Baden-WürttembergEin Stadtrat will Kommunalpolitik wieder cool machen

Nur wenige junge Menschen sitzen in Gemeinderäten. Ein junger Stadtrat versucht das seit einiger Zeit zu ändern – auch mit Hilfe von Social Media.
Tübingen/Kehl (dpa/lsw) - Junge Stimmen bleiben in den Gemeinderäten im Südwesten oft außen vor - sie sind in der Kommunalpolitik unterrepräsentiert. Laut den aktuellsten Zahlen der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl (Stand 2022) sind nur knapp zwei Prozent der Stadt- und Gemeinderäte im Südwesten unter 25 Jahre alt. Etwa 60 Prozent der Gemeinderäte in Baden-Württemberg sind dagegen älter als 55 Jahre.
Das ist laut Professor Jürgen Fleckenstein von der Hochschule Kehl problematisch, denn junge Menschen könnten mit ihren Interessen nicht oder nicht ausreichend wahrgenommen werden, wenn die anderen Ratsmitglieder sie nicht mitdenken. Fleckenstein stellt aber auch fest: "Generell sind immer weniger Menschen bereit, sich zu engagieren." Insbesondere in kleineren Gemeinden werde es immer schwieriger, Kandidaten zu finden, deshalb könnten mancherorts gar nicht mehr alle Gemeinderatssitze oder Sitze in den Ortschaftsräten besetzt werden.
Stadtrat will Kommunalpolitik wieder cool machen
Benedikt Döllmann steht diesen Zahlen entgegen. Er ist seit seinem 18. Lebensjahr Stadtrat in Tübingen. Hier setzt der jetzt 20-Jährige sich für junge Menschen und die Bürger von Tübingen sowie sein Herzensprojekt, den Klimaschutz, ein. Einigen dürfte er auch als eine Art Kommunalpolitik-Influencer bekannt sein. Auf Instagram und Tiktok berichtet er mehr als 50.000 Menschen von seinem Alltag als Stadtrat und erklärt auch immer wieder, wie Kommunalpolitik allgemein funktioniert. Seine Mission, wie er sagt: Kommunalpolitik wieder cool machen.
Und es scheint zu funktionieren: Es würden ihm immer wieder Menschen schreiben, die sich wegen seines Contents entschlossen hätten, sich zu engagieren, erzählt Döllmann.