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Lobeshymnen für Merkel Seehofers Umarmungstaktik

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Immer für eine Überraschung gut: Horst Seehofer.

(Foto: dpa)

Horst Seehofer verlebt ein angenehmes Wochenende. Der CSU-Parteitag in München verläuft problemlos, die Umfragewerte für seine Partei stimmen. Anders als seine Vorgänger wettert Bayerns erster Mann mal nicht gegen die Bundespolitik. Weil Kanzlerin Merkel derzeit sehr beliebt ist, stellt sich Seehofer lieber gut mit ihr.

Die CSU fühlt sich wieder im Aufwind, und ihr Vorsitzender Horst Seehofer glaubt schon, dass sein Anteil daran nicht unerheblich ist. Kraftstrotzend präsentiert sich der Ingolstädter auf dem Parteitag in München, die absolute Mehrheit bei der bayerischen Landtagswahl im Herbst 2013 fest im Blick. Die Umfragewerte, die der CSU eine Alleinregierung vorhersagen, lassen den mit allen politischen Wassern Gewaschenen zu einem Dauerlächler werden.

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Ein Herz und eine Seele? Wohl kaum. Aber jetzt ist Angela Merkel für Seehofer ein wichtiger Wahlkampfschlager.

(Foto: AP)

Anders als zu Franz Josef Strauß' Zeiten geht es in der Union schon fast harmonisch zu. Seehofers Lob für seine "große Schwester" Angela Merkel ist für seine Verhältnisse fast schon überschwänglich. Das ist nach Angaben des CSU-Chefs nicht nur richtig, sondern "goldrichtig". Dabei waren vor einigen Wochen die Bemerkungen, die aus München nach Berlin gingen, deutlich kritischer. Aber was interessiert mich mein Geschwätz von gestern, wird sich Seehofer sagen. Rauf auf den Zug und mitgefahren! Die Marke Merkel verspricht - zumindest derzeit - Erfolg, und den kann die CSU dringend gebrauchen.

Dafür vollzieht man in der Griechenland-Frage auch schon einmal eine klassische Kehrtwende. Die Hellenen sollten nicht nur in der Eurozone verbleiben dürfen, nein, sie könnten sogar mehr Zeit für die Umsetzung ihres Sparkurses bekommen, heißt es nun. Seehofer klebt den Dobrindts und Söders Pflaster auf ihre Münder. Natürlich machten sie den Schwenk auch mit, spricht der Parteichef für sie.  

Derzeit, so scheint es jedenfalls, passt zwischen der Bundeskanzlerin und dem bayerischen Ministerpräsidenten kein Blatt Papier. Aber das muss kein Dauerzustand bleiben. Kommen schlechtere Umfragezahlen, dann sind es wieder ganze Aktenordner und Seehofer wird sich über Fehler, die "die da in Berlin" fabrizieren, gewaltig aufregen. Angela Merkel, von Natur aus misstrauisch und wachsam, ist aber darauf eingestellt. Sie kennt Seehofer schon seit Jahren und hat  - erinnert sei an den Streit um die Kopfpauschale in der gesetzlichen Krankenversicherung - so manchen Strauß mit ihm ausgefochten.

Seehofer und seine CSU wollen Bayern wieder ganz für sich haben. Die derzeitige Koalition mit der FDP ist für sie ein Betriebsunfall. Nicht anders sind die Ratschläge des CSU-Chefs an seinen FDP-Kollegen Philipp Rösler, wie er seinen desolaten liberalen Laden in Ordnung bringen könnte, zu verstehen. Natürlich meint es Seehofer nicht nur gut mit der FDP. In Berlin soll sie weiter mit der Union mitregieren, aber bitteschön nicht in München. Seehofer braucht allerdings die Liberalen, will er das CSU-Prestigeprojekt Herdprämie durchsetzen. .

In einer Frage wird Bayerns erster Mann konkret: Bis 2018 will er dem Freistaat als Ministerpräsident dienen. Schafft die CSU 2013 wieder die Alleinregierung, dann löst Seehofer sein Versprechen vielleicht ein, und Ilse Aigner müsste länger warten. Sein politisches Gewicht würde größer, und das ist natürlich verführerisch. Spätestens dann dürften aber die Lobeshymnen für die "liebe Angela" wieder spärlicher ausfallen. Bei einem Horst Seehofer ist nämlich nichts beständiger als die Unbeständigkeit.

Quelle: ntv.de

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