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Geben statt nehmen Trump lässt Kim gewinnen

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un darf zufrieden sein: Der US-Präsident zollt ihm Respekt und stellt die amerikanische Militärpräsenz in Südkorea infrage. Donald Trump fliegt dagegen nur mit vagen Ankündigungen nach Hause.

Für Kim Jong Un war das Treffen mit Donald Trump ein voller Erfolg. Ob das auch umgekehrt gilt, muss sich erst noch zeigen.

Selbst wenn - wie so häufig - aus optimistischen Ankündigungen nichts wird, hat Nordkoreas Machthaber etwas bekommen, was noch vor kurzer Zeit undenkbar schien: Ein US-Präsident trifft ihn auf Augenhöhe und legitimiert Nordkoreas Unrechtsregime. Und all das hat Kim erreicht, ohne dafür etwas Nennenswertes zu geben.

Trump fliegt mit dem vagen Bekenntnis Kims nach Hause, unter Umständen auf Atomwaffen zu verzichten. Das hatte er auch schon vor sieben Wochen bei seinem Treffen mit Südkoreas Staatschef Moon angekündigt, ein Fortschritt ist das also nicht. Einen Zeitplan gibt es auch nicht, konkrete Schritte wurden offenbar nicht verabredet.

Das heißt natürlich nicht, dass es schlecht ist, wenn beide Seiten miteinander reden. Im Gegenteil. Und vielleicht gelingt es Trump tatsächlich, für atomare Abrüstung und dauerhaften Frieden auf der koreanischen Halbinsel zu sorgen. Dann gebührt diesem Präsidenten allergrößte Anerkennung. Doch so weit ist es noch nicht.

Unabhängig davon, ob beide Seiten hinter verschlossenen Türen möglicherweise Absprachen getroffen haben: Nordkorea hatte in den vergangenen Jahren nach Gesprächen mit US-Regierungsvertretern mehrfach die Denuklearisierung in Aussicht gestellt und ging dabei immer weiter als heute. So kündigte das Land etwa an, Atominspektoren ins Land zu lassen oder den Atomwaffensperrvertrag zu unterzeichnen. Ein Ende der nuklearen Aufrüstung bedeutete das nie.

Natürlich nicht. Denn Atomwaffen sind die Lebensversicherung des Regimes. Es kann deshalb nicht auf sie verzichten. Daran ändern auch die von den USA in Aussicht gestellten Sicherheitsgarantien nichts. Trump demonstriert gerade unmissverständlich, wie egal ihm eingegangene Verpflichtungen sind. Im vergangenen Jahr hatte er Nordkorea noch mit der "totalen Vernichtung" gedroht. Und nun soll die nordkoreanische Führung ihm vertrauen und ihre Atomwaffen verschrotten?

Während die USA unter Trump völlig neu agieren, handelt Nordkorea wie immer: Die Regierung eskaliert die Lage und lässt sich für die Rückkehr zum Status quo von den USA mit Zugeständnissen belohnen. Einen solchen Preis wie Trump hat allerdings noch kein US-Präsident bezahlt.

Nicht nur, dass Trump Kim öffentlich Respekt zollt - und Nordkorea sich in Schweigen hüllt. Trump bezeichnet die gemeinsamen Militärmanöver mit Südkorea als "provokativ" und als teure "Kriegsspiele" und kündigt deren Ende an. Zudem stellt er sogar den Abzug der US-Truppen aus Südkorea in Aussicht.

Außerdem sind für Trump die systematischen Menschenrechtsverletzungen in dem Land nur noch Nebensache. In den Lagern Nordkoreas leiden Zehntausende unter unvorstellbar grausamen Bedingungen, vor vier Jahren veröffentlichten die Vereinten Nationen einen erschütternden Bericht. Und der US-Student Otto Warmbier starb nach 17 Monaten Gefangenschaft in Nordkorea. "Es ist hart dort", sagt Trump nun lediglich. "Anderswo ist es auch hart."

Bisher hat Trump Kim viel gegeben - und wenig dafür bekommen.

Quelle: n-tv.de

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