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Berlin & BrandenburgBezirksamt stoppt Abriss des SEZ wegen Artenschutz

26.02.2026, 16:13 Uhr
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Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg bremst ein Großprojekt für Wohnungen und eine Schule vorerst aus. Eigentlich sollten dort ab Jahresende 600 neue Wohnungen entstehen.

Berlin (dpa/bb) - Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hat den geplanten Abriss des ehemaligen Sport- und Erholungszentrums (SEZ) gestoppt. Grund seien artenschutzrechtliche Bedenken, teilte die Behörde mit. Auf dem Gelände neben dem Volkspark Friedrichshain sollen ab Jahresende eigentlich mehr als 650 neue Wohnungen gebaut werden.

Beantragt hatten den Stopp der Abrissarbeiten, die Anfang März beginnen sollen, die Verbände NaturFreunde Berlin und Gemeingut in BürgerInnenhand. Sie wollen das zu DDR-Zeiten als Prestigeprojekt erbaute SEZ auch erhalten, weil es für viele Menschen aus Ostdeutschland große emotionale Bedeutung habe. Viele Bürger fühlten sich übergangen und missachtet.

Bausenator Christian Gaebler (SPD) äußerte sich im Abgeordnetenhaus kritisch über den verfügten Abriss-Stopp, mit der nach seinen Worten unter anderem Zwergfledermäuse geschützt werden sollen. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM wolle dort bezahlbaren Wohnraum schaffen, zudem seien eine Sporthalle und eine Schule geplant. Er sei nicht der Meinung, dass man mit dem wichtigen Projekt noch jahrelang warten könne.

Uwe Hiksch von den NaturFreunden erklärte dagegen, auch beim Umwelt- und Artenschutz müssten sich die WBM und das Land Berlin an die Gesetze halten. "Der Abriss würde dazu führen, dass streng und besonders geschützte Arten einem signifikant erhöhten Tötungsrisiko ausgesetzt sind, dass diese Arten in der ab März beginnenden Balz-, Brut- und Aufzuchtzeit gestört werden, dass geschützte Lebensstätten beschädigt oder zerstört werden."

Wellenbad, Eis- und Bowlingbahn zogen Millionen an

Das Sport- und Erholungszentrum war 1981 eröffnet worden. Ein Wellenbad, eine Eisbahn, eine Bowlingbahn und Sporthallen zogen Millionen Besucher an. Das Grundstück und das Freizeitbad wurden 2003 vom Land Berlin an einen Investor verkauft. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit wurde das SEZ 2024 zwangsgeräumt.

In den vergangenen Wochen war das SEZ-Areal mehrfach in die Schlagzeilen geraten. Ende November hatten dort Baggerarbeiten begonnen, die vom Bezirk gestoppt wurden. Die WBM argumentierte, es habe sich nur um Vorbereitungen des späteren Abrisses gehandelt. Anfang Dezember forderten mehr als 150 Wissenschaftler in einem offenen Brief den Erhalt des SEZ – wie zuvor schon eine Bürgerinitiative.

Der Sprecher für Stadtentwicklung der Grünen im Abgeordnetenhaus, Julian Schwarze, nannte den Abriss-Stopp richtig. Er verschaffe Zeit, um das SEZ zu retten. Es wäre ein großes Signal für den Erhalt wichtiger Sport- und Freizeitangebote in Friedrichshain, schrieb sie. "Zugleich zeigen neue Vorschläge, dass auch die geplante Anzahl an Wohnungen erreichbar bleibt."

SEZ ein Denkmal?

Der Sprecher von Gemeingut, Carl Waßmuth, erklärte, der Baustopp gebe auch dem Landesdenkmalamt die Möglichkeit, seine bisherige Position zu korrigieren und das SEZ umgehend in die Liste der Denkmäler Berlins aufzunehmen – genauso wie im Westen der Teufelsberg unter Schutz gestellt wurde und das ICC.

Das geplante neue Quartier soll im Innenbereich autofrei sein. Neben einer Schule und Sportangeboten ist der WBM zufolge außerdem ein sogenannter Historien-Parcours geplant, der die Geschichte des Standorts "erlebbar" machen soll. Unter anderem sollen Bauelemente des früheren SEZ wie Fachwerkstützen der ehemaligen Schwimmhalle und charakteristische Gestaltungselemente als "historische Zeichen" erhalten werden.

Quelle: dpa

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