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Berlin & Brandenburg Corona-Beschluss: Gastwirte in Krise, Theater enttäuscht

Olaf Schöpe, Präsident des Dehoga Brandenburg. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

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Nach dem beschlossenen Teil-Lockdown sehen betroffene Bereiche schweren Zeiten entgegen. Branchen wie die Gastronomie fühlen sich bestraft, Theater sind enttäuscht, Sportvereine sehen die Schließung als Rückschlag.

Potsdam/Cottbus (dpa/bb) - Vor dem am Montag beginnenden Teil-Lockdown herrscht in den betroffenen Branchen in Brandenburg Krisenstimmung. "Schon jetzt ist klar, dass der erneute Lockdown für viele Unternehmen dieser Branche nicht mehr zu verkraften ist", sagte der Cottbuser IHK-Präsident Peter Kopf für die Landesarbeitsgemeinschaft der IHKs des Landes Brandenburg. Die Industrie- und Handelskammern und die Hotel- und Gaststättenbranche lehnen die beschlossene erneute Schließung von Restaurants und Kneipen entschieden ab und fordern einen Ausgleich für den Umsatzausfall. Die aktuelle Konjunkturumfrage der Kammern habe gezeigt, dass insbesondere kleinere familiengeführte Gastwirtschaften ihren Betrieb in naher Zukunft einstellen werden, weil die Lage für sie nicht mehr tragbar sei, so Kopf. Von der erneuten Schließung sind den Angaben nach in Brandenburg 5472 Betriebe mit insgesamt 44 154 Beschäftigten betroffen.

Die IHK Cottbus, Ostbrandenburg und Potsdam sowie der Hotel- und Gaststätten Brandenburg (Dehoga) fordern deshalb den 100-prozentigen Ausgleich des Umsatzausfalls. Zudem seien konkrete Aussagen notwendig, um den Unternehmen Planungssicherheit zu geben. Für die krisengeschüttelte Branche erwarten die Interessenvertreter eine Fristverlängerung der aktuell reduzierten Mehrwertsteuersätze für Speisen über den 30. Juni 2021 hinaus.

Auch die Tourismusunternehmen in Brandenburg blicken mit Sorge auf den Teil-Lockdown. "Für die Tourismusbranche im Land Brandenburg kommt dieser Beschluss einem neuerlichen Lockdown gleich", kritisierte der Geschäftsführer des Landestourismusverbandes Brandenburg, Markus Aspetzberger, am Donnerstag. Man hätte sich gewünscht, dass "wir nach Monaten der Pandemie endlich zu differenzierten Lösungen statt pauschaler Verbote kommen".

Über die vergangenen Monate seien umfangreiche Hygienekonzepte erarbeitet worden, es sei viel investiert worden, um Mitarbeitern und Gästen Sicherheit zu geben. "Was wir jetzt bekommen haben, ist stattdessen große Unsicherheit", beklagte Aspetzberger.

Die Intendanten der großen Theater in Brandenburg sind enttäuscht über die von Bund und Ländern beschlossene erneute Corona-Zwangspause für die Kulturstätten. Am Potsdamer Hans-Otto-Theater etwa fallen nach Angaben von Intendantin Bettina Jahnke im November 53 Veranstaltungen aus. Das sei langsam nicht mehr zu kompensieren, sagte Jahnke am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Das Theater werde Premieren in die nächste Spielzeit legen müssen. Etliche Mitarbeiter würden in die Kurzarbeit geschickt. "Wir müssen spielen, spielen, spielen, um irgendwie auch Einnahmen zu generieren und vor allem auch relevant zu sein", so Jahnke.

André Nicke, Intendant der Uckermärkischen Bühnen Schwedt, zeigte sich zwiegespalten über die Beschlüsse der Politik. Er hoffe, dass der Teil-Lockdwon ausreiche. Seiner Meinung nach wurden die Weichen falsch gestellt. "Die Politik hatte im Sommer versprochen, es werde intelligente Lösungen geben. Jetzt aber kommt der Holzhammer".

Für die mehr als 3000 Sportvereine in Brandenburg ist der wegen steigender Corona-Infektionen ab Montag auf Eis gelegte Sportbetrieb ein herber Rückschlag. Monatelang seien Hygienekonzepte erfolgreich entwickelt und diszipliniert befolgt worden, so der Landesportbund. Es sei deprimierend, dass die diszipliniert handelnden Sportvereine nun für Sorglosigkeit, Reisewut und Leichtsinn Weniger bestraft würden, betonte Andreas Gerlach, Vorstandsvorsitzender des Landessportbundes. Nach dem ersten kompletten Herunterfahren im März habe das Sportland nur langsam in den Alltag zurück gefunden. Die Hallen seien nun wieder verwaist, wie auch Sportplätze, Laufbahnen und Schwimmhallen, hieß es.

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