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Bayern Forschungsreaktor läuft wieder: Brennelemente umgeladen

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Der Forschungsreaktor in Garching läuft nach zehnmonatiger Pause wieder - Wissenschaftler atmen auf. Gegner sähen es lieber, wenn der mit hochangereicherten Uran betriebene Reaktor dauerhaft stillstünde.

München (dpa/lby) - Der Forschungsreaktor FRM II in Garching bei München ist nach zehnmonatigem Stillstand wieder angefahren. Der Reaktor liefere seit Dienstag den Nutzern aus Wissenschaft, Industrie und Medizin wieder Neutronen, teilte die Technische Universität München (TUM) am Mittwoch mit. Der FRM II gilt als eine der leistungsstärksten Neutronenquellen weltweit. Er ist wegen der Nutzung hochangereicherten Urans umstritten. Laut TUM ist dieses unabdingbar für diverse medizinische Anwendungen, aber auch in der Forschung. Atomgegner sprechen von waffenfähigem Material. Umweltschützer und Grüne halten den Betrieb für illegal und fordern die komplette Abschaltung.

Grund für den zeitweisen Stillstand waren Probleme beim Transport neuer Brennelemente aus Frankreich. Den früheren Weg mittels eines deutschen Sicherheitsfahrzeugs auf französischem Gebiet habe die französische Seite nicht mehr akzeptiert, heißt es in einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Bericht des bayerischen Wissenschaftsministeriums zum außerplanmäßigen Stillstand des FRM II an den Landtag. Im Dezember 2019 konnten vier Brennelemente geliefert werden. In Abstimmung zwischen dem Transportunternehmen und den zuständigen Bundesbehörden sei dafür ein Transportszenario entwickelt worden, das eine grenznahe Umladung beinhaltete, heißt es in dem Bericht.

"Einen dubioseren Umgang mit Atombombenmaterial kann man sich wohl kaum vorstellen", kritisierte dagegen der grüne Landtagsabgeordnete Markus Büchler. "Welche Gesetze und Vorschriften wurden zurechtgebogen, nur um den Atomreaktor wieder anfahren zu können? In welcher finsteren Ecke wurde das gefährliche Material heimlich bei Nacht und Nebel herumjongliert?" Dem Vernehmen nach soll die Umladung auf deutscher Seite in einer Kaserne stattgefunden haben.

Die Sprecherin der TUM für den FRM II, Anke Görg, sagte, es habe sich um einen nach deutschen Gesetzen dafür zugelassenen Ort gehandelt. Zahlreiche Wissenschaftler seien von dem Stillstand betroffen gewesen. Forscher hätten ihre Experimente verschieben müssen. Zudem habe sich die Versorgungslage bei bestimmten Radiopharmaka zur Behandlung von Krebs verschärft. "Der Schaden des Stillstands für die wissenschaftliche Nutzung des FRM II ist immens", heißt es auch in dem von Wissenschaftsminister Bernd Sibler unterzeichneten Bericht. Schwer wiege vor allem der Vertrauensverlust in die Verfügbarkeit der Neutronenquelle.

Die vier neuen Brennelemente stellen nun den Betrieb für dieses Jahr sicher. Das Material stamme unter anderem aus Russland und werde in Frankreich zu speziellen Brennstoffplatten eigens für den FRM II verarbeitet, sagte Sprecherin Görg. Früher seien für die Brennelemente abgerüstete Atomwaffen genutzt worden. Was derzeit für die Brennelemente verwendet wird, konnte Görg nicht sagen.

Der Grünen-Abgeordnete Büchler verwies auf Gerüchte, dass in Russland eine neue Anreicherungsanlage gebaut wurde, um hoch angereichertes Uran auch für den Garchinger Reaktor herzustellen. "Damit wird die Neuproduktion von Atombombenmaterial massiv angeheizt - in unseren Augen grob unverantwortlich und gefährlich."

Ende des Jahres wird möglicherweise erstmals seit der Inbetriebnahme des FRM II ein Transport mit abgebrannten Brennelementen ins Zwischenlager Ahaus rollen. Das Abklingbecken in Garching bietet Platz für 50 Brennelemente, 46 lagern bereits. Derzeit läuft der 47. Zyklus. Ein Termin für den Castortransort, der mangels Schienenanbindung auf der Straße stattfinden muss, ist aber offen.

Forschungsreaktor FRM II

Zwischenlager Ahaus

Mitteilung TUM zu FRM II

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