Politik
Nur rund ein Viertel der in Deutschland lebenden Wahlberechtigten haben bislang ihre Stimme abgegeben.
Nur rund ein Viertel der in Deutschland lebenden Wahlberechtigten haben bislang ihre Stimme abgegeben.(Foto: picture alliance/dpa)
Donnerstag, 14. Juni 2018

Zehn Tage vor der Türkei-Wahl: Verhaltene Beteiligung in Deutschland

1,44 Millionen in Deutschland lebende Menschen dürfen ihre Stimme bei der Türkei-Wahl abgeben - nur ein Viertel davon hat bisher von diesem Recht Gebrauch gemacht. Der AKP-Abgeordnete Yeneroglu rechnet dennoch mit einer hohen Beteiligung.

Bei der Türkei-Wahl in Deutschland ist die Beteiligung bislang verhalten: In den ersten sieben Tagen der Abstimmung gaben bis Mittwochabend 343.129 der 1,44 Millionen Wahlberechtigten in Deutschland ihre Stimme ab, wie aus der Statistik der türkischen Wahlkommission hervorgeht. Das entspricht sechs Tage vor dem Ende der Abstimmung im Ausland einer Quote von 23,8 Prozent. Eine Mehrheit von 312.627 Wählern stimmte in den 13 türkischen Konsulaten in Deutschland ab. 30.502 Wähler machten von der Möglichkeit Gebrauch, an Grenzübergängen der Türkei zu wählen.

In der Türkei werden am 24. Juni der Präsident und ein neues Parlament gewählt. Die gut drei Millionen stimmberechtigten Auslandstürken stellen mehr als fünf Prozent aller türkischen Wähler. Die größte Gruppe lebt in Deutschland. Bei einem knappen Ergebnis könnten Stimmen aus dem Ausland entscheidend sein. In den meisten Ländern außerhalb der Türkei begann die Wahl später als in Deutschland. Insgesamt kann außerhalb der Türkei in 60 Ländern gewählt werden.

Beim Verfassungsreferendum im vergangenen Jahr hatten sechs Tage vor dem Ende der Abstimmung im Ausland rund neun Prozent mehr Wähler in Deutschland ihre Stimme abgegeben. Womöglich ist die verhaltenere Beteiligung dieses Mal auf den Fastenmonat Ramadan zurückzuführen. Die Abstimmung in Deutschland begann am Donnerstag vergangene Woche und dauert noch bis zum kommenden Dienstag an. An den Grenzübergängen kann noch bis zum Wahltag in der Türkei abgestimmt werden.

Höhere Beteiligung als bei Referendum erwartet

Der Abgeordnete Mustafa Yeneroglu, der die Auslandswahl für die AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan koordiniert, sagte, er sei zuversichtlich, dass die Beteiligung in Deutschland am Ende höher ausfallen werde als beim Referendum. "Insgesamt ist die türkische Diaspora weltweit bei der Wahlbeteiligung im Ausland führend." Beim Verfassungsreferendum lag die Wahlbeteiligung in Deutschland bei knapp 50 Prozent. Yeneroglu setzt bei dieser Wahl auch auf die Stimmen der jungen Türken in Deutschland. Viele davon "protestieren auch gegen die weit verbreitete antitürkische Stimmung, wie man sie zuletzt leider am Beispiel von Özil und Gündogan erlebt hat". Die Nationalspieler Ilkay Gündogan und Mesut Özil waren wegen gemeinsamer Fotos mit Erdogan in die Kritik geraten.

In Österreich ist die Wahlbeteiligung bislang deutlich niedriger als beim Verfassungsreferendum. Dort stimmten bislang 24.043 der rund 106.000 Wahlberechtigten ab, was einer Quote von 24 Prozent entspricht. Das sind 15,8 Prozent weniger Wähler als beim Referendum. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich hatte das Lager von Erdogan beim Referendum deutlich mehr Stimmen als in der Türkei selbst bekommen. In der Schweiz beginnt die Abstimmung erst an diesem Freitag.

In Deutschland lag die Beteiligung in Essen mit bislang 32,7 Prozent am höchsten. An zweiter Stelle lag Düsseldorf (28,4 Prozent), gefolgt von Köln (27,2 Prozent), Stuttgart (25,2 Prozent), Hamburg (25,1 Prozent), Mainz (24,3 Prozent), Frankfurt (23 Prozent), München (22,1 Prozent), Nürnberg (21,4 Prozent), Berlin (21,1 Prozent), Hannover (21 Prozent), Karlsruhe (20,8 Prozent) und Münster (13,8 Prozent).

Quelle: n-tv.de