Hamburg & Schleswig-HolsteinAlte Bäume und Totholz sollen Vielfalt im Wald sichern

Warum ein umgestürzter Baum kein Abfall ist: Das neue Konzept setzt auf Vielfalt statt auf Aufräumen – und will so die Artenkrise im Norden bekämpfen.
Bordesholm (dpa/lno) - Sehr alte oder bereits umgestürzte Bäume lassen Wälder nicht nur urig aussehen. Sie haben einen besonders großen Wert für die Natur. In Schleswig-Holstein soll der Anteil solcher Habitatbäume und von Totholz weiter steigen.
Dazu stellte Forstministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) gemeinsam mit dem Direktor der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten, Chris Freise, ein weiterentwickeltes Konzept in der Försterei Bordesholm (Kreis Rendsburg-Eckernförde) vor.
Bis zu 140.000 gekennzeichnete Habitatbäume
Das Konzept gelte für die gesamte Waldfläche der Landesforsten, die knapp ein Drittel der Waldfläche im nördlichsten Bundesland ausmacht. Alte Bäume in unterschiedlichen Alters- und Zerfallsphasen, stehendes und liegendes Totholz sowie Bäume mit besonderen Biotopstrukturen werden damit dauerhaft gesichert.
Sie bieten wichtige Lebensräume für Tiere, Pflanzen und Pilze. Statt bisher rund 80.000 sollen künftig bis zu 140.000 Habitatbäume markiert werden. Zusätzlich sollen in jedem Hektar Wald durchschnittlich 25 Kubikmeter liegendes und stehendem Totholz bleiben.
Nach Zahlen der Bundeswaldinventur stehen in Deutschland durchschnittlich 335 Kubikmeter Holz in einem Hektar Wald. Schleswig-Holstein gehört mit etwa 11,5 Prozent Waldanteil an der Landesfläche zu den waldarmen Bundesländern. Allerdings ist der Laubwaldanteil im Norden besonders groß. Ziel der Landesregierung ist eine Ausweitung der Waldfläche auf zwölf Prozent.
Ministerin betont Stärkung der Waldökosysteme
Schmachtenberg betonte, dass mit Habitatbäumen und Totholz die Waldökosysteme gestärkt würden. "Ich freue mich sehr, dass wir mit der Weiterentwicklung des Konzepts nun die gesamte Fläche der Landesforsten abdecken."
Nach Freises Angaben sind die Förderung der Biodiversität und die ökologische Vernetzung feste Bestandteile der naturnahen Waldwirtschaft der Landesforsten. "So begegnen wir der Artenkrise und stärken gleichzeitig die Resilienz unserer Wälder – ein zentraler Baustein des biologischen Klimaschutzes und ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der Biodiversität im Land zwischen den Meeren."