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BayernKultur-Großprojekte in Bayern – Pläne, Kosten, Zeitdruck

06.01.2026, 05:03 Uhr
Die-Festung-wird-umfassend-saniert

Von explodierenden Baukosten bis zum Ufo-Glasbau am Flughafen: Welche Visionen und Probleme große Kulturprojekte in Bayern begleiten.

München (dpa/lby) - Die Liste reicht vom Nationaltheater bis hin zum Friedrichsforum Bayreuth - ein Überblick über Großbaustellen der bayerischen Kulturszene.

Konzerthaus München

Ein Konzept für das neue Konzerthaus in München - gab es das nicht schon mal? Tatsächlich präsentierte die Staatsregierung 2017 ihre Pläne für den Prestigebau, doch dann geriet alles ins Stocken. Die geschätzten Kosten explodierten auf rund eine Milliarde Euro und angesichts knapper öffentlicher Kassen wurde das Vorhaben eingedampft. Aus dem Haus wurde ein Saal, als Heimat für das weltweit renommierte Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Simon Rattle. Kunstminister Markus Blume (CSU) versichert aber: "Der Freistaat steht zum Konzertsaal". Das Ziel: eine vielfältig nutzbare Räumlichkeit mit digitalen Möglichkeiten für Konzerte ebenso wie für Opern oder Ballett. "Anfang 2026 wollen wir ein Konzept dazu vorstellen", kündigte Blume an. Und wann soll alles fertig sein? Das sei bis Mitte der 2030er-Jahre vorgesehen, so ein Sprecher.

Bayerische Staatsoper und Residenztheater

Das Nationaltheater in München ist in die Jahre gekommen - kein Wunder nach mehr als 200 Jahren. Dieses Jahr wurden die drängendsten Probleme angegangen, um den Betrieb zu sichern. Die Mammutaufgabe der eigentlichen Modernisierung steht noch bevor. Was da alles auf den Freistaat zukommt, soll eine Machbarkeitsstudie aufzeigen, die in Auftrag gegeben wurde. Das Ergebnis könnte in zwei Jahren vorliegen, hofft Blume. Dabei geht es auch um das benachbarte Residenztheater, das ebenso sanierungsbedürftig ist. Eine wichtige Rolle spielt bei der Planung auch die Suche nach einer Interimsspielstätte, damit die Oper weiter spielen kann.

Kulturzentrum Gasteig

Seit Jahren steht die Sanierung des Kulturzentrums Gasteig an, das über dem Isarufer thront. Schon 2021 zogen die dort beheimateten Kulturinstitutionen in das Interimsquartier HP8 und die Isarphilharmonie. Seitdem stockt es. Der Grund: die auf geschätzt 710 Millionen Euro gestiegenen Kosten und die mühsame Suche nach einem Investor. Stattdessen genehmigte die Stadt eine Zwischennutzung. So zog im November die Lach- und Schießgesellschaft ein. Doch das könnte in einigen Monaten vorbei sein. Der kommunale Dienstleister Münchner Raumentwicklungsgesellschaft (MRG) übernimmt die Finanzierung und will Anfang 2027 mit der Schadstoffsanierung beginnen. 2029 sei geplant, mit der Generalsanierung zu starten, berichtete die MRG, die dafür gerade einen Totalunternehmer sucht.

Munich Arena

Eine riesige Konzerthalle für rund 20.000 Menschen mit moderner Akustik und Technik soll in der Nähe des Münchner Flughafens entstehen. Zum Vergleich: die Olympiahalle fasst rund 15.000 Zuschauerinnen und Zuschauer. 2029 soll die Munich Arena als Multifunktionshalle eröffnen. Auch der Konzertveranstalter Live Nation ist Partner. Computergenerierte Fotos zeigen einen Glasbau, der einem Ufo ähnelt und in eine parkähnliche Umgebung mit verschlungenen Wegen, Wiesenflächen, Blumenbeeten und Bäumen eingebettet ist.

