Nach israelischem GegenschlagIran attackiert Israel am Morgen erneut

Die israelische Armee meldet einen neuen Raketenbeschuss aus dem Iran. Reporter berichten von mindestens acht Explosionen über Jerusalem. Zuvor hatte Israel bereits auf den iranischen Angriff am Sonntagabend reagiert.
In Nahost eskaliert die Lage ungeachtet der Bemühungen von US-Präsident Donald Trump um einen Frieden mit dem Iran. Israel griff in der Nacht trotz Mahnungen Trumps als Reaktion auf iranische Angriffe am Sonntagabend eine petrochemische Anlage sowie militärische Ziele in der Islamischen Republik an.
Die Luftwaffe habe den Komplex in Mahschahr im Südwesten des Iran bombardiert, teilte das israelische Militär mit. Der iranischen Nachrichtenagentur Fars zufolge wurden Teile der Anlage beschädigt. Flughäfen in Teheran und im Westen des Landes stellten bis auf weiteres den Betrieb ein. Am Vormittag meldete der Iran weitere Angriffe in verschiedenen Landesteilen. In Teheran waren Explosionsgeräusche zu hören.
Der Iran griff Israel am Morgen mit weiteren Raketensalven an. Im Iran gestartete Raketen steuerten auf Israel zu, die Verteidigungssysteme seien "im Einsatz, um die Bedrohung abzufangen", teilte die israelische Armee mit. Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten von mindestens acht Explosionen über Jerusalem, zuvor war Luftalarm ausgelöst worden.
Der Iran nahm nach eigenen Angaben zwei Militärbasen ins Visier. Die Angriffe zielten auf die Luftwaffenstützpunkte Nevatim in Südisrael und Tel Nof südlich von Tel Aviv, wie die iranischen Revolutionsgarden am Montag mitteilten. Sie bezeichneten die Attacken als Vergeltung für die israelischen Raketenangriffe auf mehrere Radaranlagen im Iran.
Huthi-Miliz verkündet Blockade im Roten Meer
Nach Angaben des israelischen Militärs wurde zudem eine Rakete aus dem Jemen in Richtung Israel abgefeuert. Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz im Jemen beanspruchte erstmals seit Wochen wieder einen Angriff auf Israel für sich. Sie habe mehrere Raketen auf Israel gefeuert, teilte Militärsprecher Jahja Sari mit. Zugleich verkündete er eine "komplette Blockade" der Seefahrt für Israel im Roten Meer. Jegliche israelische Bewegungen dort würden als "militärische Ziele" betrachtet. Damit könnten im Roten Meer erneut auch Handelsschiffe in Gefahr geraten, die nach Einschätzung der Huthi einen Bezug zu Israel haben und etwa israelische Häfen ansteuern.
Die Angriffe trieben die Ölpreise an. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um mehr als fünf Prozent auf über 97 Dollar je Barrel.
Trumps Mahnung verhallt
Trump hatte den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu einem Medienbericht zufolge aufgefordert, von weiteren Angriffen abzusehen. Wie das Nachrichtenportal Axios unter Berufung auf einen US-Regierungsvertreter berichtete, telefonierte Trump am Sonntag mit Netanjahu. Ein Abkommen mit dem Iran sei in greifbarer Nähe, habe Trump zur Begründung gesagt.
Den israelischen Luftangriffen war ein iranischer Raketenangriff auf Israel am Sonntag vorausgegangen. Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, sie hätten den Luftwaffenstützpunkt Ramat David nahe Nazareth ins Visier genommen. Auslöser der iranischen Angriffe war demnach wiederum ein israelischer Angriff auf die südlichen Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut, die Hochburgen der mit dem Iran verbündeten Hisbollah-Miliz sind. Der Iran pocht darauf, dass der Libanon in ein Friedensabkommen und eine Waffenruhe-Vereinbarung einbezogen wird.
In einem Interview der Zeitung "Financial Times" erklärte der US-Präsident, wechselseitige Angriffe von Israel und Iran würden die Friedensgespräche seiner Regierung mit Teheran nicht beeinträchtigen. "Ich habe das Sagen", sagte Trump. "Er (Netanjahu) hat nicht das Sagen." Der israelische Botschafter in den USA, Yechiel Leiter, verteidigte das Vorgehen seines Landes. "Jeder hat genug von diesem wahnsinnigen iranischen Regime", schrieb er auf der Online-Plattform X. Kein Land der Welt würde einen iranischen Angriff tolerieren. Der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, schrieb auf X: "Das Mutterschiff des Satans befindet sich in Teheran."
Der Iran und Israel hatten sich seit Beginn des Krieges Ende Februar immer wieder gegenseitig angegriffen. Anfang April vereinbarten die USA und Israel eine Feuerpause mit dem Iran. Der Iran blockiert wegen des Krieges jedoch weiter den Großteil der Schifffahrt durch die Straße von Hormus. Durch die Meerenge wird ein Fünftel des weltweit gehandelten Rohöls und Flüssiggases transportiert. Die USA blockieren ihrerseits iranische Häfen.
Europa mahnt beide Seiten
Trump pocht auf ein Abkommen, das den Iran an der Entwicklung von Atomwaffen hindert. "Wir stehen sehr kurz vor einer Einigung, oder ich werde sie in Grund und Boden bomben", sagte er dem Sender NBC. Die Führung in Teheran bestreitet, nach Atomwaffen zu streben und fordert im Gegenzug für ein Abkommen die Aufhebung der Sanktionen und die Freigabe eingefrorener Gelder in Milliardenhöhe. Zudem beansprucht der Iran die Kontrolle über die Straße von Hormus, was die USA ablehnen. Der iranische Botschafter in Russland, Kasem Dschalali, sagte der Zeitung "Iswestija", die Meerenge werde geöffnet, allerdings unter neuen Bedingungen. Der Iran und der Oman würden künftig Gebühren für Dienstleistungen in der Region erheben.
Die britische Regierung rief den Iran und Israel zur Deeskalation auf. "Niemand hat ein Interesse an der Wiederaufnahme des Konflikts zwischen dem Iran und Israel", schrieb Außenministerin Yvette Cooper auf der Plattform X. "Beide Seiten müssen sich in Zurückhaltung üben und die Lage unverzüglich deeskalieren." Die Verhandlungen für eine dauerhafte, für alle notwendige Lösung müssten fortgesetzt werden, um Frieden und Stabilität in der Region zu erreichen und den globalen Handel wiederherzustellen.
Auch die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kritisierte die jüngsten Kampfhandlungen. "Ich denke, die Region braucht keine weitere Eskalation", sagte Kallas vor einem Treffen der EU-Verteidigungsminister. Stattdessen sollten sich die Kriegsparteien "an den Verhandlungstisch setzen und eine Einigung erzielen".