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Berlin & BrandenburgApp statt Unterricht? Fahrlehrer gegen Führerschein-Reform

29.01.2026, 13:59 Uhr
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"Die Fahrschule ist kein YouTube-Kanal": Fahrlehrer gehen gegen die Reformpläne für die Führerscheinausbildung auf die Straße. Mit Trillerpfeifen und Plakaten zogen sie vor den Landtag.

Potsdam (dpa/bb) - Fahrlehrer aus Brandenburg haben vor dem Landtag in Potsdam lautstark gegen Pläne für eine Reform der Führerscheinausbildung protestiert. Sie versammelten sich am Morgen mit Trillerpfeifen, Sirenen und Plakaten am Alten Markt in der Landeshauptstadt. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf etwa 150.

Fahrschulen wenden sich gegen Reformvorschläge von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), der die Führerscheinausbildung günstiger möglich machen will. Digitales Lernen könnte demnach den Unterricht in der Fahrschule ersetzen.

Verband: "Fahrausbildung ist kein Hobby"

"Fahrschule ist kein YouTube-Kanal. Fahrausbildung ist kein Hobby. Fahrausbildung ist ein sicherheitsrelevanter Bildungsauftrag", sagte der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes, Hendrik Schreiber. Fahrschulen befürchten, dass die Qualität der Ausbildung und die Verkehrssicherheit leiden.

"Das ist kein Sparmodell, das ist ein Sicherheitsverlust mit Ansage", schimpfte Schreiber, der aus Brandenburg an der Havel kommt. Auch der Fahrschulinhaber Tino Reeger kritisierte bei der Demo die Reformpläne: "Jahrelange Expertise von den Fahrschulen wird damit kaputt gemacht."

Landtagsabgeordnete zeigen sich offen

Vor dem Landtag war auf Plakaten zu lesen: "Sonderfahrten erhalten", "Präsenzunterricht sichern". Einige Abgeordnete, die zur Landtagssitzung am Vormittag eintrafen, sprachen mit Protestierenden. "Das Reformpapier ist aus unserer Sicht auch noch mit Skepsis zu betrachten", sagte die SPD-Politikerin Martina Maxi Schmidt. Sie sei offen für Reformvorschläge aus der Praxis.

Wissen via App - weniger Nacht- und Autobahnfahrten

Bundesverkehrsminister Schnieder will mit seinen Reformvorschlägen die Kosten für den Führerschein senken. Für einen Pkw-Führerschein der Klasse B werden laut Ministerium derzeit im Schnitt rund 3.500 Euro fällig.

Künftig soll die Pflicht zum Präsenzunterricht wegfallen und Wissen komplett digital über Apps oder Lernplattformen vermittelt werden können. Fahrsimulatoren sollen häufiger eingesetzt werden können, statt direkt auf der Straße unterwegs zu sein. Vorgesehen sind zudem weniger verpflichtende Sonderfahrten in der Nacht, auf Autobahnen und über Land.

Führerschein-Reform auch Thema beim Verkehrsgerichtstag

Über die Führerscheinausbildung wollen auch Fachleute beim gerade begonnenen Verkehrsgerichtstag im niedersächsischen Goslar debattieren. Eine Mehrheit der erwachsenen Bevölkerung ist laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag des Auto Clubs Europa offen für ergänzende Simulator-Fahrten. Vom deutschen Automobilclub ADAC hieß es, mit der Möglichkeit für mehr Online-Theorieunterricht oder dem Einsatz von Simulatoren lägen relevante Eckpunkte für eine Reform vor.

Quelle: dpa

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