Politik

"Beihilfe zum Völkermord"Uribe will Chvez verklagen

04.03.2008, 08:02 Uhr

Am Wochenende waren kolumbianische Soldaten auf ecuadorianisches Gebiet vorgedrungen und hatten dort einen Führer der linken Rebellen-Gruppe Farc getötet.

In der Kolumbien-Krise hat Präsident Alvaro Uribe trotz internationaler Appelle seinen Konfrontationskurs gegenüber den Nachbarstaaten Venezuela und Ecuador verschärft. Der konservative Staatschef und enge US-Verbündete kündigte an, den venezolanischen Präsidenten Hugo Chvez vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag (ICC) wegen Beihilfe zum Völkermord zu verklagen. Uribe beschuldigt Chvez, die Guerilla-Gruppe FARC mit 300 Millionen Dollar unterstützt zu haben.

Hintergrund der jüngsten Krise ist ein Angriff des kolumbianischen Militärs auf ein Rebellenlager in Ecuador. Bei dem Einsatz töteten die Kolumbianer am Wochenende einen Anführer der linken Guerilla-Bewegung FARC. Venezuela und Ecuador ließen daraufhin Truppen an der Grenze aufmarschieren und brachen ihre Beziehungen zu Kolumbien ab. Kolumbien beruft sich bei seinen Vorwürfen gegen Chvez auf Dokumente, die bei dem getöteten Rebellenchef Raul Reyes gefunden worden sein sollen. Der Linkspolitiker Chvez hat derartige Vorwürfe stets zurückgewiesen.

UN fordern Dialog

In die Bemühungen lateinamerikanischer Staaten, den eskalierenden Konflikt zwischen Kolumbien und seinen Nachbarländern zu entschärfen, schalteten sich unterdessen die Vereinten Nationen ein. Generalsekretär Ban Ki Moon rief die drei Staaten auf, die Krise im Geist der Zusammenarbeit und des Dialogs beizulegen.

Brasilien als größtes südamerikanisches Land warnte vor einer Destabilisierung der gesamten Region. "Wir mobilisieren alle nationalen und südamerikanischen diplomatischen Kräfte, um eine tragfähige Lösung zu finden", sagte der brasilianische Präsidentenberater Marco Aurelio Garcia. Die Regierung in Brasilia forderte Uribe zugleich auf, sich bei Ecuador für den Vorstoß zu entschuldigen. Auch Deutschland, Frankreich und die USA riefen zur Besonnenheit auf.

"FARC wollte schmutzige Bombe bauen"

Venezuela und Ecuador werfen der Regierung in Bogota vor, mit dem Militäreinsatz eine Freilassung von Geiseln aus der Gewalt der FARC verhindert zu haben. Der kolumbianische Vizepräsident Francisco Santos warf der FARC dagegen vor, in den Besitz radioaktiven Materials kommen zu wollen. Die Guerilla-Bewegung habe eine "schmutzige Bombe" bauen wollen. Das gehe ebenfalls aus Informationen hervor, die bei Reyes gefunden worden seien.

Auch Kubas Ex-Präsident Fidel Castro meldete sich in der Krise zu Wort. In seiner jüngsten Kolumne schrieb der erkrankte Revolutionsführer: "Der Imperialismus hat ein monströses Verbrechen in Ecuador begangen." Castro warf Kolumbien vor, mit Hilfe der USA "eine ahnungslose Gruppe von Männern und Frauen im Schlaf" getötet zu haben. "Das waren Yankee-Bomben, gesteuert von Yankee-Satelliten."