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Berlin & BrandenburgKriegsgegnerin, Jüdin, Politikerin: Gedenken an Tony Sender

30.10.2022, 10:26 Uhr

Berlin (dpa/bb) - Tony Sender (1888-1964) war Politikerin, Kriegsgegnerin und Jüdin. Sie gehörte zur "ersten Generation weiblicher Parlamentarierinnen in der Weimarer Republik", sagte Historikerin Christl Wickert der Deutschen Presse-Agentur. Zur Erinnerung an Sender wird am Montag eine Gedenktafel im Berliner Stadtteil Wilmersdorf enthüllt, wo sich ihre Wohnung befand.

Sender kam aus einem orthodox-jüdischen Elternhaus, nach dem Ersten Weltkrieg engagierte sie sich in der Arbeiterrätebewegung. 1919 wurde die gebürtige Hessin in die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung gewählt und war zu dieser Zeit die einzige Frau in dem Parlament. Ein Jahr später wurde sie als Mitbegründerin der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD), einer Abspaltung aus der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD), in den Reichstag gewählt.

Die weiße Gedenktafel aus Porzellan, die von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa vergeben wird, werde in Berlin genau da enthüllt, wo Senders Wohnung war, in der sie ab 1920 lebte, bestätigte Historikerin Wickert. "Diese Wohnung hat sie am 5. März 1933 am Tag der Reichstagswahl abgeschlossen und ist geflüchtet", so Wickert weiter.

Sender war dezidierte Kriegsgegnerin und sie setzte sich für Frauenrechte ein. Als Politikerin sei sie verhasst bei den Nazis gewesen. "Sie war Sozialistin, sie kam ja aus der Arbeiterbewegung und sie war Jüdin", ergänzte Wickert, die zu Sender forschte und den Vorschlag für die Gedenktafel einbrachte.

1943 wurde Sender in die USA eingebürgert. Dort engagierte sie sich in jüdischen Hilfsorganisationen und arbeitete ab 1944 als Wirtschaftsexpertin für die Vereinten Nationen. Außerdem setzte sie sich in der UN-Kommission für Menschenrechte und für die Rechtsstellung der Frau ein.

Quelle: dpa

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