Politik

Putins großer Braindrain Zehntausende gut ausgebildete Russen auf der Flucht

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Flüchtlinge auf dem Weg nach Georgien: Die Kriegsbegeisterung hält sich bei jungen Russen, denen die Einberufung droht, offensichtlich in Grenzen.

(Foto: AP)

Immerhin eines hat Russlands Präsident Putin schon erreicht: Seit der Verkündigung der Teilmobilisierung vor einer Woche fliehen Zehntausende seiner Landsleute aus dem Land. Nach Angaben aus London könnten dies mehr Russen sein, als noch im Februar die Ukraine überfallen haben.

Die russische Teilmobilisierung läuft offenkundig nicht nach Plan. Seit ihrer Ankündigung durch Präsident Wladimir Putin vor einer Woche gibt es einen beträchtlichen Exodus von Russen, die sich der Einberufung entziehen wollen. Wie das britische Verteidigungsministerium auf Twitter schreibt, sind die genauen Zahlen zwar unklar, "aber sie übersteigen wahrscheinlich die Größe der gesamten Invasionstruppe, die Russland im Februar 2022 aufstellte".

Unter den Flüchtenden sind dabei laut dem Ministerium "die Wohlhabenden und gut Ausgebildeten" überrepräsentiert. Die Folgen könnten für Russlands Wirtschaft dabei verheerend sein: "Zusammen mit den Reservisten, die mobilisiert werden, dürften die Auswirkungen der geringeren Verfügbarkeit von Arbeitskräften und der beschleunigten Abwanderung von Fachkräften auf die russische Wirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnen."

Das Internetportal der inzwischen in Russland verbotenen kremlkritischen Zeitung "Nowaja Gaseta" berichtete unter Berufung auf Quellen in der Präsidialverwaltung, dass bis Sonntag schon mehr als 260.000 Russen das Land verlassen hätten. Inzwischen dürfte die Zahl noch deutlich höher liegen. Schätzungen zufolge hatte Moskau vor dem Aufmarsch etwa 150.000 Soldaten an der Grenze zum Nachbarland aufmarschieren lassen.

Flucht in die Nachbarstaaten

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Die Teilmobilisierung führt seit ihrer Verkündung zu Protesten und einer Massenflucht aus Russland. Wer keine Papiere für die Einreise in die EU hat - und das ist der Großteil der Russen - flieht in visafreie Staaten wie die Ex-Sowjetrepublik Armenien oder in die Türkei. Allerdings sind viele - auch weiter entfernte - Ziele seit Tagen nicht mehr erreichbar, weil es keine Flüge gibt oder die übrigen mit Zehntausenden Euro kaum bezahlbar sind.

Auch die russischen Behörden haben auf den Exodus reagiert: So beschränkten sie etwa den Zugang zu einer Region an der Grenze zu Georgien. Der Anführer der russischen Region Nordossetien, Sergej Meniajlo, unterzeichnete ein Dekret, das die Durchfahrt für Personenfahrzeuge durch das Gebiet beschränkt, außer für Einheimische und Touristen. Auch errichteten die Behörden ein "mobiles" Rekrutierungsbüro an der Grenze zu Georgien, um jene abzufangen, die sich der Einberufung durch die Armee entziehen wollen.

Quelle: ntv.de, ghö/dpa

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