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Berlin & BrandenburgGiftige Raupen: Sorge vor Urlaubsflaute im Spreewald wächst

13.07.2026, 16:10 Uhr
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Der Eichenprozessionsspinner sorgt für Stress im Urlaub: Einige Wasserwege im Spreewald sind gesperrt. Bootsverleiher befürchten ausbleibende Urlauber. Tourismusbetriebe hoffen auf rasche Abhilfe.

Schlepzig (dpa/bb) - Mitten in der Ferienzeit sind Teile der weit verzweigten Wasserwege des Spreewalds gesperrt. Ein Schock für Tourismusbetriebe, die von ersten Stornierungen berichten. Der Unterspreewald hat sich zum Hotspot des Befalls mit dem Eichenprozessionsspinner entwickelt. Einschränkungen für Paddler in der beliebten Urlaubsregion lösen in der Wirtschaft Sorgen vor Geschäftseinbußen aus. Für 2027 will das Umweltministerium vorbereitet sein.

Verkehrsminister Robert Crumbach und Umweltministerin Hanka Mittelstädt informierten betroffene Bürger und Touristiker in der kleinen Gemeinde Schlepzig über die Lage. Dabei mussten sie Kritik auch aufgebrachter Zuhörer hinnehmen.

Teils hieß es, die Maßnahmen kämen zu spät, weil die Raupen des Eichenprozessionsspinners im Frühjahr bekämpft werden müssen. "Im April haben wir teils Nächte lang nicht geschlafen", sagte ein Bürger.

Spreewald ein Hotspot beim Befall

Die Raupen des Nachtfalters sind wegen ihrer giftigen Brennhaare deutschlandweit zum Problem geworden. Im Spreewald hat sich das Insekt laut Umweltministerium besonders stark ausgebreitet, so dass die Gefahren auf den Wasserwegen laut Behörden zu groß geworden sind.

Kritische Stimmen beim Bootsverleih

"Also wir können schon noch arbeiten, aber viele von unseren Fließen sind gesperrt", sagte der Kahnfährmann Mike Böttcher, der in Schlepzig auch Boote verleiht. "Ich bin der Meinung, man hätte diese Sicherungsarbeiten in der Zeit machen müssen, wo wir keine Touristen haben, also im Winter."

Minister: "Schwierige Situation in Hauptsaison"

Verkehrsminister Crumbach bezeichnete die Sperrung mehrerer Wasserwege im unteren Spreewald als schwierige Situation für die Urlaubsregion. Die Hauptsaison in den Sommerferien sei der denkbar schlechteste Zeitpunkt dafür, sagte der SPD-Politiker. Aber der Schritt sei notwendig, "weil Gefahr für Leib und Leben besteht, weil die Wasserwege einfach nicht mehr sicher sind".

Gefahr abbrechender Äste

In dem betroffenen Gebiet im Unterspreewald besteht laut Verkehrs- und Umweltministerium aktuell die Gefahr, dass Bäume umstürzen und Äste abbrechen. Die Behörden hätten die Sicherungsarbeiten entlang der Gewässer wegen des Eichenprozessionsspinners zum Schutz ihrer eigenen Gesundheit einstellen müssen, hieß es. Die Baumschau sei nicht rechtzeitig zu schaffen gewesen.

Es sei auch teils zu heiß gewesen, in voller Montur - mit Schutzanzug und Maske - und mit der Motorsäge die Baumarbeiten durchzuführen, erklärte der Landesforstbetrieb. Die giftigen Brennhaare, die die Raupen hinterlassen, könnten zudem auch jetzt noch Gesundheitsbeschwerden auslösen.

Die winzigen Härchen enthalten ein Nesselgift und können bei Kontakt Hautreizungen mit starkem Juckreiz und Quaddeln auslösen. Augenreizungen, Husten oder asthmaartige Beschwerden sind möglich.

Mittelstädt: Von Situation überrannt worden

Begünstigt durch den Klimawandel, durch die warmen Temperaturen, sei die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners extrem nach oben geschnellt, sagte Umweltministerin Mittelstädt. Von der Situation seien alle "überrannt" worden.

Rasche Freigabe der Fließe angestrebt

Nun sollen die gesperrten Fließe im unteren Spreewald rasch kontrolliert werden und Forst-Mitarbeiter Sicherungsarbeiten an Bäumen durchführen. Nach und nach sollen die Gewässer dann wieder freigegeben werden, kündigte Mittelstädt (SPD) an. Eine Botschaft an betroffene Touristiker: Möglicherweise sei eine gesperrte Strecke für Paddler in dieser Woche wieder frei.

Vorbereitungen für 2027 angelaufen

Mittelstädt sprach sich dafür aus, im kommenden Frühjahr ein Biozid zur Bekämpfung der Raupe des Nachtfalters einzusetzen. Auch wenn die Pflanzenschutzmittel nicht alle gut finden werden, wie sie sagte. Ein Biozid wurde im Mai in der Prignitz per Hubschrauber ausgebracht.

Zunächst werden jetzt bis zum Herbst dieses Jahres laut Ministerin landesweit Daten zum Befall in Brandenburg erfasst und die Vorbereitungen für den Einsatz im nächsten Jahr in die Wege geleitet. "Dass diese Welle, die uns dieses Jahr ereilt hat, nicht in 2027 noch mal ereilt." Verkehrsminister Crumbach sagte, man werde aus der Situation lernen. "Für nächstes Jahr werden wir es anders machen."

Run auf Technik wegen deutschlandweiten Befalls

Für eine wirksame Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners bleibt dann nicht allzu viel Zeit: "Wir haben in der Tat auch die Situation, dass wir Biozidmaßnahmen nur 3 bis 4 Wochen in einem Raupenstadium machen können", so Mittelstädt. Zudem gebe es einen Run auf die nötige Technik, weil der Befall deutschlandweit vorhanden sei.

Touristiker: Nicht der ganze Spreewald betroffen

Der Tourismusbranche im Spreewald ist in der Hauptsaison eine Botschaft wichtig: Die Sperrung betrifft einen kleinen Teil der Wasserwege im Spreewald. Laut Verkehrsministerium sind von insgesamt 1.600 Kilometern Fließen etwa 45 Kilometer betroffen.

"Wir haben übers Wochenende Stornierungen gehabt in Lübbenau, wo wir gar nicht betroffen sind", sagte der Vorsitzende der Touristinformation Lübbenau, Jörg Schwedtner, besorgt. Die wirtschaftliche Lage in Deutschland sei zudem allgemein schlecht. "Die Leute geben das Geld nicht mehr aus."

Quelle: dpa

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