Berlin & BrandenburgBrandenburgs Kliniken: Weitere Schließungen denkbar

In Ludwigsfelde schließt die Kinderklinik. Der Hintergrund: Die Krankenhausreform sorgt dafür, dass sich Kliniken spezialisieren müssen. Wie viele Häuser sind noch in Gefahr?
Ludwigsfelde (dpa/bb) - Nach der angekündigten Schließung für die Kinderklinik in Ludwigsfelde rechnet Brandenburgs Gesundheitsminister René Wilke (SPD) mit weiteren solcher Fälle. "Es wird nicht die letzte Nachricht dieser Art sein", sagte Wilke am Mittwochabend in der RBB-Sendung "Brandenburg Aktuell". Acht von zehn Krankenhäusern schrieben rote Zahlen. "Natürlich wächst dann der wirtschaftliche Druck und dann noch die Frage, welche Bereiche kann man noch irgendwie quersubventionieren, wenn es überhaupt gar keinen Puffer mehr dafür gibt."
Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Evangelischen Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow hat angekündigt, Ende Juli zu schließen. Der Träger begründet dies mit der Krankenhausreform und einer notwendigen Spezialisierung. Das Evangelische Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow verweist angesichts einer Belegung von drei Betten auf eine zu geringe Auslastung der Kinderklinik. Der Träger will Orthopädie, Innere Medizin und Geriatrie ausbauen.
Protest einer Mutter gegen die Schließung
Es gibt Kritik auf Seiten der Eltern: Für die Petition einer Mutter zum Erhalt der Kinderstation in Ludwigsfelde (Landkreis Teltow-Fläming) sind im Internet bereits mehr als 5.000 Unterschriften zusammengekommen. Die Mutter sagte im RBB, ihre kleine Tochter habe kürzlich eine Stoffwechsel-Entgleisung gehabt. "Hätte der Weg länger gedauert, wäre sie wahrscheinlich nicht mehr bei uns." Das etwa 20 Kilometer entfernte Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam soll nach der Schließung die stationäre Versorgung der gesamten Region übernehmen.
Krankenhausgesellschaft sieht Gefahren
Die Landeskrankenhausgesellschaft sieht Risiken für weitere Häuser. "Es kommen auf jeden Fall noch weitere Krankenhäuser unter Druck in diesem Jahr und auch im nächsten Jahr", sagte Geschäftsführer Michael Jacob der Deutschen Presse-Agentur. "Diese Gefahr von Insolvenz ist wirklich da." Davon könnten in besonderem Maße Kinderkliniken betroffen sein: "Sie sind ganz besonders im Fokus, weil durch die Demografie die Geburtenzahlen zurückgegangen sind", sagte Jacob.
Minister: Grundversorgung soll überall bleiben
Der Minister sagte im RBB, die Schließung der Kinderklinik wäre aus seiner Sicht auch ohne Krankenhausreform passiert, weil der Bereich so wenig ausgelastet gewesen sei, dass er hochdefizitär war. Die Krankenhausreform des Bundes führt zum Umbau von Kliniken: "Unser Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass alle Standorte in Brandenburg erhalten bleiben, aber sie werden in Teilen neue Rollen bekommen", sagte Wilke. "Die Grundversorgung in der Fläche wollen wir aufrechterhalten."
Die Krankenhausreform soll Kosten senken und die Qualität der Versorgung erhöhen. Dazu kommt allerdings nun noch die Gesundheitsreform, die auch Auswirkungen auf die Kliniken hat.