Römermuseum Augsburg

Auf dem Gelände des ehemaligen Augsburger Gefängnisses soll mit Unterstützung des Freistaates bis 2033 ein neues Römermuseum entstehen. Die Kosten sollen bei 60 Millionen Euro gedeckelt werden. Bis 2012 gab es bereits ein Römermuseum in der Dominikanerkirche, das aber wegen baulicher Probleme in dem historischen Gebäude geschlossen werden musste. Seitdem wurde immer wieder kritisiert, dass die Stadt ihr römisches Erbe nicht angemessen präsentiere. Augsburg ist mehr als 2.000 Jahre alt und war einst Hauptstadt der römischen Provinz Raetien. Archäologen machen hier deshalb immer wieder Entdeckungen aus der Römerzeit.

Festung Marienberg in Würzburg

Auf der Festung wird gebaut - und das ist an dem großen Gerüst rund um das Wahrzeichen der Mainstadt weithin sichtbar. Nach Angaben der bayerischen Schlösserverwaltung sind die Kernburg und der Innere Burghof weitgehend für Gäste gesperrt. Wer dennoch den Aufstieg wagt, kann den zweiten Hof, den sogenannten Echterhof, besuchen und auch an den Aussichtspunkten rund um die Burg einen Blick über Würzburg werfen. Burgführungen sind weiter möglich. Einschränkungen werden vermutlich bis 2032 bleiben, bis die Burg umfassend saniert ist.

Bereits seit 2014 wird immer wieder an der Festung gewerkelt. Sie beherbergt das Museum für Franken, das während der Bauarbeiten weiter geöffnet ist. Nach Ende der Bauarbeiten wird die Ausstellung neu eingerichtet. 2032 soll sie eröffnen. Die geplanten Gesamtkosten stehen noch nicht fest, von rund 300 Millionen Euro ist aber die Rede.

Mainfranken Theater in Würzburg

Theater um das Theater - so lässt sich das Jahr 2025 rund um das künftige Staatstheater zusammenfassen. Die Kosten gehen durch die Decke, ein Ende ist bisher nicht absehbar. Seit 2018 wird gebaut, und eigentlich wollte die Stadt als Bauherrin 2022 fertig sein. Nun steht 2030 im Raum, vielleicht wird es auch noch später - niemand will sich mehr festlegen.

Das Mammutprojekt ist eine Dauerbaustelle und ein finanzielles Desaster - von mittlerweile 146 Millionen Euro wird gesprochen, es könnten aber auch mehr werden. Ursprünglich war nur etwa die Hälfte geplant. Im Herbst 2026 soll es eine neue Kostenschätzung geben. "Jetzt genaue Zahlen zu nennen, ist nicht möglich. Da könnten wir genauso gut würfeln", sagte Oberbürgermeister Martin Heilig (Grüne) jüngst bei einer Veranstaltung der "Main-Post".

Zudem ging organisatorisch einiges durcheinander, Verzögerungen durch den Wechsel des Planungsbüros und den Planer der technischen Ausstattung kamen hinzu. Das 1966 gebaute Theater soll mit Abschluss der Bauarbeiten in ein Staatstheater umgewandelt werden.

Kongresshalle auf dem NS-Reichsparteitagsgelände Nürnberg

Die größte Kulturbaustelle in Nürnberg bleibt die Kongresshalle auf dem ehemaligen NS-Reichsparteitagsgelände, auch wenn diese im zurückliegenden Jahr nach Angaben der Stadt große Fortschritte gemacht hat. Das monströse Nazi-Bauwerk soll für 296 Millionen Euro zu einem Kulturort werden. Neben der freien Kunst- und Kulturszene soll das Nürnberger Staatstheater dort einziehen, solange das historische Opernhaus in der Innenstadt saniert wird.

Im Innenhof des hufeisenförmigen Baus wird dazu eine Ersatzspielstätte für Oper und Ballett errichtet, in der 800 Zuschauerinnen und Zuschauer Platz finden. Im Inneren entstehen Ateliers und Veranstaltungsräume sowie Büros, Werkstätten und Proberäume für das Staatstheater.

