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Baden-WürttembergVerbrannte Erde - Dürre bringt Bauernhöfe in Existenznöte

24.08.2026, 14:29 Uhr
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Kleine Kartoffeln, leere Wiesen: Die Dürre drückt die Erträge. Was das für Verbraucher heißt und was die Bauern jetzt brauchen.

Remseck (dpa/lsw) - Wenn Werner Escher in die Holzkiste greift, fasst er mit einer Hand drei bis vier Kartoffeln auf einmal. In guten Jahren liegt dort nur ein großes Exemplar, wo nun mehrere Platz finden. Anhaltende Hitze und Trockenheit drücken seine Erträge.

"Die kleinen Kartoffeln nimmt ja niemand, das werden Drillinge", sagt Escher. "Übergrößen für die Gastronomie oder den Metzger haben wir gar nicht dabei." Dabei sind Kartoffeln die Haupteinnahmequelle seines Hofs in Remseck zwischen Stuttgart und Ludwigsburg.

"Dürre trifft mit voller Wucht"

Was bei Escher in der Kiste liegt, steht stellvertretend für die Probleme vieler Höfe im Südwesten. Wochenlange Trockenheit und Hitze haben die Böden ausgetrocknet, Regen kam für viele Kulturen zu spät. "Zehn Zentimeter Niederschläge - da ist es weiter unten im Boden noch knochentrocken", sagt Joachim Rukwied bei der Ernte-Pressekonferenz des Landesbauernverbands Baden-Württemberg (LBV) in Remseck.

"Die Dürre trifft unsere Landwirtschaft mit voller Wucht", sagt der LBV-Präsident. Auf vielen Betrieben fehle seit Monaten das Wasser. Häufigere Wetterextreme, hohe Kosten und niedrige Preise setzten auch gut aufgestellte Höfe unter Druck. Einige kämpften um ihre Existenz, wenn das Wetter sich nicht ändere.

Rückgänge bis zu 19 Prozent

Was in den Kisten und auf den Feldern fehlt, lässt sich auch in Zahlen messen. Beim Winterweizen wurden durchschnittlich 67,2 Dezitonnen je Hektar geerntet - 8,2 Prozent weniger als im Mittel der vergangenen sechs Ernten. Wintergerste kam mit 70 Dezitonnen je Hektar vergleichsweise glimpflich durch das Jahr und lag 1,3 Prozent über dem Schnitt.

Bei Sommergerste, Raps und Hafer lagen die Erträge bei 49,6, 35,7 und 38,9 Dezitonnen je Hektar - Rückgänge zwischen 9,7 und 19,4 Prozent. Insgesamt erwartet der LBV 2,57 Millionen Tonnen Getreide.

Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben konnten sich wegen des Wassermangels nicht ausreichend entwickeln. Bei der Zuckerrübe zeichnet sich eine sehr schwache Ernte ab. Mais werde teils vorzeitig gehäckselt, obwohl Futtermenge und Qualität nicht ausreichten, sagte Rukwied.

Futter knapp, Preise hoch

Heu, Öhmd und Stroh sind knapp und teils rund 50 Prozent teurer als im Vorjahr. Auf Wiesen und Weiden wächst seit dem zweiten Schnitt kaum noch Futter nach - der dritte und vierte Schnitt fielen teilweise vollständig aus. Landesweit fehlen nach LBV-Angaben mindestens 30 bis 40 Prozent Futter, örtlich bis zu 50 Prozent.

"Für unsere tierhaltenden Betriebe geht es längst nicht mehr nur um eine schlechte Ernte. Es geht um die Frage, wie sie ihre Tiere durch den Winter bekommen", sagt Rukwied. Viele Höfe verfüttern bereits Winterreserven, einige bringen Tiere früher zur Schlachtung.

Forderungen an Bund und Land

Die Eschers und andere Bauern schauen nun auch hilfesuchend nach Stuttgart und Berlin. Hilfreich seien die vom Land angekündigten Futtermittelhilfen, die Unterstützung von Transportkosten sowie mehr Spielraum bei Öko-Regelungen und Futtergewinnung, sagte Rukwied. Nun müsse auch der Bund ein Sofortprogramm auflegen.

Der Verband fordert, die Düngemittelhilfen auf 180 Millionen Euro aufzustocken, 80 Prozent der Direktzahlungen bereits im Oktober und den Rest im Dezember auszuzahlen sowie die Dieselsteuer zu senken. Zusätzlich verlangt er Zinszuschüsse für Liquiditätsdarlehen und die Aussetzung von Steuervorauszahlungen.

Versicherung und Bewässerung gefordert

Langfristig fordert der LBV eine Mehrgefahrenversicherung, die auch Trockenheit abdeckt. Investitionen in Klimaanpassung - etwa Bewässerungsanlagen - sollen besser gefördert werden. Forschung, Innovation und moderne Züchtungstechnologien könnten die Landwirtschaft auf häufigere Wetterextreme vorbereiten.

"Wir geben nicht auf"

Viele Forderungen für schwere Zeiten. Aber aufgeben? Für die Familie Escher kommt das nicht infrage. "Ich mache das seit mehr als 40 Jahren - aber so etwas wie dieses Jahr habe ich noch nicht erlebt", sagt Werner Escher zwar. Bei Kartoffeln gebe es Ertragseinbußen von 50 bis 60 Prozent, bei den Weihnachtsbäumen sei mehr als jeder zweite junge Baum eingegangen. "Aber wir pflanzen mit der Hand nach, wir geben nicht auf."

Auch Tochter Sarah Escher-Gauß will sich die Leidenschaft für den Job nicht nehmen lassen. "Es gehört Mut dazu und es ist nicht alles rosarot", sagt sie. "Aber die Arbeit erfüllt einen, wenn man der Typ dafür ist."

Quelle: dpa

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