Regionalnachrichten

BayernProteste gegen Aus für Playmobil-Produktion in Franken

18.02.2026, 12:55 Uhr
Die-Playmobil-Produktion-soll-nach-mehr-als-50-Jahren-in-Dietenhofen-eingestellt-und-an-andere-Standorte-verlagert-werden
(Foto: Alexander Rüsche/dpa)

Playmobil will nicht mehr in Dietenhofen produzieren. 350 Jobs sind davon betroffen. Das kritisieren Betriebsrat und Gewerkschaft besonders.

Dietenhofen (dpa/lby) - Gewerkschaft und Betriebsrat wehren sich gegen die geplante Schließung der Playmobil-Produktion in Mittelfranken. Der Spielwarenhersteller Horst Brandstätter Group will diese an andere Standorte im Ausland verlagern. 350 Arbeitsplätze sind davon betroffen. Die Schließung sei der falsche Weg, und es brauche einen fairen Ausgleich für die betroffenen Mitarbeitenden, forderte die Gewerkschaft IGBCE. Der Hersteller sieht dagegen keine Alternative.

Die IGBCE hatte am Dienstag zusammen mit dem Betriebsrat zum Protest vor dem Werk in Dietenhofen (Landkreis Ansbach) aufgerufen. Daran beteiligten sich demnach rund 120 Beschäftigte aus Früh- und Spätschicht. Die Horst Brandstätter Group sprach dagegen von etwa 50 Protestierenden. Auswirkungen auf die Produktion habe es nicht gegeben, sagte ein Sprecher.

Kommunikation in der Kritik

In der Kritik steht auch die Art, wie der Hersteller über das geplante Aus für die Fertigung in Dietenhofen informiert hat. Auf der weltgrößten Spielwarenmesse in Nürnberg Ende Januar hatte Playmobil-Vorstand Bahri Kurter noch davon gesprochen, dass einige Indikatoren für eine Trendumkehr sprechen würden und er positiv auf das kommende Geschäftsjahr blicke. Die Transformation sei noch nicht abgeschlossen, mache aber gute Fortschritte.

Eine Woche später wurde dann die Belegschaft darüber informiert, dass die Produktion in Dietenhofen verlagert werde. "So geht man nicht mit Menschen um, die teilweise seit Jahrzehnten hier arbeiten", erklärte Landesbezirksleiter der IGBCE in Bayern, Harald Sikorski. In Dietenhofen werden seit mehr als 50 Jahren die in vielen Ländern bekannten Playmobilfiguren produziert.

Teil der strategischen Neuausrichtung

In den vergangenen Jahren hatten die Spielwelten aber nicht mehr so viele Käufer gefunden: Der Playmobil-Hersteller Horst Brandstätter Group büßte eigenen Angaben nach in den vergangenen Jahren mehr als ein Drittel seines Umsatzes ein. Eine Neuausrichtung der Marke und Innovationen sollen diesen wieder auf Wachstumskurs bringen.

Die Verlagerung sei ein Teil der strategischen Neuausrichtung, erläuterte der Sprecher der Horst Brandstätter Group. "Hintergrund sind die deutlich steigenden Produktionskosten in Deutschland." Durch die Bündelung der Playmobil-Fertigung könne die Effizienz gesteigert, Synergien genutzt und die Wettbewerbsfähigkeit der Marke langfristig gesichert werden.

Sozialplan und Transfergesellschaft

Die größten Playmobil-Werke befinden sich ihm zufolge in Tschechien und Malta. In Dietenhofen soll dagegen die Produktion der Lechuza-Pflanzgefäße bestehen bleiben. Auch die Produktentwicklung für Playmobil, Verwaltung, Marketing und Logistik blieben in Deutschland erhalten.

"Gemeinsam mit dem Betriebsrat streben wir für die rund 350 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine sozialverträgliche Umsetzung an", sagte der Sprecher. Neben einem Sozialplan gehörten dazu auch eine Transfergesellschaft und die Unterstützung der Betroffenen bei Bewerbungen.

Es soll weitere Proteste geben

Die Gewerkschaft kündigte weitere Proteste an. Ziel sei es, die Unternehmensleitung zu Verhandlungen über Alternativen zur Standortschließung zu bewegen und Perspektiven für die 350 betroffenen Beschäftigten zu entwickeln, teilte die IGBCE mit.

Die Horst Brandstätter Group sprach dagegen von konstruktiven Gesprächen mit Betriebsrat und Gewerkschaft. Die Produktion der Verlagerung bis zum 30. Juni sei von allen Parteien akzeptiert worden, sagte der Sprecher.

Quelle: dpa

Regionales