Berlin & BrandenburgKirche in Rathenow ist wieder aufgebaut - nach Jahrzehnten

Der Vorgängerbau ist mehr als 800 Jahre alt: Im Zweiten Weltkrieg wurde die St. Marien-Andreas-Kirche in Rathenow schwer beschädigt. Nun zeigt sie sich innen und außen renoviert.
Rathenow (dpa/bb) - Die im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte St. Marien-Andreas-Kirche in Rathenow (Havelland) erstrahlt nach einem Wiederaufbau von mehreren Jahrzehnten in neuem Glanz. Bei einem Festgottesdienst wurde sie am Sonntag erneut eingeweiht. Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) sieht in der Kirche mehr als nur ein Denkmal der norddeutschen Backsteinkunst.
"Diese geschundene Kirche steht für Leben und Miteinander und ja, auch Liebe und Hingabe", sagte Schüle laut Mitteilung anlässlich des Gottesdienstes. "Und ist deswegen ein Lichtblick in einer Welt, die derzeit allzu oft von Konflikten, Kriegen und Katastrophen heimgesucht wird." Der Wiederaufbau sei zahllosen engagierten Menschen zu verdanken, vor allem dem Förderkreis. "Hier in Rathenow kann man sehen, was möglich ist, wenn Menschen glauben und lieben."
Kirche brannte im Zweiten Weltkrieg aus
Die Sankt-Marien-Andreas-Kirche ist nach Angaben der evangelischen Kirchengemeinde vermutlich im Jahr 1190 als romanische Kreuzbasilika errichtet worden. Davon sind dem Kulturministerium zufolge nur Teile des Querschiffs erhalten. Chor und Kirchenschiff wurden demnach 1517 bis 1562 zu einer spätgotischen Hallenkirche umgebaut.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche schwer beschädigt. Sie brannte im April 1945 aus. In den 1950er Jahren wurde die Kirche behelfsmäßig instand gesetzt. Nach der Wiedervereinigung gab es laut Ministerium zahlreiche Baumaßnahmen.
Mehrere Millionen Euro Fördermittel
Im Jahr 1996 gründete sich ein Förderkreis zum Wiederaufbau. Die Kirche wurde in ihrer äußeren Erscheinung in Anlehnung an den Zustand vor dem Zweiten Weltkrieg weitgehend wiederhergestellt. Ab 2023 folgte die Sanierung des Innenraums.
Der Wiederaufbau wurde nach Angaben des Fördervereins mit rund 3,5 Millionen Euro vom Bund und knapp 3,6 Millionen Euro vom Land Brandenburg gefördert. Davon seien die Kreuzrippengewölbe im Chorraum, die Emporen und eine Fußbodenheizung gebaut worden.
Mehr als eine Million Euro Spenden
Der Förderkreis sei die treibende Kraft beim Wiederaufbau der Chorfenster, des Turms sowie des Kreuzgewölbes im Kirchenschiff und der Marienkapelle gewesen, berichtete der Vorsitzende Heinz-Walter Knackmuß, der den Kreis vor 30 Jahren gründete. Die Kosten von 40.000 Euro für das Kreuzgewölbe in der Marienkapelle habe der Förderkreis allein bezahlt.
Bis zu diesem Jahr habe der Förderkreis 1,6 Millionen Euro Spenden gesammelt und an die Kirchengemeinde weitergeleitet, sagte Knackmuß. Der Verein hat nach seinen Angaben schon weitere Ziele: eine neue Orgel, die Nachschnitzung der barocken Kanzel sowie Photovoltaik auf dem Kirchendach.