fernsehjournalistin Lesley Stahl Trump unter anderem zur Corona-Pandemie und zu seiner Drohung strafrechtlicher Ermittlungen gegen politische Gegner. Der Präsident wirft Stahl am Ende des knapp 38-minütigen Videos vor, "unangemessene" Fragen zu stellen, während seinem Wahl-Herausforderer Joe Biden immer nur leichte Fragen zugespielt würden. Als ein Mitarbeiter einwirft, das Interview müsse in fünf Minuten enden, sagt Trump: "Ich denke, wir haben genug. (...) Das ist genug, wir gehen." Dann bedankt sich der Präsident bei der Journalistin und steht auf.

Das Interview war am Dienstag aufgezeichnet worden und sollte erst am Sonntag auf CBS ausgestrahlt werden. Das Gespräch wurde auch von Mitarbeitern des Weißen Hauses gefilmt - diese Version veröffentlichte Trump nun. Der Präsident hatte diesen Schritt bereits angedroht. Die Menschen sollten sehen, um was für ein "falsches und voreingenommenes Interview" es sich handle, schrieb Trump auf Twitter.

Sender: "Beispiellos"

CBS äußerte sich enttäuscht über das Vorgehen des Präsidenten. Das Weiße Haus habe in einer "beispiellosen Entscheidung" eine mit dem Sender getroffene Vereinbarung gebrochen. "60 Minutes" werde als meistgesehene Nachrichtensendung im US-Fernsehen für Fairness, tiefgehende Berichterstattung und informativen Kontext weithin respektiert - und werde sich durch das Vorgehen des Weißen Hauses nicht "abschrecken" lassen.

Trump steht mit vielen Medien auf Kriegsfuß und wirft ihnen eine unfaire Berichterstattung vor. Immer wieder attackiert der Präsident kritisch berichtende Zeitungen oder Fernsehsender als "Fake News". Bei seinen Wahlkampfveranstaltungen macht er vor Anhängern regelmäßig Stimmung gegen anwesende Journalisten. Der Republikaner liegt weniger als zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl am 3. November in Umfragen hinter seinem Herausforderer Biden. Die beiden Kandidaten sollen am Donnerstagabend (Ortszeit) bei ihrem zweiten und letzten Fernsehduell vor der Wahl gegeneinander antreten.

Quelle: ntv.de, mau/AFP