Politik

Bekennerschreiben aufgetaucht Venezuelas Präsident entgeht Anschlag

Venezuelas Staatschef Maduro spricht gerade live im Fernsehen vor Tausenden Soldaten, als es zu einer Explosion kommt. Die Regierung spricht von einem Anschlag mit Drohnen und verdächtigt Kolumbien - doch daran gibt es Zweifel.

Venezuelas autoritärer Staatschef Nicolás Maduro ist am Samstagabend nach offiziellen Angaben der Regierung einem mit Drohnen ausgeführten Bombenanschlag unverletzt entgangen. Im Staatsfernsehen war mindestens eine Explosion zu hören, während Maduro vor Tausenden Mitgliedern der Nationalgarde eine Rede hielt. Leibwächter schützten den Staatschef mit schusssicheren Matten und eskortierten ihn von der Bühne, während Soldaten Deckung suchend vom Platz flüchteten. Maduro bezichtigte den scheidenden Präsidenten des Nachbarlandes Kolumbien, Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos, Drahtzieher des Komplotts zu sein.

Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist in Venezuela schwer möglich. Viele Menschen in dem Krisenland zweifeln generell am Wahrheitsgehalt amtlicher Mitteilungen. "Ein Teil der Verantwortlichen dieses Attentats ist bereits gefasst worden", sagte Maduro nur kurz nach dem Zwischenfall. Er sei sich sicher, dass man ihn ermorden wollte. "Ich hege keine Zweifel, dass dahinter ultrarechte Kreise in Venenzuela gemeinsam mit ultrarechten Kräften Kolumbiens und Juan Manuel Santos stecken", fügte der Sozialist hinzu. Wie dieser schnelle Fahndungserfolg möglich wurde, blieb offen. Auch Beweise wurden nicht vorgelegt. 

Zweifel an der offiziellen Version von einem Mordanschlag auf Maduro kamen schnell auf. Die Nachrichtenagentur AP berichtete, Feuerwehrleute vor Ort hätten der Anschlagsversion widersprochen. Tatsächlich sei nur ein Gastank in einem nahe gelegenen Gebäude explodiert. Oppositionelle äußerten in Medien die Befürchtung, dass der wegen einer extremen Wirtschafts- und Sozialkrise unter Druck stehende Maduro nun noch härter gegen seine Gegner vorgehen könnte.

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Die Militärparade wurde live im Fernsehen übertragen.

(Foto: dpa)

Kolumbiens Regierung wies die Vorwürfe kategorisch zurück. "Das entbehrt jeder Grundlage", sagte ein Sprecher in Bogotá. Santos übergibt an diesem Dienstag das Amt an seinen gewählten Nachfolger, den konservativen Iván Duque. Santos kritisiert seit langem die Politik des autoritär regierenden Sozialisten Maduro, und die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern liegen auf Eis.

Wer sind die Flanell-Soldaten?

Der Vorfall in Caracas wurde teilweise im Staatsfernsehen übertragen. Maduro unterbrach seine Rede nach dem lauten Knall. Viele Menschen schienen erschreckt in den Himmel zu starren. Auf Bildern des Fernsehsenders VTV war später ein blutüberströmter Soldat zu sehen. Nach Angaben des Regierungssprechers wurden mehrere mit Sprengstoff gefüllte Drohnen eingesetzt.

Eine bisher unbekannte Gruppe "Soldados de Franelas" (Flanell-Soldaten) schrieb auf Twitter, sie habe den Drohnenanschlag verübt. "Es ging darum, zwei Drohnen mit (Sprengstoff) C4 zum Podest des Präsidenten zu fliegen, aber Scharfschützen der Ehrenwache schossen die beiden Drohnen ab, bevor sie ihr Ziel erreichten", schrieb die Gruppe. "Wir haben gezeigt, dass sie verwundbar sind, heute ist es nicht gelungen, aber das ist nur eine Frage der Zeit", schrieben die Autoren, die sich selbst als "patriotische Militärs und Zivilisten" bezeichnen. Eine Überprüfung dieser Angaben war nicht möglich.

Schon im Juni vergangenen Jahres war es nach offiziellen Angaben zu einem Anschlag in Caracas gekommen, als der Polizeipilot Oscar Pérez einen Hubschrauber kaperte und Granaten auf das Innenministerium abfeuerte. Vergangenen Januar wurde er offiziellen Angaben zufolge bei Caracas vom Militär getötet.

Solidarität aus der Türkei

Mit der Regierung in Caracas befreundete sozialistische Staaten wie Bolivien, Kuba und Nicaragua solidarisierten sich mit Maduro. Das sei das Werk von "Terroristen" und "Kriminellen", sagte Nicaraguas Regierungssprecherin Rosario Murillo, die Frau von Staatschef Daniel Ortega. Auch die Türkei verurteilte den "Angriff", der "große Sorge" in Ankara ausgelöst habe. "Wir verurteilten den abscheulichen Anschlag aus Schärfste". Den Verletzten wünsche man schnelle Genesung.

Venezuela leidet seit langem unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise, internationale Organisationen warnen vor einer humanitären Notlage. Das Land mit den größten Ölreserven der Welt kämpft mit einer Hyperinflation: die Preise explodieren und damit verliert das Geld rasant an Wert. Wegen fehlender Devisen kann Venezuela kaum noch Lebensmittel und Medikamente importieren. Hunderttausende Venezolaner sind in den vergangenen Monaten vor Elend und Unterdrückung in die Nachbarstaaten geflohen. 

Zuletzt prognostizierte der Internationale Währungsfonds für das laufende Jahr eine Inflationsrate von einer Million Prozent. Die Wirtschaftsleistung könnte zudem um 18 Prozent einbrechen. Kritiker werfen Maduro vor, er wolle eine Diktatur errichten. Im vergangenen Jahr schaltete der Sozialist das von der Opposition kontrollierte Parlament aus, im Mai ließ er sich für eine weitere fünfjährige Amtszeit bei einer umstrittenen Wahl im Amt bestätigen. Die wichtigsten Oppositionsführer sind im Gefängnis, im Exil oder wurden von der Abstimmung ausgeschlossen. Die Wahl wurde von der Europäischen Union, den USA und vielen Nachbarstaaten nicht anerkannt.

Quelle: n-tv.de, ino/ftü/dpa/AFP

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