Politik
Samstag, 07. April 2007

Schaf mit schwarzen Beinen: Ärger um "Rhönhilde"

Rhönschafe haben ein herausragendes Charakteristikum: den schwarzen Kopf. Doch der Rest dieser besonderen Schafrasse, die in dem Mittelgebirge im Dreiländereck zwischen Hessen, Bayern und Thüringen lebt, ist weiß. "Ganz weiß", wie inzwischen auch Zeichner Alexander Ziegler weiß. Er hat ein Comicschaf erfunden - eher zufällig, als er beim Weihnachtsmarkt im Rhöndorf in Tann von zahlreichen Rhönschafen aus Plüsch umzingelt war. Jetzt allerdings sorgen die Beine seiner "Rhönhilde", der wolligen Schafdame, für Aufregung. Denn die sind schwarz.

Dieses kleine Detail hat einen Bauern in Bischofsheim in der bayerischen Rhön derart in Rage versetzt, dass er rechtliche Schritte und eine Schadenersatzforderung angedroht hat. "Wir haben eine Unterlassungserklärung bekommen, die wir bis Mitte April unterschreiben sollen", sagt Petra Ziegler, Vertriebschefin der Firma Extra-Schaf. Die Schweinfurter Firma, die Produkte mit dem Bild der "Rhönhilde" verkauft, solle das Schaf richtig zeichnen und den Vertrieb der Produkte mir der Ur-"Rhönhilde" einstellen. Im Keller lagern allerdings bereits Werbeartikel im Wert von rund 20.000 Euro: Tassen, T-Shirts, Krüge, Mousepads - alle mit Rhönhildes schwarzen Beinen.

"Herabgesetzt und verunglimpft"

Das ist dem Landwirt, der für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, egal. Er sieht das Rhönschaf, das lange vom Aussterben bedroht war, wieder in Gefahr und noch dazu seine Tätigkeit als "herabgesetzt und verunglimpft". Das Tier in den Comics sei eines der Rassen "Suffolk" oder "schwarzköpfiges Fleischschaf". "Das ist ein gemeines Schaf mit dickerer Wolle und fetterem Fleisch", hat Zeichner Ziegler inzwischen gelernt. Rhön-Grabfeld-Landrat Thomas Habermann (CSU), der zunächst gegen "Rhönhilde" gewettert hatte, versucht inzwischen zu beschwichtigen: "Man muss den Landwirt auch verstehen", sagt er. "Er hat sich Jahrzehnte lang um die Erhaltung des Rhönschafs verdient gemacht."

Aber er war nicht der einzige - und andere Schäfer sehen die Angelegenheit nicht so eng. "Es gibt mehr als 20.000 Schafe in der Rhön, von denen sind aber nur 4.000 echte Rhönschafe", sagt Dietmar Weckbach, der im hessischen Wüstensachsen in der fünften Generation Schäfer ist. Er könne die Reaktion seines bayerischen Kollegen nicht verstehen. "Es geht doch darum, die Region nach vorn zu bringen."

"Bayrischer Schildbürgerstreich"

Der Taufpate der echten "Rhönhilde", die am 24. Dezember vergangenen Jahres geboren wurde und von Schäfer Weckbach mit der Flasche großgezogen wird, nimmt die ganze Sache mit Humor. Michael Brand (CDU), Fuldaer Bundestagsabgeordneter, nennt die Streitigkeiten um sein Patenschaf einen "bayerischen Schildbürgerstreich".

Touristikexperten aus der Rhön und zahlreiche Politiker freuen sich inzwischen über die knuffige Werbung für die Rhön - und die Streitigkeiten um das Tier. "Die Aufregung hat viel Aufmerksamkeit für die Rhön mit sich gebracht", sagt Brand. Zeichner Ziegler hat sich des Problems auf ganz eigene Weise angenommen. "Der Frühling ist da und jetzt endlich konnte die "Rhönhilde" ihre schwarzen Socken ausziehen", sagt er mit einem Augenzwinkern. "Sie ist nämlich eine kleine Diva, die sich die Füße nicht schmutzig machen will."

Als er zur Recherche bei Schäfer Weckbach war, haben ihn andere Körperteile mehr interessiert als die Beine "Rhönhildes". "Man guckt sich beim Kennenlernen ins Gesicht, nicht auf die Füße", sagt er. Die sind also jetzt von Socken verhüllt: Speziell für das Frühjahr hat Ziegler der wolligen Schafdame eine farbige Strumpfkollektion verpasst, mit der sie immer ihre schwarzen Beine einhüllen kann. "Und wer weiß - vielleicht bringen wird ja demnächst eine Strumpfkollektion heraus. Aus 100 Prozent Schafwolle."

Verena Wolff (dpa)

Quelle: n-tv.de