Ein Jahr nach dem Beginn der Bauarbeiten sei nun der Rohbau der Ersatzspielstätte bis zum Dach über dem Hauptgeschoss vollendet, teilte die Stadt jüngst mit. Es fehle nur noch der 34 Meter hohe Bühnenturm. Das neue Opernhaus soll bis Ende 2027 fertig sein.

Deutsches Museum

2025 feierte das Deutsche Museum das 100-jährige Bestehen des berühmten Hauses auf der Münchner Museumsinsel. Seit Jahren wird hier bei laufendem Betrieb gearbeitet, um das Forschungsmuseum fit für die neue Zeit zu machen, innen wie außen. "Das Deutsche Museum ist unsere bayerische Ikone und das kollektive Gedächtnis des technischen Fortschritts", lobt Wissenschaftsminister Blume. 180 Millionen habe der Freistaat bereits investiert, für den laufenden zweiten Bauabschnitt stelle man weitere 150 Millionen Euro bereit. Auch der Bund beteiligt sich, weiteres Geld fließen aus eigenen Mitteln und über Spenden. Derzeit stünden 776 Millionen Euro bereit, so Blume. Das große Ziel: die Wiedereröffnung, die 2028 geplant ist.

Staatstheater Augsburg

Die Modernisierung wird noch mindestens fünf weitere Jahre dauern. Neben der Sanierung des historischen Theaterbaus ist bis 2030 auch der Bau eines angrenzenden Kleinen Hauses mit Multifunktionsbühne, Gastronomie sowie eines Gebäudes mit Probensälen, Werkstätten, Büros für die Verwaltung und mit Lagerräumen geplant.

Das Projekt macht seit Jahren mit drastischen Kostensteigerungen Schlagzeilen. Zu Beginn der Arbeiten 2017 war mit etwa 186 Millionen Euro kalkuliert worden, inzwischen werden Kosten von 417 Millionen Euro erwartet. Viele Beobachter glauben, dass die Schwelle von einer halben Milliarde Euro erreicht wird.

Friedrichsforum Bayreuth

Die Bayreuther bewegen sich beim Thema Friedrichsforum zwischen Resignation, Humor und Fatalismus. Wann soll es denn fertig werden, das neue Veranstaltungszentrum, das einst schnöde "Stadthalle Bayreuth" hieß? Der Eröffnungstermin wurde in den vergangenen Jahren mehrfach verschoben. Doch in diesem Jahr soll es endlich losgehen, wie Oberbürgermeister Thomas Ebersberger (CSU) bestätigt hat. Er verweist auf die vielen Risiken, mit der die große Baustelle zu kämpfen hatte: Lieferengpässe durch den Ukrainekrieg, Preissteigerungen.

Die Bauarbeiten, um aus der Stadthalle ein multifunktionales Veranstaltungszentrum für Theateraufführungen, Bälle und Kongresse zu machen, begannen bereits 2017. Damals rechnete man mit etwa 55 Millionen Euro Baukosten, inzwischen schätzt man 115 Millionen Euro.

Die ersten Kostenschätzungen seien nicht wirklich belastbar gewesen, sagt Ebersberger heute, der damals noch nicht im Amt war. Im Vergleich zu anderen Großprojekten im Kulturbereich seien die nun anfallenden Kosten aber immer noch geringer.

Landestheater Coburg

Längst ist das Landestheater Coburg umgezogen in eine spektakuläre Ersatzspielstätte - das Globe. Denn das Haupthaus aus dem 19. Jahrhundert muss saniert werden. "Das Landestheater Coburg ist ein Herzstück der nordbayerischen Kulturlandschaft und ein wahres Juwel. Im Schulterschluss mit der Stadt wollen wir das Landestheater Coburg in neuem Glanz zum Strahlen bringen! Das Bauprojekt schreitet planmäßig voran", sagt Kulturminister Blume. "Momentan befindet sich das Vorhaben in der Projektplanung. Meine Prognose: Wenn alles gut läuft, kann der Bau ab Anfang der 2030er Jahre beginnen."

Quelle: dpa

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