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Berlin & BrandenburgTod von Polizist: Angeklagter beschreibt Fahrt unter Drogen

22.04.2026, 13:03 Uhr
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Ein junger Polizist stirbt bei einer Verfolgungsjagd in Lauchhammer. Seit einigen Monaten steht der mutmaßliche Täter vor Gericht. Er beschreibt nun die Umstände, die aus seiner Sicht zur Tat führten.

Cottbus (dpa/bb) - Im Prozess um einen bei einer Verfolgungsjagd getöteten Dresdner Polizisten vor dem Landgericht in Cottbus hat der Angeklagte erhebliche Drogenprobleme eingeräumt. Durch seinen Drogenkonsum habe er "einen hohen Finanzbedarf" gehabt, hieß es in einer Erklärung, die sein Verteidiger vorlas. Deswegen ließ er sich erneut auf einen Autodiebstahl als Teil einer Bande ein. Lediglich 100 Euro sollte er für seine Beteiligung am Diebstahl von zwei Autos bekommen.

Jede halbe Stunde eine Dosis

Mephedron, Amphetamine und Kokain habe er am Tag der Tat konsumiert, führte er aus. Jede halbe Stunde gab es eine Dosis Mephedron. Das Betäubungsmittel wirkt euphorisierend und aktivierend und wird als Partydroge genutzt. Der Stoff habe zu einer höheren Risikobereitschaft geführt und die Steuerungsfähigkeit des 27-jährigen Angeklagten erheblich beeinträchtigt, sagte ein Gutachter vor dem Landgericht.

Der Angeklagte soll im vergangenen Jahr bei einer Verfolgungsjagd im Süden von Brandenburg einen 32-jährigen Polizisten aus Dresden mit seinem Wagen erfasst und getötet haben. Der Fall hatte bundesweit zu Anteilnahme geführt. Dem Angeklagten mit polnischer Staatsbürgerschaft wirft die Staatsanwaltschaft Mord vor, um eine Straftat zu verdecken. Ein Urteil soll voraussichtlich am 6. Mai gesprochen werden.

"Erschrocken" von der eigenen Fahrweise

Er habe sich erschrocken, als er polizeiliche Videoaufnahmen von der Verfolgungsjagd gesehen habe, erklärte der Angeklagte. Sie zeigen eine völlig enthemmte Fahrweise und mehrere Situationen, in denen der Fahrer knapp einem Unfall mit dem Gegenverkehr entging. Er dachte damals nicht, das etwas passieren könne. Er habe die Situation durch die Drogen und den Schlafentzug womöglich falsch eingeschätzt.

In Lauchhammer kam es schließlich zu dem tödlichen Zusammenprall mit dem Polizisten. Er habe seine Fahrt nicht als übermäßig gefährlich wahrgenommen, sagte der Angeklagte. "Natürlich fuhr ich schnell. Aber ich glaubte, das Risiko zu beherrschen." Er wollte weder das Leben anderer noch sein Leben gefährden - auch nicht in Anbetracht einer drohenden Gefängnisstrafe durch den Autodiebstahl.

Angeklagter: Plötzlich war die Tür offen

Die verhängnisvollen Sekunden beschreibt der Angeklagte als unübersichtlich. Er wollte während eines Überholvorgangs wieder zurück auf die rechte Spur, um das Auto, in dem sich der später getötete Polizist befand, zu umfahren. Dass die Tür des Fahrzeugs geöffnet war, habe er zu spät gesehen. "Plötzlich war sie offen."

Zwar wollte er noch bremsen, "aber es war zu spät". Er rechnete nach eigenen Angaben nicht damit, dass jemand aussteigen würde. "Es gab dann einen Schlag", schreibt er in der Einlassung. Er habe dann gesehen, dass ein Mensch von dem Auto erfasst wurde. Wie der junge Polizist durch die Luft geschleudert wurde, sah er nicht. Er könne sich noch dran erinnern, wie er gehofft habe, dass der Mensch nicht schwer verletzt ist. An möglicherweise lebensbedrohliche Verletzungen habe er zu keinem Zeitpunkt gedacht.

Schließlich setzte er seine Flucht fort. "Das war ein Fehler", räumte er vor dem Gericht ein. Den Beamten gelang es später, ihn außerhalb von Lauchhammer zu stellen.

Vor dem Landgericht äußerte der 27-Jährige Worte des Bedauerns. "Ich würde es gern ungeschehen machen", sagte er laut seiner Erklärung. Er wisse, welches Leid er über die Familie gebracht habe. "Es ist alles furchtbar."

Quelle: dpa

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