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Stuxnet kommt angeblich aus den USA Zettelte Obama Cyberkrieg an?

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Der Vater des Wurms? Obama autorisierte angeblich Stuxnet-Angriffe auf den Iran.

(Foto: Reuters)

Mr. Cool ist eiskalt - zumindest, wenn stimmt, was die "New York Times" über Barack Obama schreibt. Der US-Präsident und Friedensnobelpreisträger soll schon im ersten Monat seiner Amtszeit einen Cyberkrieg gegen den Iran angezettelt haben.

US-Präsident Barack Obama hat eine Welle von Cyberattacken gegen den Iran angeordnet, zu denen auch der berüchtigte Wurm Stuxnet gehörte. Das meint zumindest der Hauptstadtkorrespondent der "New York Times", David E. Sanger, und beruft sich dabei auf Informationen aus Sicherheitskreisen.

In seinem neuen Buch, das in Auszügen bereits in der Zeitung erschienen ist, schildert Sanger, wie Obama einen Iran bestätigt Cyber-Attacke anzettelte: Schon im ersten Monat seiner Amtszeit organisierte er danach heimlich Attacken auf Computersysteme, die für Irans Atomprogramm wichtig waren und setzte dabei auf immer ausgefeiltere Techniken. Obama taufte die Mission "Olympic Games" (Olympische Spiele).

"Sollten wir die Sache jetzt stoppen?"

Zu Sangers Quellen zählen offenbar auch Beamte, die beim Krisentreffen dabei waren, nachdemder Stuxnet im Juni 2010 entdeckt wurde. "Sollten wir die Sache jetzt stoppen?", hat Obama laut dieser Informanten gefragt. Da aber unklar war, wie viel die Iraner über die Schadsoftware wussten, entschied sich Obama angeblich für weitere Cyberattacken.

Kurz darauf bremste eine neuere Version von Stuxnet die Urananreicherungsanlage in Natanz aus. Eine vorerst letzte Attacke setzte laut Sänger rund 1000 der damals 5000 Zentrifugen zeitweilig außer Betrieb.

Stuxnet sorgte 2010 für Aufsehen. Da der Computerwurm auf einem Stuxnet mutiert mehrmals war, der millionenschwere Entwicklungskosten und außerordentliche technische Expertise voraussetzte, galt schnell als sicher, dass es sich nicht um einen einfachen Hackerangriff handeln konnte, sondern dass ein Staat hinter dem Angriff stecken musste. Neben den USA stand auch Israel unter Verdacht.

Stuxnet griff gezielt Siemens-Industriesysteme in der für Atomzentrifugen typischen Konfiguration an. Ziel war das Siemens-System Simatic S7, das in Anlagen zur Überwachung und Steuerung technischer Prozesse verwendet wird. Die Konfiguration von Stuxnet ließ Experten von Anfang an vermuten, dass der Iran das Ziel gewesen sein dürfte.

Keine Skrupel vor einer neuen Art der Kriegsführung

Wie weit der Cyberangriff das Iran dämpft Erwartungen zurückwarf ist bis heute umstritten – auch für Sanger. Im Weißen Haus gehe man davon aus, dass das Atomprogramm 18 bis 24 Monate verlor. Andere Experten sind skeptischer und glauben, dass die iranischen Wissenschaftler die Anreicherung wieder schnell hochgefahren haben und das Land heute über genug Material für fünf oder mehr Atomwaffen verfügen könnte.

Skrupel, eine neue Art der Kriegsführung zu etablieren, hatte Obama laut Sanger nicht. Dem Präsidenten sei dieses Risiko bewusst gewesen, sagten Eingeweihte in die Mission "Olympic Games" angeblich. Seine Sorge sei vielmehr gewesen, dass mit dem amerikanischen Eingeständnis von Cyberattacken auch andere Länder oder Terroristen dazu greifen könnten. Obama ging es laut Sanger auch darum, mit den Computerattacken einen israelischen Militärangriff auf den Iran zu verhindern.

Allein bei Obama liegt die Verantwortung für diese moderne Form der Kriegsführung aber nicht. Das Cyberwar-Programm der Vereinigten Staaten ist eine Schöpfung seines Vorgängers George W. Bush. Nach Angaben Sangers haben sich aber erst in der Amtszeit Obamas amerikanische und israelische Computerexperten die Sachkenntnis erabeitet einen derart komplexen Wurm wie Stuxnet zu erschaffen.

Quelle: n-tv.de, ieh/dpa

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