Politik

Söldner schießt auf Polizisten Wagner-Kämpfer will Russen mit Ukrainern verwechselt haben

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Wagner-Söldner Pawel Nikolin muss sich vor Gericht wegen eines Angriffs auf russische Polizisten verantworten.

(Foto: picture alliance/dpa/TASS)

In einer russischen Stadt sorgt ein Angriff auf eine Polizeipatrouille für Aufsehen. Der Schütze ist ein Kämpfer der Gruppe Wagner. Doch warum eröffnet er das Feuer auf seine Landsleute? Der Söldner liefert eine Erklärung. Ob Wagner-Chef Prigoschin sich damit zufrieden gibt, ist aber unklar.

Ein Kämpfer der Söldnergruppe Wagner, der vor wenigen Tagen in einer russischen Stadt unweit der ukrainischen Grenze das Feuer auf eine Polizeipatrouille eröffnet haben soll, hat seine Tat vor Gericht mit einer Verwechslung gerechtfertigt. Er habe die russischen Beamten mit Ukrainern verwechselt, erklärte Pawel Nikolin nun kremlnahen Medien zufolge. Der 38-Jährige soll am Dienstag in der zur russischen Grenzregion Rostow gehörenden Stadt Nowoschachtinsk auf eine Gruppe Polizisten geschossen und dabei einen von ihnen verletzt haben. Einen Tag später wurde der Mann festgenommen.

Wie der russische Telegramkanal Baza, der für seine guten Kontakte zu den Sicherheitskräften bekannt ist, berichtete, ist Nikolin ein ehemaliger Häftling. Demnach verbüßte er in einem russischen Gefängnis eine Strafe wegen Diebstahls und Raubes, als er von der Söldnergruppe Wagner für den Krieg in der Ukraine rekrutiert wurde. Im Kampfgebiet angekommen, soll der Mann laut dem Bericht desertiert sein.

Die Gruppe, die zahlreichen Berichten zufolge neue Söldner unter anderem in Gefängnissen anwirbt, droht Deserteuren immer wieder mit brutaler Vergeltung. So wurde vor wenigen Wochen ein ehemaliger Kämpfer, der sich in die ukrainische Gefangenschaft begeben haben soll, nach seiner Rückkehr nach Russland vor laufender Kamera mit einem Vorschlaghammer exekutiert. Jewgenij Prigoschin, Gründer der Gruppe und ein Vertrauter von Kremlchef Wladimir Putin, begrüßte den Mord an dem "Verräter", wie er den einstigen Kämpfer nannte.

Wagner-Chef Prigoschin leitet eigene Ermittlungen ein

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Nikolin, der sich wegen des Angriffs auf Polizisten vor Gericht verantworten muss, sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge, er sei nicht desertiert, sondern sei hinter seiner Einheit zurückgeblieben. Er habe sich verirrt und nicht gemerkt, wie er die Grenze überquert habe, sagte demnach der 38-Jährige. Auf die Frage, warum er auf die Polizisten geschossen hat, antwortete der Mann, er habe gedacht, es seien Ukrainer. "Sie trugen keine Uniform, wiesen keine Dokumente vor und begannen mich zu verfolgen", erklärte Nikolin. Der 38-Jähriger bestätigte dem Bericht zufolge, dass er ein Mitglied der Söldnergruppe ist, wollte aber diesbezüglich keine Fragen mehr beantworten.

Wie die staatlichen Medien berichteten, wurde gegen Nikolin ein Strafverfahren wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte und unerlaubten Waffenhandels eingeleitet. Söldner-Chef Prigoschin kündigte eigene Ermittlungen an.

Quelle: ntv.de, uzh

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