Baden-WürttembergSüdwest-Industrie blickt skeptischer auf Auslandsgeschäft

Pessimismus im Südwesten: Ein Viertel der Industriebetriebe erwartet schlechtere Auslandsgeschäfte. Welche Rolle Zölle, Unsicherheit und fehlende Entlastungen spielen.
Stuttgart (dpa/lsw) - Mehr Unternehmen als noch zum Jahresauftakt rechnen einer Umfrage zufolge damit, dass sich ihre Geschäfte im Ausland in den kommenden zwölf Monaten verschlechtern werden. So stieg der Anteil der Betriebe mit pessimistischen Erwartungen von knapp 20 auf rund 25 Prozent, wie aus einer Umfrage des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages (BWIHK) in Stuttgart hervorgeht.
Gleichzeitig nahm der Anteil der Unternehmen mit positiven Exportaussichten lediglich um 2 Prozentpunkte auf rund 30 Prozent zu. Insgesamt überwiegen optimistische Einschätzungen damit nur noch leicht.
An der Befragung nahmen 1.200 Industriebetriebe aller Größen und Branchen aus Baden-Württemberg teil. Die Daten wurden zwischen dem 13. April und 4. Mai erhoben.
BWIHK-Vizepräsident Claus Paal sagte, die Zahlen zeigten klar, dass die positive Grundtendenz vom Jahresbeginn sich spürbar abgeschwächt habe. "Handelskonflikte, geopolitische Risiken und steigende Kosten sorgen für erhebliche Unsicherheit in den Unternehmen."
Das globale Umfeld für die Südwest-Industrie werde zunehmend schwieriger. "Umso wichtiger ist es, dass die Politik vom Reden ins Machen kommt. Wir brauchen wirtschaftspolitische Impulse, die die Unternehmen entlasten." Handelsabkommen seien heute wichtiger als je zuvor.
Handelskonflikt mit den USA belastet weiter
Vor allem der Zollstreit zwischen den USA und Europa belastet die exportabhängige Wirtschaft im Land. Zwar rechnen laut Umfrage rund 31 Prozent der Unternehmen mit steigenden Exporten in die Vereinigten Staaten, nahezu ebenso viele erwarten jedoch einen Rückgang.
Paal sagte, die Zollpolitik der USA sorge weiterhin für erhebliche Verunsicherung. Die Unternehmen bräuchten Planbarkeit statt kurzfristiger handelspolitischer Richtungswechsel. "Die Diskussion um Zölle zeigt einmal mehr, wie wichtig offene Märkte und internationale Handelsabkommen für unseren Wirtschaftsstandort sind. Der EU-US-Handelsdeal ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung."
Die US-Zölle wurden zwar im Februar 2026 vom Obersten Gerichtshof für rechtswidrig erklärt, jedoch unmittelbar durch neue befristete Ersatzzölle ersetzt. Für die baden-württembergische Wirtschaft bleiben die Belastungen damit bestehen.
Auf Basis der Südwestausfuhren wird das potenzielle Erstattungsvolumen der aufgehobenen Zölle auf rund 2,35 Milliarden Euro geschätzt – direkte Entlastungen für die Unternehmen im Südwesten ergeben sich daraus jedoch nicht, da mögliche Rückzahlungen hauptsächlich US-Importeuren zugutekommen, wie der BWIHK mitteilte.