Politik

Ein "homegrown" Terrorist Wer ist der Täter von Toulouse?

Frankreich schaut entsetzt auf den Mann, der sieben Menschen kaltblütig ermordet haben soll. Es ist ein junger Mann mit algerischen Wurzeln, der sich gegen die Gesellschaft wendet, in der er aufgewachsen ist.

Ein 23-jähriger Franzose algerischer Abstammung ist nach Erkenntnissen der französischen Ermittler der . Sein Werdegang scheint typisch für einen radikalisierten Muslim, der dann in seinem Heimatland terroristische Anschläge verübt - ein "homegrown terrorist". "Wir sind uns sicher, dass es derjenige ist, der die aufeinanderfolgenden Morde begangen hat", sagte der französische Innenminister Claude Guéant im Nachrichtensender BFM.

Er beschrieb den Verdächtigen Mohammed Merah als einen Menschen, der sich selbst als "Mudjahidin" bezeichnet und Beziehungen zu Personen aus dem radikalen muslimischen Salafisten-Gruppen hat. "Sein Profil entspricht dem eines sehr entschlossenen Menschen." Er spreche viel und betone seine Überzeugungen". Auch sein direktes familiäres Umfeld steht im Verdacht, mit den radikalen Überzeugungen des jungen Mannes sympathisiert zu haben.

Unauffällig und höflich

Obwohl der Mann jahrelang vom französischen Inlandsgeheimdienst DCRI beobachtet wurde, deutete laut Guéant nichts darauf hin, dass der in Toulouse aufgewachsene Mann Anschläge plant. Der junge Mann lebte nach Angaben eines Nachbarn zuletzt völlig unauffällig in dem fünfstöckigen Haus, in dem er sich nach einem Polizeieinsatz verschanzt hat. "Er war sehr diskret", erklärte ein Nachbar TV-Journalisten. Trotz seines jungen Alters war der Tatverdächtige bereits mehrfach straffällig geworden, sagte Guéant. "Dieser Mann hat bereits mehrere Straftaten auf französischem Boden begangen, einige mit Gewalt". Nach den Worten von Guéant ging der 23-Jährige bei seinen Taten kühl und gezielt vor und soll sie sogar gefilmt haben, bevor er auf einem gestohlenen Motorroller flüchtete.       

Der langjährige Anwalt des Verdächtigen algerischer Abstammung zeigte sich vollkommen überrascht, dass Mohammed Merah ein islamistischer Serien-Attentäter sein soll. Der junge Mann sei immer "höflich" gewesen, sagte Christian Etelin, der den Verdächtigen in einer Reihe von Strafsachen seit 2004 oder 2005 vertrat, vor allem wegen Diebstahls. Zuletzt sei es um eine Führerschein-Sache gegangen, sagte der Anwalt dem Sender BFM TV.

Der Anwalt beschrieb Merah als eine Person mit einem "weichen Verhalten", "zivilisiert" und "nicht starr", so dass er nie an Fanatismus gedacht hätte. Der mutmaßliche Serien-Attentäter habe in seinem Beisein auch nie über den Islam gesprochen, doch habe er vor zwei Jahren mitbekommen, dass der junge Mann sich "plötzlich radikalisiert" habe und nach Afghanistan gereist sei.

Doppeltes Leben

Umso schockierter zeigen sich Freunde Merahs. "Er mag Fußball und Motorräder wie jeder Mann in seinem Alter", sagt ein Toulouser Freund, der nach eigenen Worten mit ihm schon in die Grundschule ging und in Kontakt blieb. "Ich wusste noch nicht mal, dass er betet."      

Die Menschen in seiner Umgebung bekamen von Merahs Doppelleben offenbar nichts mit. Freunde berichteten, Merah habe nie über Religion gesprochen und wollen nicht gewusst haben, dass er in Afghanistan war. Zwar habe er gebetet, sagte ein Freund, der seinen Namen mit Kamal angab. "Aber wir beten alle fünfmal am Tag. Das ist ganz normal."      

Karriere bei der Armee geplant

In den vergangenen Jahren hatte sich Merah zweimal bei der französischen Armee beworben. Im Januar 2008 habe er sich in Lille um seine Aufnahme bei den Bodentruppen beworben, sagte Oberst Bruno Lafitte. Er habe alle Tests absolviert, "aber die Überprüfung seiner Vorstrafen hatte eine Ablehnung seiner Bewerbung zur Folge".

2010 habe es Merah dann bei der Fremdenlegion im südfranzösischen Toulouse versucht. Dort habe er aber letztlich nicht an den Auswahltests teilgenommen.

Der mutmaßliche Islamist, der sich als Mitglied des Terrornetzwerkes Al-Kaida bezeichnet, soll in den vergangenen Tagen im Raum Toulouse sieben Menschen erschossen haben, darunter drei Kinder vor einer jüdischen Schule. Merah gab nach Angaben der Ermittler an, mit dem in Verbindung zu stehen. Sein Motiv seien die Auslandseinsätze der französischen Armee und Rache für den Tod palästinensischer Kinder.

Quelle: n-tv.de, dpa/AFP

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