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Bayern Berufungsprozess gegen Ordensschwester wegen Kirchenasyls

Die Ordensschwester Ordensschwester sitzt vor Prozessbeginn im Anfang Juni im Amtsgericht Würzburg.

(Foto: Nicolas Armer/dpa/Archivbild)

Notanker Kirchenasyl: Wenn Flüchtlingen die Abschiebung droht, öffnen Christen manchmal ihre Türen. Doch wer etwa in einem Kloster unterkommt, ist damit nicht automatisch sicher. Und wer Unterschlupf gewährt, kann auch vor Gericht landen.

Würzburg (dpa/lby) - Mehr als ein Jahr nach der Verurteilung einer Ordensschwester wegen der Gewährung von Kirchenasyl in Unterfranken beginnt am 14. Juli die Berufungsverhandlung. Sowohl die Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft hatten gegen das Urteil des Amtsgerichts Würzburg vom Juni 2021 Rechtsmittel eingelegt - nun wird der Fall vor dem Landgericht neu aufgerollt, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Es ist nur ein Verhandlungstag angesetzt. Womöglich fällt gleich ein Urteil. Gegen diese Entscheidung wäre Revision zum Bayerischen Obersten Landesgericht möglich.

Das Amtsgericht hatte gegen die 39-Jährige eine sogenannte Verwarnung mit Strafvorbehalt ausgesprochen. Als Auflage soll die Schwester 500 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen. Sollte sie in den nächsten zwei Jahren weiteres Kirchenasyl gewähren oder eine andere Straftat begehen, drohen ihr zusätzliche 600 Euro Geldstrafe und ein neues Strafverfahren - so das Urteil.

Die Anklage will statt einer Verwarnung eine höhere Strafe für die Frau erreichen, etwa eine Geldstrafe. Die Verteidigung ziele auf einen Freispruch, wie der Anwalt der Angeklagten sagte.

Die Menschenrechtsbeauftragte des Klosters Oberzell bei Würzburg hatte zwei geflüchteten Frauen Kirchenasyl gewährt, um sie nach eigenen Angaben vor Zwangsprostitution und Menschenhandel zu bewahren. Weil sie einen Strafbefehl nicht akzeptierte und Einspruch einlegte, kam es zum Prozess. Die Ordensschwester berief sich vor dem Amtsgericht auf ihr Gewissen und ihren Glauben.

Die Verwarnung mit Strafvorbehalt bezieht sich nur auf einen der beiden vorgeworfenen Fälle. Der andere Fall war auf Antrag der Staatsanwaltschaft wegen offener Fragen vorläufig eingestellt worden.

Im Februar hatte das Bayerische Oberste Landesgericht in Bamberg in einer Aufsehen erregenden Entscheidung den Freispruch eines Mönchs der Benediktinerabtei Münsterschwarzach (Landkreis Kitzingen) bestätigt, der einen Flüchtling im Kirchenasyl vor der Abschiebung bewahrt hatte.

Quelle: dpa

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