Baden-WürttembergNach Tiefpunkt für Tennis-Frauen: Siegemund hofft auf "Show"

Eisbeutel am Rücken, Kämpferherz auf dem Tennisplatz: Wie Laura Siegemund mit 38 Jahren gegen die Weltspitze antritt. Das deutsche Frauen-Tennis musste ohne sie auskommen - und scheiterte blamabel.
Stuttgart (dpa/lsw) - Den Eisbeutel klemmt sich Laura Siegemund am Rücken in den Hosenbund. An die Regeneration denkt sie im reifen Tennis-Alter von 38 Jahren auch, als sie nach ihrem hart erkämpften Auftaktsieg beim WTA-Turnier in Stuttgart ihre Interview-Pflichten erfüllt. Körperlich werde die Karriere immer herausfordernder und sei mit mehr Schmerzen verbunden. Spielerisch habe sie sich im Vergleich zu früheren Jahren verbessert, sagte sie.
Das möchte die variabel agierende Schwäbin in ihrem Achtelfinale gegen die sechsmalige Grand-Slam-Siegerin und 14 Jahre jüngere Iga Swiatek beweisen. "Ich hoffe, ich kann ein bisschen eine Show abliefern", sagte Siegemund. Sie habe gegen eine solch großartige Spielerin "absolut nichts zu verlieren".
Ohne Siegemund erlebt Frauen-Tennis das nächste Tief
Im Gegensatz dazu hatte der Deutsche Tennis Bund viel zu verlieren, als in der vergangenen Woche die Relegation im Billie Jean King Cup anstand. Siegemund war nicht dabei, als der Niedergang des deutschen Frauen-Tennis mit dem Absturz in die Drittklassigkeit am nächsten Tiefpunkt ankam. Dass Siegemund in Stuttgart als momentan beste deutsche Tennisspielerin auftritt, zeigt das Dilemma. Für die unerfahrene, junge Auswahl reichte es im portugiesischen Oeiras bei Lissabon selbst gegen zweitklassige Gegnerinnen nicht.
"Es wäre vielleicht nicht schlecht gewesen, die jungen Leute ein bisschen früher mit reinzuholen", sagte Siegemund. "Das ist in der Vergangenheit, glaube ich, zu wenig passiert. Da hat man sich zu viel darauf verlassen, dass die aus der älteren Generation die Punkte holen."
Siegemund kurierte in der vergangenen Woche Oberschenkelprobleme aus. Die letztjährige Wimbledon-Viertelfinalistin wollte für die Sandplatz-Saison und das Heimturnier gewappnet sein. Aus 2025 schleppte sie Rückenprobleme mit ins neue Jahr. Ihre Einsätze wägt sie mittlerweile mehr ab.
Siegemund-Gegnerin greift mit Tipps von Nadal neu an
In Stuttgart tritt sie im Einzel und Doppel an. Insbesondere auch als Doppelspezialistin hätte sie dem deutschen Tennis in der Relegation helfen können. Wie sie Druck standhält, wenn es spielerisch nicht läuft wie gewünscht, bewies sie zum Auftakt beim 4:6, 7:6 (7:4), 6:1 gegen die bulgarische Außenseiterin Viktoriya Tomowa. Auch Favoritinnen hat sie mit ihrem Stil schon frustriert, in zwei Matches gegen Swiatek blieb sie aber bisher chancenlos.
Die Polin steht nach einer etwas schwächeren Phase und einem Trainerwechsel vor einem Neuanfang mit dem langjährigen Nadal-Weggefährten Francisco Roig und holte sich bei Trainingstagen auf Mallorca Tipps vom zurückgetretenen spanischen Weltstar Rafael Nadal. "Ich habe ihn gefragt, ob er vorbeikommen und mich ein wenig inspirieren könnte", erzählte Swiatek. "Es war wirklich ein Privileg, ihn auf dem Platz zu haben."
Siegemund weiß, wie kompliziert die Aufgabe gegen die auf Weltranglistenplatz vier abgerutschte Polin ist. "Man muss sehr, sehr offensiv spielen und sehr früh das Zepter übernehmen", erklärte die Nummer 51 der Tennis-Welt. "Wenn man einmal in der Defensive ist, kommt man normal nicht mehr raus. Ich muss meine Variabilität hereinbringen, natürlich sehr gut aufschlagen, returnieren und den ersten Ball gut spielen. Da gehört schon bisschen mehr dazu". Selbst ein Coup kann den Niedergang des deutschen Frauen-Tennis aber nicht vergessen machen.