Politik

Der Clan blickt in die Zukunft Warum Trump nicht aufgibt

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Trump wird auch nach seiner Präsidentschaft im Gespräch bleiben.

(Foto: REUTERS)

Donald Trump wehrt sich vehement gegen seine Niederlage. Dahinter steckt nicht nur Eitelkeit, sondern vor allem eine Strategie. Der Präsident zementiert damit seine Macht.

"Sie ist eine Kämpferin. Sie kämpft hart, sie lässt nicht locker und gibt nicht auf. Ich betrachte das als eine gute Eigenschaft." Das sagte Donald Trump im Oktober vor vier Jahren am Ende einer Fernsehdebatte über seine Gegnerin Hillary Clinton. Nachdem Trump die Präsidentschaft gewonnen hatte, machte er daraus einen permanenten Wahlkampf.

Daher ist es konsequent, dass Trump sich weigert, seine Niederlage öffentlich anzuerkennen, und seine Anwälte Mittel und Wege suchen, noch laufende Auszählungen anzufechten - auch wenn derzeit alles danach aussieht, dass die Klagen kaum Aussicht auf Erfolg haben.

Das heißt nicht, dass sich Trump der Realität verweigert. Er ist allerdings besessen davon, wie ihn andere sehen. Er will als Kämpfer wahrgenommen werden und als jemand, dem der verdiente Sieg nur durch Betrug des Gegners genommen werden konnte. So ist sichergestellt, dass seine Anhänger ihm treu bleiben. Als Verlierer würde Trump an Attraktivität verlieren. Daher sät er Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Stimmenauszählung und stellt die Legitimität des Sieges von Joe Biden infrage - und macht es seinem Nachfolger so schwer wie möglich. Er weiß, dass er bald das Weiße Haus verlassen muss.

Dahinter steckt Strategie: Das zähe Rückzugsgefecht soll die Marke Trump aufrechterhalten und damit sowohl seinen Einfluss in der republikanischen Partei bewahren als auch seinen geschäftlichen Interessen nutzen.

Mehr Stimmen als Obama

Das gelingt Trump nur dann, wenn er weiterhin ausreichend Anhänger mobilisiert. Es ist daher wahrscheinlich, dass er bald wieder vor seinen Fans auftritt. Seine Machtbasis ist enorm: Mehr als 70 Millionen Amerikaner haben Trump gewählt. Er hat damit mehr Stimmen bekommen als Barack Obama und wird deshalb auch künftig großen Einfluss in der republikanischen Partei darauf haben, wer Abgeordneter, Senator oder Präsidentschaftskandidat wird.

Mit dem zähen Rückzugsgefecht bleibt sich Trump treu - und sorgt dafür, dass zumindest seine Kern-Wähler ihm weiterhin folgen. Deshalb steht ihm nach der Präsidentschaft eine attraktive Möglichkeit offen: Er kann zurück zum Fernsehen gehen - hohe Quoten dürften ihm sicher sein. Möglicherweise bekommt er eine Show beim konservativen Sender Fox News oder er baut ein eigenes Medienunternehmen auf - mit ihm als zentraler Figur.

Politischer Einfluss und Medienpräsenz verstärken sich nicht nur gegenseitig, sie helfen auch dem Unternehmensgeflecht Trumps, das derzeit seine Söhne Donald Jr. und Eric führen. Das Geschäftsmodell basiert darauf, den Namen Trump zu lizenzieren. Je wertvoller die Marke ist, umso lukrativer ist das Business.

Deshalb ist es durchaus wahrscheinlich, dass Trump laut darüber nachdenken wird, sich in vier Jahren noch einmal um die Präsidentschaft zu bewerben. Völlig unabhängig davon, wie realistisch das ist: Solange zumindest theoretisch die Möglichkeit besteht, dass Trump in vier Jahren ins Weiße Haus zurückkehrt, wird das seinen Geschäften bestimmt nicht schaden.

"Fähig und hingebungsvoll"

Eine weitere Option ist, dass jemand anderes von den Trumps erfolgreich in die Politik wechselt. Donald Jr. und Tochter Ivanka ist das durchaus zuzutrauen. Ivanka ist seit vier Jahren Beraterin im Weißen Haus und auch Donald Jr. lässt politische Ambitionen erkennen. Mit dem Namen Trump, dem Einfluss ihres Vaters und dem Geld der Familie ist eine politische Karriere der beiden Kinder des Präsidenten eine realistische Perspektive. Beide verteidigen ihren Vater bedingungslos gegen jede Kritik, Donald Jr. riet ihm sogar zum "totalen Krieg" um die Wahl. Das dürfte viele Wähler Trumps freuen.

Bevor sie vor vier Jahren von Trump im Fernsehduell als Kämpferin bezeichnet wurde, hatte Clinton über die Kinder Trumps gesagt: "Sie sind unglaublich fähig und hingebungsvoll. Und ich denke, das sagt eine Menge über Donald."

Quelle: ntv.de