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In Deutschland gibt es viele kleine Hilfsorganisationen für Flüchtlinge, wie beispielsweise "Willkommen in Mülheim".
In Deutschland gibt es viele kleine Hilfsorganisationen für Flüchtlinge, wie beispielsweise "Willkommen in Mülheim".(Foto: imago/Jochen Tack)
Dienstag, 20. Februar 2018

Ohne Chancen auf Bewilligung?: Viele Flüchtlingshilfen verzichten auf Gelder

Ein Großteil der Flüchtlingsinitiativen ist auf private Spenden angewiesen. Dabei gibt es auch staatliche Zuschüsse, die jedoch nur teilweise beansprucht werden. An fehlenden Förderprogrammen oder zu wenig Geld liegt es jedoch nicht.

Mehr als jede dritte Flüchtlingsinitiative in Deutschland nimmt einer Studie zufolge keine Fördermittel in Anspruch - auch wenn diese Gruppen oft zusätzliches Geld brauchen. Grund ist vor allem, dass viele Initiativen die Anforderungen der Fördermittelgeber nicht erfüllen können, wie eine Studie des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung ergab.

Fehlende Förderprogramme oder zu wenig Geld sind laut der Studie hingegen nicht die Ursache dafür, dass die Unterstützung vor allem bei zahlreichen kleineren Flüchtlingsinitiativen nicht ankommt. Bei einem Großteil sei es fehlende Zeit (70 Prozent), 58 Prozent der Gruppen geben aber auch an, dass sie aus ihrer Sicht die Bedingungen für die Antragstellung nicht erfüllen, 46 Prozent sehen folglich auch keine Aussicht auf einen Erfolg möglicher Anträge.

Die Autoren der Studie verweisen in diesem Zusammenhang auf behördliche Vorgaben für die Projektförderung. So dürften Projekte zum Förderzeitpunkt noch nicht begonnen haben, wiederkehrende Ausgaben würden nur selten gefördert, oder aber der Staat fordere von den Initiativen eine Vereinsform, die den Helfern oft nicht als sinnvoll erscheine.

So gaben knapp 37 Prozent der Initiativen an, sie wollten unabhängig bleiben. Ein Motiv dafür ist der Studie zufolge vielfach die Furcht der engagierten Helfer, als Lückenfüller für eigentlich staatliche Aufgaben instrumentalisiert zu werden. Als weitere Herausforderungen bei der Antragstellung nannten viele Befragte einen zu hohen zeitlichen Aufwand sowie fehlenden Zugang zu Informationen.

Etablierte Organisationen nutzen Wissensvorteil

Einer der Autoren der Studie, Serhat Karakayali vom BIM, nannte es bemerkenswert, dass die öffentlichen Mittel vor allem bei den schon etablierten Trägern ankämen - also bestehenden Vereinen und Verbänden. "Diese oft größeren Organisationen haben Erfahrung im Beantragen und Einwerben von solchen Geldern - die vielen kleinen Willkommensinitiativen dagegen finanzieren sich hauptsächlich durch private Spenden" erläuterte Karakayali.

"Es ist bedauerlich, wenn gerade die spontan entstandenen, informell organisierten Initiativen nicht von der Förderung durch die öffentliche Hand profitieren", betonte der Forscher. "Denn vor allem diese Initiativen waren es, die im Angesicht der Überforderung staatlicher Strukturen wesentliche Aufgaben der Versorgung, Betreuung und schließlich Integration der Flüchtlinge geleistet haben."

Damit Fördermittel besser ankommen, schlagen die Autoren der Studie unter anderem geringere Vorgaben für die Vergabe von Fördermitteln vor. Zudem müssten die Verfahren insgesamt vereinfacht und Fördermittel auch für bereits laufende Aktivitäten bereitgestellt werden.

Quelle: n-tv.de