Politik
Sauerland muss seine politische Verantwortung erkennen. Bislang ignoriert er sie.
Sauerland muss seine politische Verantwortung erkennen. Bislang ignoriert er sie.(Foto: dpa)
Dienstag, 27. Juli 2010

Loveparade-Katastrophe ist ein Skandal: Sauerland muss zurücktreten

Till Schwarze

Nach der Katastrophe bei der Loveparade drückt sich Duisburgs Oberbürgermeister um seine Verantwortung. Dieses unwürdige Verhalten sollte Sauerland schnell beenden.

Adolf Sauerland sollte seinem unwürdigen Verhalten schnellstmöglichst ein Ende setzen und zurücktreten. Der Duisburger Oberbürgermeister hat nach der Katastrophe bei der Loveparade gar keine andere Wahl. Zum einen, weil er die politische Verantwortung trägt. Zum anderen hat er sein Vertrauen verspielt.

Noch wehrt sich Sauerland, die Verantwortung für die 21 Toten und hunderten Verletzten zu übernehmen. Erst will der CDU-Politiker "die schrecklichen Ereignisse aufarbeiten und die vielen Puzzleteile zu einem Gesamtbild zusammenfügen". Das klingt wie Hohn in den Ohren der Angehörigen der Todesopfer. Und es ist gar nicht mehr nötig. Denn der Weg zur Katastrophe ist in seinem Verlauf längst deutlich geworden: Der politische Wille, ein Großereignis mit weltweiter Strahlkraft in Duisburg auszurichten, wischte alle Bedenken beiseite.

Trauer und Wut: Das Vertrauen hat der Oberbürgermeister verspielt.
Trauer und Wut: Das Vertrauen hat der Oberbürgermeister verspielt.(Foto: dpa)

Dabei geht es in erster Linie nicht um die persönliche Verantwortung Sauerlands. Duisburgs Oberbürgermeister wird sich wie Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller noch juristisch verantworten müssen. Nein, was Sauerland noch nicht begriffen hat: Er muss politisch für die organisatorische Katastrophe geradestehen. Denn ob die entscheidenden Nachlässigkeiten und Fehler bei Polizei, Ordnungsbehörden oder Stadtverwaltung liegen – Sauerland als Behördenchef ist letztlich verantwortlich. Das hat auch seine Unterschrift unter die Genehmigung der Parade am Samstagmorgen deutlich gemacht.

Schwarzer-Peter-Spiel

Sauerlands Verhalten gibt zudem einen Hinweis darauf, wie es soweit kommen konnte: Ignoranz und Fehleinschätzungen bereiteten dem Unglück seinen Weg. Ganz abgesehen davon ist sein Verhalten den Hinterbliebenen und den verletzten Besuchern gegenüber ein Schlag ins Gesicht. Sie erwarten Respekt vor den Toten und eine zügige, transparente Aufklärung der Vorgänge, die zur Katastrophe führten. Mit seinem Schwarzer-Peter-Spiel hintertreibt Sauerland aber genau das.

Und noch ein dritter Grund spricht gegen den Verbleib des Duisburger Oberbürgermeisters: Er hat sein Vertrauen verspielt. Ein Politiker, der Geltungssucht über die Sicherheit der Bevölkerung setzt, hat sich für sein Amt disqualifiziert. Wie will er künftig die Stadt repräsentieren, Veranstaltungen organisieren oder Entscheidungen durchsetzen? Das Bild des Bürgermeisters ist irreparabel beschädigt.

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Quelle: n-tv.de