Politik

Verwirrende Zeitangabe Was verrät die Uhr von Russlands Verteidigungsminister?

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Nach der Sitzung kündigte Putin an, Russland werde die abtrünnigen Regionen als unabhängig anerkennen.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Wladimir Putin beruft seinen Sicherheitsrat ein, um über die Anerkennung der "Volksrepubliken" Luhansk und Donezk zu beraten. Die Ratschläge der Mitglieder sind wenig überraschend - doch die Uhr des Verteidigungsministers gibt Rätsel auf.

Das Treffen Wladimir Putins mit seinem Sicherheitsrat war durchaus bemerkenswert - allein schon wegen des Ortes und der ungewöhnlichen Sitzordnung: In einem pompösen Saal aus der Zarenzeit saß der Präsident hinter einem wuchtigen Schreibtisch. Die Mitglieder des Sicherheitsrats - darunter Geheimdienstchefs und Minister - saßen rund 20 Meter entfernt auf Stühlen wie eingeschüchterte Schuljungen und -mädchen, die dem Rektor Bericht erstatten müssen. Wie zum Rapport traten sie dann an ein Pult, wenn sie an der Reihe waren.

Offiziell ging es dabei um die Bitte der selbst ernannten "Volksrepubliken" Luhansk und Donezk in der Ukraine, von Russland als unabhängig anerkannt zu werden. Doch die Uhr des Verteidigungsministers könnte darauf hinzudeuten, dass die Sitzung vor der im russischen Fernsehen als "Live"-Übertragung bezeichneten Ausstrahlung aufgezeichnet wurde - und zwar bereits deutlich vor der Bitte der Separatistenführer.

Zuschauern fiel die Uhr von Verteidigungsminister Sergej Schoigu auf. Sie zeigte 12.52 Uhr an, obwohl das Treffen um kurz vor 17 Uhr startete. Unter anderem der Nachrichtenagentur AFP zufolge hätte die Aufzeichnung damit tatsächlich vor der offiziellen Bitte der Rebellen stattgefunden. Offen bleibt dabei, ob die Uhr des Verteidigungsministers möglicherweise stehen geblieben war - oder falsch ging.

Kommentaren unter der Übertragung des russischen Senders RT auf Youtube zufolge wurde diese zunächst als "Live" angekündigt. Erst als Zuschauer auf die Uhr des Verteidigungsministers aufmerksam geworden seien, habe RT die Übertragung als Aufzeichnung gekennzeichnet.

Bei dem Treffen hatte Putin von den Mitgliedern des Sicherheitsrats eine Einschätzung verlangt, ob Russland die "Volksrepubliken" anerkennen solle. Die Atmosphäre ist stellenweise merkwürdig nervös. Der Vorsitzende des Auslandsgeheimdienstes, Sergej Naryschkin, geriet ins Schlingern, als Putin ihn fragte, ob er für weitere Verhandlungen mit den USA und der NATO sei.

Naryschkin sprach sich zunächst dafür aus, dem Westen eine letzte Chance geben, um Druck auf die Ukraine auszuüben für die Umsetzung des Minsker Friedensplans. "Schlagen Sie den Beginn von Verhandlungen vor oder die Anerkennung der Souveränität der Republiken? Drücken Sie sich deutlich aus!", fuhr Putin ihn darauf an. "Ich werde die Entscheidung unterstützen ...", sagte Naryschkin. "'Ich werde unterstützen' oder 'Ich unterstütze. Drücken Sie sich deutlich aus, Sergej!" "Ich unterstütze den Vorschlag über die Aufnahme der Donezker und der Luhansker Volksrepubliken in den Bestand der Russischen Föderation", sagte Naryschkin.

Aber auch das wollte Putin nicht hören. Diese Frage habe er nicht gestellt, sagte er kopfschüttelnd und ergänzte: "Darüber reden wir nicht. Das erörtern wir nicht. Wir sprechen über die Anerkennung ihrer Unabhängigkeit oder nicht." Auch das sorgte für wilde Spekulationen und Galgenhumor: Vielleicht sei Naryschkin wie Schoigu einfach der Zeit etwas voraus.

Quelle: ntv.de

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