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Baden-WürttembergSchüsse, Brände, Korruption- worum geht's beim Tamm-Prozess?

13.04.2026, 04:02 Uhr
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Es soll als Streit zwischen zwei Security-Firmen begonnen haben und zum Korruptionsskandal in der Staatsanwaltschaft Stuttgart geworden sein. Richter in Heilbronn versuchen nun, Antworten zu finden.

Heilbronn (dpa/lsw) - Nach Schüssen auf den Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes in Tamm beginnt vor Gericht der erste große Prozess um den mutmaßlichen Streit zwischen zwei konkurrierenden Security-Firmen. Auf der Anklagebank des Heilbronner Landgerichts sitzen von heute an (13.00 Uhr) die beiden mutmaßlichen Schützen - und nicht nur die Ermittler erhoffen sich Antworten auf einige der vielen offenen Fragen. Auch in der Politik dürfte die Verhandlung aufmerksam verfolgt werden.

Denn die Schüsse im Kreis Ludwigsburg und mehrere Brandanschläge sind eng verbunden mit Korruptionsvorwürfen in der Staatsanwaltschaft Stuttgart und weiteren bereits laufenden Ermittlungen. Mehrere Menschen wurden schon verhaftet und Anklagen erhoben.

Was ist in Tamm passiert?

Nach den Ermittlungen der Sonderkommission "Frost" könnten die mutmaßlichen Täter von Tamm im Auftrag anderer geschossen haben. Die Männer aus den Niederlanden, die zum Tatzeitpunkt vor etwa einem Jahr 26 und 27 Jahre alt waren, sind wegen gemeinschaftlichen versuchten Mordes angeklagt. Mehrfach sollen sie auf ihr Opfer gefeuert und es dabei lebensgefährlich verletzt haben.

Schon am Abend vor der Tat sollen sie nach Angaben der Staatsanwaltschaft ihrem damals 23 Jahre alten Opfer aufgelauert und versucht haben, es zu erschießen - die Waffe hatte aber laut Anklage Ladehemmung.

Sind die Schüsse Teil eines Bandenkriegs?

Nicht ausgeschlossen ist, dass die Schüsse von Tamm zu einer ganzen Reihe von Taten gehören. Denn die Ermittlungskommission "Frost" - benannt nach der Kreuzung Friedrich-/Oststraße, wo die ersten Schüsse fielen - versucht nicht nur, bei dem Anschlag auf den Security-Mann Licht ins Dunkel zu bringen. Sie ermittelt auch nach einem Autobrand in Bietigheim-Bissingen, Schüssen in Ludwigsburg eine Woche davor und weiteren Straftaten in diesem Komplex.

Im Zuge der Ermittlungen zu den Vorfällen war schließlich sogar ein Korruptionsskandal in der Justiz aufgedeckt worden. Im November ließ die Staatsanwaltschaft Heilbronn Büros ihrer Kollegen in Stuttgart durchsuchen. Mitte Mai wurde Anklage gegen zwei Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft - einen Wachtmeister und eine "Bedienstete im Unterstützungsbereich" - und drei weitere Verdächtige erhoben. In diesem Zusammenhang müssen sich unter anderem die mutmaßlichen Auftraggeber wegen Anstiftung zur Verletzung von Dienstgeheimnissen sowie Bestechung verantworten.

Bestechungsvorwürfe könnten mit Schüssen zusammenhängen

Laut Staatsanwaltschaft könnten sie auch die Männer sein, die zu den Schüssen in Tamm angestiftet haben. Das Landgericht in Stuttgart muss nach eigenen Angaben von Freitag noch entscheiden, ob es die Fälle verhandelt.

Quelle: dpa

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