Angriff auch auf Ostsee-ÖlhafenUkraine meldet Attacke auf Russlands Schattenflotte

Mit gezielten Drohnenangriffen nimmt die Ukraine eine wichtige Einnahmequelle Moskaus ins Visier: den Ölexport. Zwei Schiffe der russischen Schattenflotte will Kiew nun im Schwarzen Meer angegriffen haben. Auch ein Ölhafen an der Ostsee wird zum Ziel.
Die Ukraine setzt ihre Attacken gegen die russische Ölindustrie fort: In den Gewässern vor dem russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk haben die ukrainischen Streitkräfte nach eigenen Angaben zwei Tanker von Russlands Schattenflotte angegriffen, wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mitteilt. "Diese Tanker wurden aktiv für den Transport von Öl genutzt - das ist nun vorbei", erklärte Selenskyj bei Telegram.
Zudem griff die Ukraine in der Nacht erneut den russischen Ölverladehafen Primorsk an der Ostseeküste mit Drohnen an. "Im Zuge der Abwehr von Attacken auf Primorsk ist ein Feuer ausgebrochen, im Moment sind die Folgen des Brandes liquidiert", schrieb der Gouverneur des die Millionenstadt St. Petersburg umgebenden Gebiets Leningrad, Alexander Drosdenko, bei Telegram. Ölprodukte seien nicht ausgelaufen, betonte er. Seinen Angaben nach wurden über der Region mehr als 60 Drohnen abgeschossen.
Das unabhängige Portal Astra schrieb unter Berufung auf die Auswertung von Satellitenbildern, dass wohl das Ölterminal selbst und ein Flugabwehrsystem des Typs Panzir von Drohnen getroffen worden seien.
Selenskyj: Russisches Raketenschiff getroffen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte am Nachmittag mit, dass neben der Infrastruktur des Ölhafens auch ein russisches Kriegsschiff getroffen worden sei. Es handle sich um ein Raketenschiff, das mit modernen Kalibr-Marschflugkörpern ausgestattet sei. Russland hat in der Vergangenheit mehrfach ukrainische Städte mit Kalibr attackiert. Selenskyjs Darstellung nach ist das Schiff nicht mehr einsatzfähig. Unabhängig lassen sich die Angaben nicht überprüfen. Außerdem getroffen wurden ihm zufolge ein Patrouillenboot und ein weiterer Tanker der Schattenflotte.
In den beiden an Russland grenzenden EU- und Nato-Staaten Estland und Lettland erhielten die Bewohner der grenznahen Regionen in der Nacht Handy-Warnungen über eine mögliche Bedrohung des Luftraums. Nach Angaben eines Sprechers der estnischen Armee ist eine Drohne möglicherweise kurzzeitig in den estnischen Luftraum eingedrungen, aber nach derzeitigem Kenntnisstand nicht abgestützt. Bei ukrainischen Angriffen waren in jüngster Zeit wiederholt fehlgeleitete Drohnen in den Luftraum der baltischen Staaten eingedrungen und teils abgestürzt, mit denen Kiew Ziele im Nordwesten Russlands angegriffen hatte. Verletzte oder größere Schäden gab es dabei nicht.
Die Ukraine wehrt sich mit den Drohnenangriffen gegen die von Russland betriebene Invasion. Immer wieder zielt Kiew dabei neben militärischen Objekten auch auf Anlagen der Ölindustrie. Dies soll dem russischen Militär die Treibstoffversorgung und dem Kreml die Kriegsfinanzierung insgesamt erschweren. "Die Fernkampfkapazitäten der Ukraine werden weiterhin umfassend ausgebaut - auf See, in der Luft und an Land", so Selenskyj auf Telegram.