Politik

Klare Botschaft an Taliban USA schicken 3000 Soldaten nach Kabul

2e58942357598aa1ef33f9a3e3fc1d4e.jpg

Das US-Militär will Afghanistan eigentlich bis Ende August verlassen. Zurückbleiben sollen nur einige Hundert Soldaten - vor allem um die US-Botschaft zu schützen.

(Foto: dpa)

Die Taliban dringen immer weiter auf die afghanische Hauptstadt Kabul vor. Die USA senden nun Tausende zusätzliche Soldaten in das Land, um ihre Diplomaten zu evakuieren. Ihre Botschaft an die Islamisten: Die Welt wird keine gewaltsame Machtübernahme anerkennen.

Die USA werden rund 3000 zusätzliche Soldatinnen und Soldaten zeitweise nach Afghanistan verlegen, um die Sicherheit am Flughafen Kabul zu verstärken. Es gehe darum, die Reduzierung des US-Botschaftspersonals zu unterstützen, erklärte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, John Kirby. Diese könne auch die Sicherung von Konvois von und zum Flughafen umfassen, sagte er. Die Truppen könnten das Außenministerium auch bei der Evakuierung früherer afghanischer Mitarbeiter des US-Militärs unterstützen. Die Truppen sollten in 24 bis 48 Stunden vor Ort sein.

Die zeitweise Verstärkung sei angesichts des jüngsten Vormarsches der militant-islamistischen Taliban in Teilen Afghanistans eine Vorsichtsmaßnahme, sagte Kirby und fügte hinzu, die Verstärkung sei wegen der sich rasch verschlechternden Sicherheitslage "angemessen". Das US-Militär will das Land eigentlich bis Ende August verlassen. Zurückbleiben sollen dem Vernehmen nach nur einige Hundert Soldaten - vor allem um die US-Botschaft zu schützen. Wie die "New York Times" unter Berufung auf Regierungs- und Militärbeamte berichtet, stellt sich die Regierung Biden auf einen möglichen Zusammenbruch der afghanischen Regierung innerhalb von 30 Tagen ein.

Das US-Militär wird auch rund 1000 zusätzliche Soldaten auf einen Stützpunkt ins Emirat Katar verlegen, erklärte Kirby. Aus dem US-Bundesstaat North Carolina soll zudem ein Kampfverband einer Luftlandedivision nach Kuwait verlegt werden, falls weitere Unterstützung nötig sein sollte. Die 3500 bis 4000 Soldatinnen und Soldaten des Verbandes der sogenannten 82nd Airborne aus Fort Bragg sollten "kommende Woche" dort ankommen.

Zwei weitere Städten fallen an Taliban

Nach Angaben der US-Regierung wird die Internationale Gemeinschaft keine neue afghanische Regierung anerkennen, falls diese die Macht mit Gewalt an sich gerissen haben sollte. Das sagte der Sprecher des Außenministeriums, Ned Price, mit Blick auf den jüngsten Vormarsch der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan. Diese "Botschaft an die Taliban" werde später auch in einer gemeinsamen Stellungnahme mit mehreren internationalen Partnern, darunter auch Deutschland, ausgedrückt werden, sagte Price.

Eine gewaltsame Machtübernahme durch die Taliban würde Afghanistan international isolieren, woraufhin auch Hilfszahlungen eingestellt würden, betonte Price. Mit Blick auf die laufenden Verhandlungen zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung im Emirat Katar appellierte Price an alle Parteien, sich auf einen gemeinsamen politischen Prozess für die Zukunft des Landes zu einigen. Die Taliban nahmen zuletzt mehrere Provinzhauptstädte ein, darunter Ghasni und Herat, die drittgrößte Stadt des Landes.

Auch Großbritannien will mehrere Hundert weitere Streitkräfte nach Afghanistan schicken, die bei der Rückführung von Briten aus dem Land helfen sollen. Die 600 zusätzlichen militärischen Kräfte würden in den kommenden Tagen in Kabul ankommen, teilte das britische Verteidigungsministerium mit. Wie auch die Bundesregierung hatte das britische Außenministerium zuvor all seinen Staatsbürgern in Afghanistan empfohlen, sobald wie möglich das Land zu verlassen.

Die Streitkräfte sollten "im Angesicht der zunehmenden Gewalt und der sich rapide verschlechternden Sicherheitslage" insbesondere britischen Staatsbürgern und früheren Angestellten des britischen Militärs dabei unterstützen, das Land sicher zu verlassen, sagte der britische Verteidigungsminister Ben Wallace. Der BBC zufolge befinden sich schätzungsweise noch rund 4000 Briten in Afghanistan.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen