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Berlin & BrandenburgMehr Brandenburger Schüler ohne Abschluss - neues Programm

12.04.2026, 06:01 Uhr
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Zuletzt waren rund 1.900 Schülerinnen und Schüler in Brandenburg ohne Schulabschluss. Welche Möglichkeiten gibt es für sie? Bildungsminister Hoffmann setzt auf ein neues Projekt.

Potsdam (dpa/bb) - Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss ist in Brandenburg in den vergangenen Jahren gestiegen. Bildungsminister Gordon Hoffmann will dem Trend entgegenwirken. "Natürlich ist jeder Schüler, der die Schulzeit ohne Abschluss beendet, einer zu viel", sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. "Die Gründe dafür sind oft sehr persönlich, weshalb es kein Patentrezept gibt. Wir wollen alle Schülerinnen und Schüler gut auf den Übergang ins Ausbildungs- und Berufsleben vorbereiten." Er setzt dabei auch auf ein neues Programm.

Die Zahl der Schulabgänger ohne berufliche Reife lag in Brandenburg Ende des Schuljahres 2019/2020 bei 1.134 Schülern. Zum Ende des Schuljahres 2023/2024 hatten 1.897 von 24.643 Schulabgängern keinen Abschluss - dies ist die aktuellste Zahl. Der Anteil stieg damit von 5,2 Prozent im Jahr 2020 auf 7,7 Prozent 2024.

Ansprache und Motivation

Der Minister hält es nach eigenen Worten für entscheidend, dass Lehrkräfte die Möglichkeit haben, auf Schülerinnen und Schüler individuell einzugehen und sie motivieren zu können. "Unser jüngster Ansatz ist das erst vor kurzem gestartete Landesprogramm "Duales Lernen"", sagte Hoffmann. "Die teilnehmenden Ober- und Gesamtschulen können darin neue Wege gehen, um theoretisches Lernen und Praxisorientierung zu verknüpfen."

Das Ministerium geht davon aus, dass in der Regel ein Zusammenspiel verschiedener Gründe dazu führt, dass jemand nicht mehr die Schule besucht. Das könnten Probleme in der Schule, in der Familie sowie individuelle Probleme oder Beeinträchtigungen sein.

Neue Wege mit mehr Praxis

Das Programm "Duales Lernen" will theoretisches Lernen in der Schule mit praxisorientiertem Lernen am Schulstandort oder an Lernorten außerhalb der Schule verzahnen. Damit soll das Vorwissen aus der Schule mit neuen Erkenntnissen und Erfahrungen an einem anderen Ort oder in einem anderen Lernzusammenhang erweitert werden. Der Fokus liegt auf den Klassen 7 bis 10. SPD und CDU haben im Koalitionsvertrag vereinbart, dass Ober- und Gesamtschulen durch das Programm gezielt gestärkt werden sollen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht positives Interesse bei den Schulen. Landeschef Günther Fuchs sagte aber, die Förderung müsse früher ansetzen. "Es gibt wenig Chancen, individuelle Förderung anzubieten." Der Präsident des Brandenburgischen Pädagogen-Verbands, Hartmut Stäker, verwies darauf, dass erst im Sommer feststehe, welche Schulen welche Form des Programms wählten.

Beim "Dualen Lernen" sind Ideen auf Grundlage bestehender Vorschriften möglich, aber mit Genehmigung des Bildungsministeriums auch außerhalb des Schulgesetzes. So könne außerhalb der Kernfächer auf bestimmte Inhalte verzichtet werden zugunsten von Praxislernen, wie die "Märkische Oderzeitung" im März schrieb.

Acht Produktionsschulen in Brandenburg

Für junge Menschen zwischen 15 und 27 Jahren gibt es außerdem das Angebot der berufs- und sozialpädagogischen Unterstützung, um soziale Benachteiligungen auszugleichen und Beeinträchtigungen zu überwinden. Dafür gibt es acht Produktionsschulen der Landkreise und kreisfreien Städte, um leistungsschwachen Schulabgängern - die oft ohne Schulabschluss sind - zu einer Berufsausbildung zu verhelfen. Landesweit gibt es laut Ministerium rund 200 Plätze an den Produktionsschulen.

Quelle: dpa

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