Politik

Missverständnis oder Terrortest Zwischenfall in Amsterdam

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Schiphol zählt zu den größten Flughäfen Europas.

(Foto: dpa)

Zu einzelnen Paketen verbundene Uhren und Mobiltelefone, eine Flasche Medizin, mehrere große Messer und eine Menge Bargeld: Wer so etwas in seinem Koffer durch die Sicherheitskontrollen am Flughafen bringen will, fällt auf. Möglicherweise ist alles ganz harmlos, möglichweise steckt mehr dahinter. Die Behörden am Flughafen Amsterdam müssen in einem solchen Fall ermitteln.

Auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol sind zwei Passagiere aus den USA festgenommen worden, die möglicherweise einen Terroranschlag geprobt haben. Einer der beiden Männer habe einen Koffer mit verdächtigen Gegenständen aufgegeben, darunter mehrere Messer, berichteten US-Medien. Die Verdächtigen seien auf Veranlassung der USA festgenommen worden, befragt wurden sie von der niederländischen Polizei.

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Maschinen der American Airlines auf dem O'Hare International Airport in Chicago.

(Foto: dpa)

Die niederländische Generalstaatsanwaltschaft bestätigte unter Verweis auf die laufenden Ermittlungen zunächst nur die Festnahme zweier verdächtiger Passagiere auf dem Amsterdamer Flughafen am Vortag. Eine zunächst für 12.30 Uhr angesetzte Pressekonferenz verschob die Generalstaatsanwaltschaft auf den späten Nachmittag. "Wir nehmen den Fall ernst", sagte die Sprecherin der nationalen Koordinierungsstelle zur Terrorismus-Bekämpfung, Judith Sluiter. Nach bisherigem Erkenntnisstand habe für die nationale Sicherheit aber keine Gefahr bestanden.

Nach Informationen des Senders ABC, der zuerst über den Fall berichtete, hatten die US-Behörden die Festnahme der beiden Männer wegen Terrorverdachts beantragt. ABC gab ihre Namen mit Ahmed Mohamed Nasser al Soofi und Hezam al Murisi an. Nach Informationen der "New York Times" stammen beide Männer ursprünglich aus dem Jemen.

Merkwürdige Gepäckbeigaben

Laut ABC war Al Soofi den Sicherheitsbeamten beim Einchecken in Birmingham im US-Bundesstaat Alabama wegen seiner "ausgebeulten Kleidung" aufgefallen. Bei seiner Kontrolle entdeckten sie bei ihm 7000 Dollar Bargeld und in seinem Gepäck ein Teppichmesser und drei Messer, ein Handy, das an einer Flasche mit einem Medikament gegen Übelkeit befestigt war, drei weitere mit Klebeband zusammengeklebte Handys sowie mehrere ebenfalls zusammengeklebte Uhren. Da ihr Mitführen nicht verboten war und bei Al Soofi keine Spuren von Sprengstoff entdeckt worden seien, durfte er nach Chicago weiterfliegen.

Nach Informationen mehrerer US-Medien gab er dort sein Gepäck für einen Flug via Washington und Dubai in den Jemen auf, während er selbst in die Maschine nach Amsterdam stieg. Erst in Washington sei das herrenlose Gepäck entdeckt und entfernt worden. Laut "New York Times" aber hatte Al Soofi sein Gepäck bereits in Birmingham für einen Flug in den Jemen aufgegeben.

Möglicherweise nur ein Missverständnis

Der Terrorismus-Experte Edwin Bakker vom Den Haager Institut Clingendael sagte, es könne sich um einen Testlauf für einen Terroranschlag gehandelt haben. Einige Medien spekulierten hingegen, der Zwischenfall könnte sich als harmloses Missverständnis herausstellen. CBS News berichtete unter Berufung auf US-Behörden, zwischen den beiden Festgenommenen gebe es keinerlei Verbindungen. Währenddessen sagte ein Mann, der sich als Al Soofis Cousin ausgab, der "New York Times", er vermute, Al Soofi habe seinen Angehörigen oder Freunden zu Hause Handys und Medizin mitbringen wollen und die Mitbringsel für den jeweiligen Adressaten zusammengeschnürt.

An sich nichts Gefährliches

Das Weiße Haus kündigte eine "energische Untersuchung" des Vorfalls an. Die beiden Passagiere hätten nicht auf einer der Verdächtigenlisten gestanden, sagte Sprecher Robert Gibbs auf CNN. Das US-Heimatschutzministerium erklärte, die Gegenstände in dem Gepäck seien "an sich nicht gefährlich" gewesen, die niederländischen Behörden seien aber über die Objekte informiert worden. Nach einem vereitelten Anschlagsversuch in einem US-Passagierflugzeug an Weihnachten waren die US-Sicherheitsbehörden scharf kritisiert worden.

Quelle: ntv.de, rts