Kommentare

"Avocadolf" dreht völlig durch Hildmann will töten, der Staat schaut zu

132709866.jpg

Hassprediger Hildmann bei der Arbeit

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Verschwörungsideologe Attila Hildmann radikalisiert sich immer weiter. Inzwischen droht er mit Mord und setzt Kopfgelder aus. Der Rechtsextremist wäre in einer Gefängniszelle besser aufgehoben als auf einem Rednerpult.

Das Schöne an einer weitgehend gut funktionierenden Demokratie ist ja, dass man denken und sagen kann, was man will. Die Meinungsfreiheit geht in Deutschland weiter als in den allermeisten Ländern der Welt. Für vieles, was man hier offen aussprechen kann, würde man in anderen Staaten vieles, teilweise alles riskieren. Wer das nicht glaubt, dem sei eine längere Reise in einen der zahlreichen autoritär geführten Staaten der Welt empfohlen. Danach spürt man sie wieder, die Freiheit. In Deutschland lässt sich das Privileg genießen, dass man sein Leben nach seinen eigenen Vorstellungen leben kann - egal wie bizarr, abgehoben und vielleicht sogar krank dieses Leben auf andere wirken mag. So wie etwa das von Attila Hildmann.

Man könnte meinen, dass ihm dieses Land ein gutes Leben ermöglicht hat. Adoptivkind Hildmann ist ein Star-Koch geworden, obwohl er nie eine Berufsausbildung als Koch gemacht hat. Mit seinen Kochbüchern und Lebensmittelprodukten hat er ein Vermögen verdient. Aus reichen Verhältnissen kommt er aber nicht. Der Selfmade-Man genießt einen Lebensstandard, von dem die meisten Menschen auf diesem Planeten nur träumen können. Wie viele Deutsche können sich ein Auto leisten, das mehr als 150.000 Euro kostet? Attila Hildmann, Wunderkind und Guru der pflanzlichen Küche, kann das. Ja, man könnte meinen, das Leben in Deutschland habe es gut mit ihm gemeint.

Hildmann hat dennoch ein neues Leben angefangen. Denn er ist "aufgewacht". In diesem Leben verbreitet er keine Kochrezepte mehr, sondern Verschwörungsideologien - oder wie er es nennt, "Wahrheiten". Es ist von allem etwas dabei: Antisemitismus, Holocaustrelativierung, Rechtsextremismus, Reichsbürgertum. Er spekuliert über Aliens, Chemtrails, eine weltweite Impf-Verschwörung um Bill Gates und den Mobilfunkstandard 5G. Er behauptet, im Vergleich zur "Kommunistin, Zionistin, Satanistin Angela Merkel" sei Adolf Hitler "ein Segen" gewesen. Er warnt vor einer "Corona-Diktatur", in der die Grundrechte abgeschafft würden und verkündet, er sei "hier bald der neue Staatschef". Egal, ob "Avocadolf", wie Hildmann spöttisch im Netz genannt wird, spricht oder schreibt: Seine Worte sind voller Hass.

Sein neues Leben als Revolutionär hat ihn viel gekostet. Sein Ansehen als Koch hat er mit seinen kruden und menschenfeindlichen Thesen längst verspielt. Kein Verlag will noch mit ihm in Verbindung gebracht werden. Supermarktketten haben seine Produkte aus dem Sortiment genommen. Selbst der Autohersteller Porsche schämt sich dafür, dass Hildmann mit einem knallbunten GT3 bei seinen Demos vorfährt. All das hat er für seine Revolution "geopfert". Die folgt derzeit einem simplen Muster: Hildmann nimmt jede Woche das Demonstrations- und Versammlungsrecht sowie seine Meinungsfreiheit wahr. Polizisten ermöglichen ihm durch ihren Schutz die Ausübung seiner Grundrechte. Und dann verkündet er, es gebe keine Grundrechte und Deutschland sei im Grunde eine Diktatur.

"Indem man ihm die Eier zertritt auf einem öffentlichen Platz"

An den Erfolg dieser Revolution glauben offenbar nicht allzu viele Menschen. Einige Dutzend Personen begleiten Hildmann zu seinen wöchentlichen Demonstrationen und skandieren "Attila, Attila!". Gemein haben sie mit ihm, dass sie vermutlich ebenfalls in einer geschlossenen Einrichtung besser aufgehoben wären als auf diesen Veranstaltungen. Aber wie gesagt: Das ist ja das Tolle an diesem Land, man kann frei reden, man kann sogar Blödsinn reden und man kann frei entscheiden.

EdM6dKFWoAYouip.png

Auf diesen Gegner der Hildmannschen Revolution hat der Ex-Veggie-Koch ein Kopfgeld von 1000 Euro ausgesetzt. Verpixelt war das Bild in seinem Telegram-Kanal nicht.

Hildmann testet derzeit allerdings aus, wie dehnbar der Begriff Meinungsfreiheit ist. Es laufen Ermittlungen gegen wegen Volksverhetzung. Manche seiner Äußerungen sind an der Grenze zur Holocaust-Leugnung. Kürzlich hat er die Todesstrafe für den Grünen-Politiker Volker Beck gefordert. Bei seiner gestrigen Rede erneuerte er diese Forderung, "indem man ihm die Eier zertritt auf einem öffentlichen Platz". Auf seinem Telegram-Kanal, den rund 66.000 Menschen abonniert haben, veröffentlicht er Fotos und Telefonnummern von Personen, die ihn offenbar bei der Erreichung seiner Revolutionsziele hindern wollten. "Wer den kompletten Namen und Adresse kennt von dem: 1000 Euro Cash", schreibt er unter das Bild eines jungen Mannes. Seinen Text schmückt Hildmann mit einem Axt-, einem Schwert- und einem Sprengstoffsymbol.

Wie der selbsternannte Hohepriester der Meinungsfreiheit mit abweichenden Meinungen umgeht, hat er schon eindrücklich in seinem früheren Leben als Starkoch bewiesen. Als eine Journalistin des "Tagesspiegel" 2017 kritisch über eines seiner Restaurants berichtet hatte, erteilte er wegen des "dreckigen Kackartikels" daraufhin der kompletten Redaktion Hausverbot und schrieb der Journalistin: "Ich freue mich, dass ich Sie nicht erkannt habe, sonst hätte ich Ihnen meine Pommes in Ihre Wannabe-Journalistinnen-Visage gestopft." Kurz darauf lud er die komplette Redaktion in sein Lokal zum Essen ein, kündigte aber an, "komplett auszurasten", wenn sie wieder "irgendeine Scheiße" schreiben. Dazu postete er ein Foto von sich mit einer Schrotflinte im Anschlag.

Hildmann war einst ein angesehener Koch. Dann wandelte er sich zum belächelten Verschwörungstheoretiker. Inzwischen ist er ein demagogischer Rechtsextremist, der offen mit Gewalt droht und Kopfgelder aussetzt. Den demokratischen Rahmen hat er längst verlassen. Warum ihn die Behörden nicht sanktionieren, ist eigentlich nur mit einem gefährlichen Maß an Toleranz gegenüber einem offensichtlichen Feind der Demokratie zu erklären. Vor dem Hintergrund rechtsextremistischen Terrors und wiederholten Gewaltausbrüchen ist dieses Verhalten von Polizei und Staatsanwaltschaft aber nicht nachzuvollziehen. Dafür gab es in Deutschland schon zu viele Opfer rechter Gewalt. Wenn demnächst nicht wieder von einem "tragischen Einzelfall" die Rede sein soll, gehört Hassprediger Hildmann eher in eine Gefängniszelle als auf ein Rednerpult.

Quelle: ntv.de