Dossier

D'Alessandro führt VfL vor Ärger mit "Mini-Maradona"

Sportlich hat Andres D'Alessandro schon lange nicht mehr für Aufsehen gesorgt. Die spektakulären Spiele des argentinischen Ballzauberers in der Fußball-Bundesliga liegen schon viele Monate zurück. Regelmäßiger als die großen Auftritte sind hingegen der Ärger und die negativen Schlagzeilen, die der teuerste Spieler in der Geschichte des VfL Wolfsburg produziert. Derzeit treibt der Ärger des Spielmachers mit dem Club einem neuen Höhepunkt entgegen. Nach einem Streit mit dem neuen Trainer Klaus Augenthaler will D'Alessandro den Club mit aller Macht verlassen.

In seinen besten Szenen hat D'Alessandro mit schnellen Tricks und feiner Ballbehandlung ganze Abwehrreihen genarrt und zur Verzweiflung getrieben. Auf den Durchbruch, den sich der Club bei der 9,5 Millionen Euro teuren Verpflichtung des Sommers 2003 versprochen hat, warten die Fans aber weiter vergeblich. Stattdessen zeigt sich der 24-Jährige wieder einmal in der Rolle der launischen Diva und sagte der "Bild"-Zeitung im Trainingslager im spanischen Huelva: "Ich will weg aus Wolfsburg, am liebsten sofort."

Schwache Defensivarbeit

D'Alessandro ist beleidigt, weil der Trainer ihn kritisiert hat. "Für Andres ist das Spiel vorbei, sobald der Ball weg ist. Dabei fängt es dann erst an. Das kann in der Bundesliga tödlich sein", hatte Augenthaler nach einem Testspiel geklagt. Der Nachfolger des entlassenen Holger Fach sagte: "Große Spieler arbeiten auch nach hinten. Das verlange ich von Andres auch. Vom läuferischen Vermögen hat er das drauf. Ich brauche keine elf Maradonas, sondern auch Sauhunde, die sich für die Mannschaft zerreißen."

Der Argentinier, Goldmedaillen-Gewinner bei den Olympischen Spielen in Athen, entgegnete darauf, er sei "müde", immer wieder auf die Defensivarbeit hingewiesen zu werden. Für die Absicherung nach hinten gebe es "andere Spieler". Wie vor einem Jahr drängt der von River Plate Buenos Aires gekommene Profi auf ein Ende des bis 2008 laufenden Vertrages. Sein Berater komme in der nächsten Woche nach Europa.

Augenthaler bleibt gelassen

Der Club versucht, nach außen Ruhe zu demonstrieren. "Der Trainer und ich sind da völlig unaufgeregt, und wir lassen uns durch solche Scharmützel nicht aus der Ruhe bringen", sagte Manager Klaus Fuchs. Zu den Wechselabsichten des Argentiniers erklärte er: "Wir sehen keinen Handlungsbedarf. Wenn der Spieler mit uns sprechen will, kann er gerne zu uns kommen."

Augenthaler reagierte mit Spott. "Soweit ich gehört habe, sagt Andres so etwas zwei Mal im Jahr", witzelte der neue VfL-Coach: "Wahrscheinlich will er immer dann weg, wenn es in Deutschland kalt ist."

Michael Rossmann (Deutsche Presse-Agentur)

Quelle: ntv.de