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Führungsdebatte zur Unzeit Lötzsch tritt in den Fettnapf

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Lötzsch will nochmal.

(Foto: dpa)

Na, das hat ja nicht lang gedauert. Weniger Selbstbeschäftigung hatte man sich verordnet. Doch nur wenige Tage nach dem Ende des Erfurter Parteitages entbrennt erneut Zoff bei den Linken. Führungskraft Lötzsch ist es, die eine unnötige Diskussion anzettelt.

Der auf dem Erfurter Parteitag mühsam geschlossene Burgfrieden bei den Linken hat nur kurz gehalten. Zwei Tage nach dem mit großer Mehrheit beschlossenen Programm bricht in der Partei erneut die Führungsdebatte aus. Und wieder einmal ist es Parteichefin Gesine Lötzsch, die für Irritationen sorgt.

Die Berlinerin besitzt das seltene Talent, Diskussionen zur Unzeit anzuheizen. Stürzten ihre Kommunismus-Auslassungen die Linke zu Beginn des Jahres in Turbulenzen, wartet sie nun - ungefragt - mit ihrer Bereitschaft zur erneuten Kandidatur für das Amt der Bundesvorsitzenden auf - und das, obwohl der Wahlparteitag erst in sieben Monaten stattfindet. Bemerkenswert ist zudem, dass Lötzsch ihre Bereitschaft zur Kandidatur aus dem Bauch getroffen hat, ohne ihren Mitstreiter Klaus Ernst zu konsultieren.

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Ernst hat noch nichts gesagt.

(Foto: dpa)

Sie wolle das Katz- und-Maus-Spiel endlich beenden, sagte sie. Lötzsch springt dabei in unkluger Weise über ein Stöckchen, das Thüringens Fraktionschef Bodo Ramelow mit seiner Bemerkung, Sachsen-Anhalts Landeschef Matthias Höhn sei für ihn der Favorit für den Posten des Bundesgeschäftsführers, hingeworfen hatte.

Im Vergleich zu Ernst hat Lötzsch anscheinend das deutlich schwächere Nervenkostüm. Die 50-Jährige sieht spätestens nach Erfurt ihre Felle davon schwimmen. Unübersehbar war, dass Oskar Lafontaine - er ist derzeit nur Linken-Fraktionschef im Saarland - auf dem Parteitag der Chef war. Er begeisterte mit seiner Rede und Wortbeiträgen und brachte die Delegierten mehr als einmal auf Kurs. Dazu kam noch der sich zurückhaltende, aber auf dem Parteitag dennoch sehr präsente Bundestags-Fraktionschef Gregor Gysi. Lötzsch und Ernst wirkten nicht wie Parteivorsitzende, sondern wie Geschäftsführer, die nach der Pfeife der beiden Linken-Schwergewichte tanzten. Wie man offene Personalfragen regelt, zeigte Gysi, der für Linken-Verhältnisse diesmal ziemlich geräuschlos die Führungsfrage in der Fraktion löste.

Auf Abruf

Lötzschs Flucht nach vorne erweist sich schon jetzt als Rohrkrepierer. So äußert sich Lafontaine-Kritiker Dietmar Bartsch - auch er ist als Kandidat im Gespräch - "verwundert". Auch andere, der angeschlagenen Parteichefin bislang Wohlgesonnene, schlagen die Hände über ihren Köpfen zusammen.

Das Duo Lötzsch/Ernst ist eines auf Abruf. Ernst scheint dies im Gegensatz zur seiner Mitstreiterin begriffen zu haben. Er sieht, dass es weitaus stärkere Kandidaten für die Parteispitze gibt. So profiliert sich zum Beispiel Sahra Wagenknecht als Fachfrau für Wirtschafts- und Finanzfragen. Allerdings wird wohl Lafontaine diese Personalfrage entscheiden. Verspürt er wieder Lust, Parteichef zu werden, kann Lötzsch so viel kandidieren wie sie will. Das Parteivolk wird sie dann in die Wüste schicken.

Quelle: ntv.de

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