Dossier

Satanismus in Frankreich Schwarze Messen

Drudenfuß, Pentagramm, umgekehrte Kreuze und die Zahl 666 kommen in Frankreich in letzter Zeit immer häufiger vor - besonders auf geschändeten Gräbern und verwüsteten Kapellen. Allein in der Bretagne tauchten diese klassischen Symbole des Satanismus im vergangenen Monat knapp fünfzig Mal auf.

Mehr als vierzig satanistische Bewegungen und rund 4000 Aktivisten gibt es nach Expertenschätzungen heute in Frankreich. "Der Satanismus verführt überwiegend Jugendliche", stellte der Wissenschaftler Benot Domergue kürzlich in einem Artikel für den "France Soir" fest. Vor wenigen Monaten stürzten sich sogar zwei junge Satanistinnen vor den Augen ihrer Mitschüler in den Tod.

"Die Jugendlichen stammen meistens aus sozial besser gestellten Verhältnissen, sind intelligent, jedoch völlig orientierungslos und bewegen sich zwischen Nihilismus, Satanismus und Neonazismus", führte der renommierte Religionswissenschaftler Paul Aris in einer Analyse für die französische Tageszeitung "Le Parisien" aus.

Messen zu Ehren des Hitler-Buches "Mein Kampf"

Vor allem der "Orden der neun Winkel" und die "Köpfe des Satans" verkünden eine neonazistische Ideologie. Diese Gruppen sind zwar in der Minderheit, jedoch äußerst gut strukturiert. Sie nutzen laut Aris die Begeisterung der Jugendlichen für die Symbolik des Satanismus aus. In dieser Vermischung zwischen dem heiligen satanischen Krieg und der Ideologie der Neonazis liege die größte Gefahr, meinte der Religionswissenschaftler.

Der "Orden der neun Winkel" organisiert auch Schwarze Messen. Dabei handelt sich um eine bewusste Parodie des christlichen Gottesdienstes. Bei dem Ritual wird der Teufel angerufen und es werden kultische Praktiken wie Entweihung der Hostie, Tieropfer und sexuelle Ausschweifungen ausgeübt.

Der Begriff kam im 19. Jahrhundert auf und geht wahrscheinlich auf die Schwarzfärbung der Hostie zurück. Bei dem "Orden der neun Winkel" werden die Messen zu Ehren des Hitler-Buches "Mein Kampf" gefeiert.

Die meisten der in Frankreich vorhandenen satanistischen Bewegungen sammeln sich um den Black Metal herum, eine sehr aggressive Form des Rock aus hartem Gitarrensound, krächzendem Gesang und morbiden Texten. Auf die satanischen Praktiken weisen oft schon die Namen dieser Gruppen wie Christ Agony hin.

Gothic-Szene breitet sich in Frankreich besonders aus

Eine Tendenz, die sich derzeit besonders in Frankreich ausbreitet, ist der "gotisme", die Gothic-Szene. Der schwarze Look, die bleiche Haut, grell geschminkte Gesichter und das damit verbundene Lebensgefühl sind zu einer Jugendbewegung geworden.

Zwar sind die Gothics nicht zwangsläufig Satanisten, doch beunruhigt viele ihre zunehmende Zahl: "Die Grenzen sind fließend. Beide bringen eine Art von Antihaltung zur Welt zum Ausdruck, einen Protest gegen unsere Gesellschaft und unsere Werte", schrieb Paul Aris.

Anregungen zu diesem Rebellentum, das oft zu sadistischen Akten führt, finden Frankreichs Jugendliche im Internet und in der "Satanischen Bibel", von der weltweit 600.000 Exemplare in französischer Sprache verkauft wurden.

Von Sabine Glaubitz, dpa

Quelle: ntv.de