Politik

Salafisten-Koran umsonst Verfassungsschutz warnt

koran.jpg

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Koran-Aktion "Lies!" entwickelt sich zunehmend zu einem umstrittenen Politikum. Nun mischt der Verfassungsschutz mit. Er warnt vor Propaganda und den beteiligten Salafisten. Die Grünen setzen indes darauf, dass in den Moscheen ein friedliches Miteinander gepredigt wird.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat vor der Verteilung von Millionen Koran-Exemplaren durch radikal-islamische Salafisten gewarnt. "Koran-Verteilung ist das falsche Stichwort", sagte Behördensprecher Bodo W. Becker dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Es geht hier um salafistische Propaganda und die Rekrutierung von Anhängern. Der Koran ist nur ein Vehikel."

Salafisten stellten Grundelemente der freiheitlichen Demokratie in Frage, betonte Becker. "Dazu kommt noch die ambivalente Positionierung gegenüber Gewalt." Der Sprecher zitierte Verfassungsschutz-Präsident Heinz Fromm aus dem vorigen Sommer: "Nicht jeder Salafist ist ein Terrorist; aber jeder uns bekannte Terrorist war irgendwann einmal in salafistischen Zusammenhängen unterwegs" - dieser Satz habe weiterhin Gültigkeit.

nagie.jpg

Die Aktion "Lies!" hat Ibrahim Abu Nagie gestartet.

(Foto: Screenshot Youtube)

Drohvideos radikaler Islamisten gegen Reporter in Deutschland hatten zudem Empörung und Protest ausgelöst. Das Bundesinnenministerium verurteilte die Attacken gegen kritische Berichterstattung über die Gratis-Koran-Aktion. In den bisherigen Fällen seien strafrechtliche Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, teilte Staatssekretär Klaus-Dieter Fritsche mit. "Es ist für uns absolut nicht hinnehmbar, dass in Deutschland Journalisten bedroht werden und damit die Pressefreiheit eingeschränkt wird", sagte Fritsche.

Nach Informationen der "Welt" waren Journalisten der "Frankfurter Rundschau" und des Berliner "Tagesspiegels" in einem vierminütigen Video auf YouTube namentlich genannt und bedroht worden. Sie hatten kritisch über radikal-islamische Salafisten und die umstrittene massenhafte Abgabe kostenloser Koran-Exemplare berichtet.

Politiker verschiedener Parteien befürchten, dass radikale Salafisten die kostenlose Verteilung des Korans für extremistische Zwecke missbrauchen. Die Salafisten wollen an diesem Wochenende kostenlose Koran-Exemplare in deutschen Fußgängerzonen verteilen. Demnach hat die Organisation des Koran-Projekts für Samstag bundesweit 38 "Info-Stände" bei den zuständigen Ämtern angemeldet.

"Prävention ist das Wort"

Die Organisatoren der Koran-Aktion "Lies!" zeigten sich laut "Welt" unbeeindruckt. Der Kölner Prediger und Projekt-Initiator Ibrahim Abu Nagie, aus dessen persönlichem Umfeld nach den Recherchen auch die Drohvideos stammen, gibt sich im Internet kämpferisch. Seine Anhänger rief er demnach auf, durchzuhalten und weiter Korane zu verteilen.

Aus Sicht der Grünen sollen islamische Prediger in den Moscheen vor der radikalen Strömung warnen. "Die wichtigste Prävention gegen diese Gruppe ist natürlich das Wort", sagte der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck. "Diese Prävention muss von den Imamen in den Moscheen kommen, damit dadurch junge Leute nicht in diese Richtung verführt werden." Rechtlich sieht Beck dagegen keine Handhabe. "Man kann nicht verbieten, dass Menschen den Wachturm verteilen, das Buch Mormon oder eben den Koran", sagte er. "Entscheidend ist wirklich: Was wird in den Moscheen gepredigt?"

Quelle: ntv.de, dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen