Berlin & BrandenburgSozialminister: Regenbogenflagge ist Kampfsymbol geworden

Brandenburgs Sozialminister Wilke gedenkt nach dem Anschlag am Rande des CSD der Opfer. Er mahnt, die queere Community stehe bereits massiv unter Druck und bietet Unterstützung an.
Potsdam (dpa/bb) - Das gesellschaftliche Klima für queere Menschen hat sich aus Sicht von Brandenburgs Sozialminister René Wilke bereits seit einiger Zeit spürbar verschärft. "Die Community ist ja insgesamt massiv unter Druck", sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.
Die Regenbogenflagge zu hissen, sei vor einiger Zeit eine Selbstverständlichkeit gewesen. "Mittlerweile ist das zu einem politischen Kampfsymbol geworden und zu so einem Auseinandersetzungspunkt, obwohl sie ja nur dafür steht, dass Menschen sich frei entfalten und leben dürfen und lieben dürfen, wen sie wollen."
Wilke bei Gedenken nach Anschlag dabei
Wilke zeigte am Montag bei einer Gedenkveranstaltung in Potsdam für die Opfer des mutmaßlich islamistisch motivierten Anschlags am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin seine Solidarität.
Wegen Anfeindungen und Gewalt fühlen sich queere Menschen auch in Brandenburg zunehmend unsicher. Rechtsextreme Gruppen mobilisieren seit längerem immer wieder gegen Veranstaltungen der queeren Community und rufen zu Störaktionen auf. Es kam zu Zerstörungen von Regenbogenflaggen.
Minister will CSDs auch mit Präsenz unterstützen
"Das ist, glaube ich, ein allgemeines Lebensgefühl, das sich gerade zum Schlechteren verändert, obwohl man eine Zeit lang dachte, es wäre ja schon besser geworden", sagte Wilke, der als Minister auch für gesellschaftlichen Zusammenhalt zuständig ist. Er versuche, die queere Community in Brandenburg verstärkt ideell zu unterstützen und sei bei vielen CSDs dabei.
Er werde zudem schauen, was etwa mit Blick auf finanzielle und strukturelle Forderungen realisierbar sei - "damit klar ist, dass das weiter Teil unseres vielfältigen Lebens ist und auch bleiben soll".
Die Amadeu Antonio Stiftung rief Politiker dazu auf, sich für CSDs einzusetzen und dort auch Präsenz zu zeigen. "All dies wird und kann solche Anschläge nicht verhindern. Aber es kann Betroffenen helfen, sich gesehen und wieder sicherer zu fühlen."