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Baden-WürttembergBlutige Gewaltserie: Was das letzte große Urteil bedeutet

08.05.2026, 13:03 Uhr
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(Foto: Marius Bulling/dpa)

Nach Jahren der Gewaltserie fällt in Stuttgart das vorerst letzte große Urteil: Ein 26-Jähriger soll versucht haben, einen Mann in einem Imbiss zu erschießen. Das Gericht ist in seiner Kritik scharf.

Stuttgart (dpa/lsw) - Mit einem Schuss in den Bauch hat ein Mann Anfang 2025 einen Rivalen in einem Stuttgarter Imbiss lebensgefährlich verletzt. Das Landgericht Stuttgart verurteilte den 26-Jährigen nun wegen versuchten Mordes zu sieben Jahren und neun Monaten Haft – im letzten laufenden Prozess um die seit Jahren dauernde Gewaltserie rivalisierender Gruppierungen im Raum Stuttgart.

Das Gericht zeigte sich überzeugt, dass der Angeklagte gezielt auf den Mann im Stadtteil Möhringen geschossen hatte. Die Vorsitzende Richterin kritisierte, dass beide Seiten die Ermittlungen erschwert hätten: Sowohl der Angeklagte als auch das Opfer hätten aufgrund eines "merkwürdigen Ehrgefühls" teils nicht mit den Behörden zusammengearbeitet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

"Kein Zweifel" an der Täterschaft des Angeklagten

An der Täterschaft des Angeklagten habe das Gericht "keinen Zweifel", sagte die Vorsitzende. Der Mann habe den Vorwurf zwar bestritten. Dies sei aber eine Schutzbehauptung gewesen.

Das damals 27 Jahre alte Opfer war bei dem Angriff schwer verletzt worden. Nach früheren Angaben der Ermittler soll der Angeklagte mit einer vollautomatischen Schusswaffe aus wenigen Metern Distanz auf den Mann gefeuert haben. Nur wegen einer Ladehemmung der Waffe seien wohl weitere Schüsse ausgeblieben.

Fehde tobt seit mehr als drei Jahren

Die Fehde zwischen den rivalisierenden Gruppen beschäftigt Polizei und Justiz in Stuttgart und der Region seit Mitte 2022. Immer wieder gab es Schüsse, Messerangriffe und andere Gewalttaten. Als trauriger Höhepunkt der Eskalation gilt ein Handgranatenanschlag auf eine Trauergemeinde in Altbach im Kreis Esslingen im Juni 2023.

Nach früheren Angaben des Landeskriminalamts handelt es sich bei den Gruppierungen nicht um klassische Familienclans, sondern um ein neues von Kriminalität geprägtes Milieu mit territorialen Machtansprüchen. Mehr als 90 Verdächtige wurden im Kontext der Gewaltserie bereits festgenommen, zahlreiche Waffen sichergestellt. Einzelne Beteiligte wurden schon zu teils langen Haftstrafen verurteilt.

Quelle: dpa

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