Berlin & BrandenburgNeuer AfD-Bürgermeister: Zehdenicker suchten Verlässlichkeit

René Stadtkewitz ist der erste direkt gewählte hauptamtliche AfD-Bürgermeister in Brandenburg. Über seinen Wahlsieg sagt er: "Es fehlte wohl an Ausrichtung in der Stadt."
Zehdenick (dpa/bb) - Von seiner Wahl zum Bürgermeister von Zehdenick ist AfD-Kandidat René Stadtkewitz selbst überrascht worden. "Dass ich mit so klarer Mehrheit gewinne, das kam unerwartet", sagte Stadtkewitz der Deutschen Presse-Agentur. Er sei von einer Stichwahl ausgegangen.
Am Sonntag war Stadtkewitz mit 58,4 Prozent der Stimmen im ersten Wahldurchgang zum Bürgermeister der Stadt im Kreis Oberhavel gewählt worden. Er ist damit erster direkt gewählter hauptamtlicher AfD-Bürgermeister in Brandenburg.
"Es fehlte wohl an Ausrichtung in der Stadt", sagte Stadtkewitz zu dem klaren Ergebnis. In Zehdenick habe es eine Sehnsucht nach Verlässlichkeit gegeben. "Die Menschen waren unzufrieden." Denn die Stadt sei über Monate geprägt gewesen "von einer Provisorien-Zeit".
Vorgänger hatte sich dauerhaft krankgemeldet
Der vorherige Bürgermeister von Zehdenick, Alexander Kretzschmar, hatte im vergangenen Jahr noch deutlich gegen Stadtkewitz durchgesetzt: Bei einer Stichwahl im März 2025 kam der parteilose Einzelkandidat auf 63 Prozent, Stadtkewitz auf 37 Prozent. Nachdem er sich jedoch kurz nach seiner Amtseinführung dauerhaft krankgemeldet hatte, wurde Kretzschmar abgewählt.
Der AfD-Landesvorsitzende René Springer bewertete den Wahlsieg als "unmissverständliches Signal". Seine Partei sei "längst keine Protesterscheinung mehr, sondern eine politische Kraft mit starkem Rückhalt in der Bevölkerung", sagte er laut Mitteilung. Das Ergebnis in Zehdenick sei ein "Vorgeschmack" auf weitere Bürgermeister und Landräte der AfD.
Die Alternative für Deutschland (AfD) wird in Brandenburg vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. Die Landespartei geht juristisch dagegen vor.
Auf die Kritik etwa vom Aktionsbündnis Brandenburg, das eine Normalisierung des Rechtsextremismus befürchtet, sagte Stadtkewitz, er fühle sich davon nicht angesprochen. "Ich bin kein Rechtsextremist und will das auch nicht werden."
Zweitplatzierter bekommt nur 28,6 Prozent der Stimmen
Stadtkewitz war früher CDU-Abgeordneter in Berlin und brach 2010 mit den Christdemokraten. Er gründete die Partei Die Freiheit, deren Bundesvorsitzender er bis 2013 war. 2024 wurde er AfD-Mitglied.
Im Land gab es zwar mit Arne Raue schon einen hauptamtlichen Bürgermeister mit AfD-Parteibuch in Jüterbog – dieser war jedoch parteiloser Einzelbewerber, als er 2011 gewählt und 2019 wiedergewählt wurde und trat erst 2024 in die AfD ein. Im vergangenen Jahr wechselte er in den Bundestag.
Die Mitbewerber von Stadtkewitz um das Bürgermeisteramt bekamen weit weniger Stimmen: Der FDP-Kandidat Stephan von Hundelshausen kam auf 28,6 Prozent, der parteilose Einzelbewerber Wolf-Gernot Richardt auf 7,8 Prozent und Dennis Latzke von der Partei des Fortschritts auf 5,2 Prozent.
Stadtkewitz geht von Amtseinführung Ende Mai aus
Die FDP sprach von einem "Achtungserfolg" ihres Kandidaten, der ein "Angebot aus der Mitte der Gesellschaft" gewesen sei, sagte der Landesvorsitzende Zyon Braun. Der Wahlsieg der AfD trübe die Stimmung jedoch. "Nun hat der Protest gesiegt, und es bleibt offen, wohin sich Zehdenick entwickeln wird", sagte er laut Mitteilung. Der Wahlkampf sei hart und in sozialen Medien auch "unterhalb der Gürtellinie" verlaufen.
Mit seiner Amtseinführung rechnet Stadtkewitz bis Ende Mai. Am Dienstag sei die Tagung des Wahlausschusses vorgesehen.