Berlin & BrandenburgLandarzt gesucht: Brandenburg führt Quote für Unimedizin ein

Hausärzte sind rar - vor allem auf dem Land. Brandenburg will deshalb für angehende Medizinstudenten Studienplätze reservieren, die danach befristet als Landarzt arbeiten. Was ist genau vorgesehen?
Cottbus (dpa/bb) - Brandenburg will mit der Einführung einer Landarztquote den Medizinermangel auf dem Land lindern. Das Kabinett beschloss, dass künftig ein Teil der Studienplätze der Medizinischen Universität Lausitz in Cottbus gezielt an Bewerber vergeben wird, die nach dem Studium zehn Jahre als Landarzt arbeiten wollen. Die Quote solle zehn Prozent der Erstsemester-Studienplätze betragen, teilte die Staatskanzlei mit.
Woidke: Medizinische Versorgung sichern
Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sieht darin einen entscheidenden Schritt, um die Medizinversorgung in allen Regionen Brandenburgs zu sichern. "Der klare Auftrag ist, Ärztinnen und Ärzte dahin zu bringen, wo sie am dringendsten gebraucht werden", sagte Woidke in einer Mitteilung.
In Brandenburg gab es Ende 2024 nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung rund 1.700 Hausärztinnen und Hausärzte - rund ein Drittel von ihnen ist 60 Jahre und älter, das heißt, viele werden bald ausscheiden.
Minister: Landärztepraxen auch soziale Anlaufstelle
Der Minister für Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt, René Wilke (SPD), sieht in einer Stärkung der Landärzte durch die Landarztquote beim Studium eine Lösung für gleich zwei Probleme: "Die Bevölkerung wird immer älter, während gleichzeitig viele Hausärztinnen und Hausärzte in den Ruhestand gehen", sagte er.
Und Wilke sieht noch eine besondere Funktion der Ärzte: "Landärztepraxen sichern nicht nur die medizinische Grundversorgung. Sie sind auch soziale Anlaufpunkte."
Landtag berät noch über Gesetzespläne
Mit der Einführung der Quote soll angehenden Studentinnen und Studenten zugleich die Möglichkeit gegeben werden, auch ohne lange Wartezeit nach dem Schulabschluss ein Medizinstudium beginnen zu können. Die ersten Studenten sollen an der neuen Medizinischen Universität Lausitz ab dem Wintersemester 2026/27 starten.
Die frühere Gesundheitsministerin Britta Müller (parteilos) hatte die Pläne für die Quote noch auf den Weg gebracht. Der Landtag berät abschließend über den Gesetzentwurf. Mehrere andere Bundesländer haben bereits Landarztquoten für ein Medizinstudium.
Ergänzt wird die Landärztequote durch die Vergabe von Stipendien an Medizinstudenten im Rahmen des Landärzteprogramms der Kassenärzte.